Gott und das Coronavirus

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Liebe Gemeinde ...


Es ist das erste Mal, dass ich diese Worte an einem Samstag schreibe, im Wissen, dass ich sie am Sonntag drauf nicht jemandem sagen kann. Es ist schade, dass wir uns zum Gottesdienst nicht sehen und im Anschluss bei einer Tasse Kaffee zusammenstehen können. Aber Rücksicht aufeinander und Vorsicht im Blick auf die Verbreitung des Coronavirus gehen aktuell eben vor.

 

Als ich dieses Bild zum ersten Mal gesehen habe, musste ich lachen. Gott mit Gummihandschuh und Mundschutz bei auf der „Erschaffung Adams“ (Michelangelo, Sixtinische Kapelle). Ja, die Seuche geht um und wir müssen uns entsprechend an- bzw. zurückziehen.


Was dieses Bild schon immer spannend gemacht hat, ist die Lücke zwischen den Fingern Gottes und Adams. Diese Lücke, die nun mit Gummihandschuh und Mundschutz gefühlt noch einmal größer wird. Und der Blick Adams der auf einmal etwas mitleidsuchend wirkt.


„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

        (Matthäus 11,28)


Dieses Wort Gottes hören wir aus Jesu Mund. Und weil Jesus diesen Satz sagt und wir wissen wie Jesus gelebt hat, hat das nichts mit Gummihandschuhen und Abstand zu tun. Dass im Blick auf uns Menschen als Geschöpfen Gottes ein Abstand zu Gott dem Schöpfer besteht, ist klar. Wir sind nicht Gott, wie wir in diesen Zeiten mit begrenzten Handlungsmöglichkeiten schmerzhaft merken.


Aber wenn Jesus diesen Satz sagt: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“, dann zieht er sich nicht davor die Gummihandschuhe an um mit Sicherheitsabstand am Menschen zu operieren. Nein, Jesus zieht eine dreckige Kinderwindel an, legt schmutzigen Bettlern am Straßenrand die Hände auf und berührt sogar Leprakranke. Jesus macht sich die Hände schmutzig, auch wenn ihn das später das Leben kostet. Gott geht in seiner Liebe zu uns Menschen weit über das hinaus, was unser Verstand für sinnvoll hält.


Für uns ist Abstandhalten wichtig, wir wollen den Tod – auch im Zugehen auf Ostern – nicht unnötig beschleunigen. Aber wenn jetzt der ein oder andere in den kommenden Tagen oder Wochen daheim sitzt und sich so seine Gedanken macht, wie das alles nur werden soll, dann dürfen wir Jesus durchaus beim Wort nehmen mit seiner Einladung: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Ein Gebet braucht nämlich keine Gummihandschuhe.


Und dann hoffe ich und erwarte, dass wir von Gott tatsächlich „erquickt“ werden mit seinem Geist, der uns Zuversicht lehrt, bei aller Vorsicht.


"Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit."

        (2. Timotheus 1,7)