Morgenandachten

  • add Morgenandacht 25. Mai 2020

    Psalm 46

    Gott ist unsre Zuversicht und Stärke,

    eine Hilfe in den großen Nöten,

    die uns getroffen haben.

    Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge

    und die Berge mitten ins Meer sänken,

    wenngleich das Meer wütete und wallte

    und von seinem Ungestüm die Berge einfielen.

    Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben

    mit ihren Brünnlein,

    da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind.

    Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie festbleiben;

    Gott hilft ihr früh am Morgen.

    Die Heiden müssen verzagen und die Königreiche fallen,

    das Erdreich muss vergehen, wenn er sich hören lässt.

    Der Herr Zebaoth ist mit uns,

    der Gott Jakobs ist unser Schutz.

    Kommt her und schauet die Werke des Herrn,

    der auf Erden solch ein Zerstören anrichtet,

    der den Kriegen steuert in aller Welt,

    der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt

    und Wagen mit Feuer verbrennt.

    Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin!

    Ich will der Höchste sein unter den Heiden,

    der Höchste auf Erden.

    Der Herr Zebaoth ist mit uns,

    der Gott Jakobs ist unser Schutz.

     

    Ehre sei dem Vater und dem Sohn

    und dem Heiligen Geist,

    wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit

    und in Ewigkeit.

    Amen.

     

     

    Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!
    (Johannes 14,1)

     

    „Heilige Mitte“ nennen es christliche Mystiker und sie sagen: In jedem Menschen, in seinen Gedanken, Gefühlen, in seiner Seele gibt es diese heilige Mitte – wie einen Raum in einem Haus. Wer sich auf die innere Reise macht, der geht durch die vielen Räume seiner Gedanken: Zweifel, Streit, Schrecken – in dieser Zeit vielleicht hervorgerufen durch das Corona-Virus.

     

    Durch all das kann man hindurchgehen und es hinter sich lassen und irgendwann kommt man in diesen geschützten Raum: Es ist nicht mehr wichtig, was ich gerne wäre – hier bin ich. Es ist nicht mehr wichtig, was von außen auf mich einströmt – hier bin ich ruhig; so still, dass Gott mit mir sein kann, so ruhig, dass ich ihn höre. Hier wärme ich mich, wenn mir innerlich kalt ist, hier erfahre ich Trost, wenn ich ängstlich bin, hier wird meine Sehnsucht nach mir und nach Gott endlich gestillt.

     

    In den letzten Augenblicken seines Lebens will Jesus uns noch den Weg dorthin zeigen, wo sich jeder Lebensmut, innere Kraft, Stärke und Klarheit holen kann: Eines seiner letzten Worte vor seinem Tod soll alle trösten – auch durch den größten Schrecken kann man hindurchgehen: „Euer Herz erschrecke nicht“, sagt er fast zärtlich und er beschreibt den Weg zu dieser heiligen Mitte in uns Menschen: „Glaubt an Gott und glaubt an mich.“ Glaube, man könnte auch sagen: Vertrauen, ist der Weg zu diesem Kraftzentrum in uns. Es gibt neben Corona noch genug anderes, was einen erschrecken kann, aber in jedem ist noch diese ganz andere, die göttliche Kraft zu leben.

    Wer zurückkommt von einer inneren Reise, wird es merken: Nach jedem Gebet, nach jedem Augenblick der Stille werde ich innerlich freier und kann leben – mutig und unerschrocken – auch in Zeiten von Corona.

    Vielleicht machen Sie sich heute auf und gehen in sich auf Entdeckungsreise – und kehren vielleicht nach wenigen Augenblicken erholt zurück. Vielleicht gestärkter noch, als nach zwei Wochen Sommerurlaub?

     

    Seien Sie herzlich gegrüßt – und kommen Sie gestärkt und behütet durch den neuen Tag!

    Pfarrer Markus Laidig

     

     

    Gebet

    Vater im Himmel, unsere Worte können manchmal kaum ausdrücken, was uns bedrückt.

    Du kennst unsere Gedanken und Gefühle.

    Du kennst unsere Hilflosigkeit und unsere Ohnmacht.

    Hilf uns! Kläre unser Denken, begegne uns mit deiner Kraft. Sprich uns an mit deinem ewigen Wort, das Leben schafft und erhält.

    Zeige uns deine Wege und mache uns gewiss, dass uns nichts, weder Tod noch Leben, weder Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges trennen kann von deiner Liebe, die in Jesus, unserem Bruder und Herrn für immer in dieser Welt erschienen ist.

    Amen.

     

    Die Brücke

    Es gibt eine Brücke

    über alle schrecklichen Abgründe

    von Einsamkeit und Versagen,

    von Krankheit und Tod

    hinweg.

    Gott hat diese Brücke gebaut

    von sich zu uns, von uns zu sich

    in seinem Sohn Jesus Christus.

    Wer sich ihm anvertraut,

    kommt über alles hinweg.

  • add Morgenandacht 23. Mai 2020
  • add Morgenandacht 20. Mai 2020

    Glauben und zweifeln

     

    Ostern ist ja irgendwie die Geburtsstunde unseres Glaubens – aber immer ist Ostern auch mit mächtigen Zweifeln verbunden.

    Im Johannesevangelium lese ich (Johannes 20, 24-25):

     

    Thomas, der auch Didymus genannt wird, gehörte zum Kreis der Zwölf.

    Er war jedoch nicht dabei gewesen, als Jesus gekommen war.

    Die anderen Jünger berichteten ihm: »Wir haben den Herrn gesehen!«

    Er erwiderte: »Erst will ich selbst die Löcher von den Nägeln an seinen Händen sehen.

    Mit meinem Finger will ich sie fühlen. Und ich will meine Hand in die Wunde an seiner Seite legen. Sonst glaube ich nicht!«

     

    Glauben und zweifeln. Ich möchte ein paar „Dreiklänge“ zum klingen bringen.

     

    Mein Glaube sagt

    Meine Nachbarin ist krank. Sie hat mich gebeten, dass ich für sie bete. Ich werde ihren Wunsch erfüllen. Der Arzt hat ihr gesagt, dass sie sich keine Hoffnung auf Heilung machen soll. Aber ich will Gott vertrauen, dass er Wunder tun kann. Schließlich ist Jesus unser Heiland.

     

    Mein Unglaube widerspricht

    Du weißt es genau. Da ist Hopfen und Malz verloren. Du handelst unverantwortlich, wenn du deiner Nachbarn falsche Hoffnungen machst. Da ist doch die bittere Enttäuschung vorprogrammiert. Kein Gott wird ihr helfen. Dein Gebet ist Schall und Rauch.

    Ermutige deine Nachbarin lieber, sich in ihr Schicksal zu fügen. Und steh ihr bei. Nimm dir Zeit für sie. Das hilft mehr.

     

    Der Herr aber spricht

    Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen und ihn aufrichten

     

     

    Mein Glaube sagt

    Ich will mich mit meinen Kindern versöhnen. Ja es hat viel Streit gegeben. Wir waren uns nicht immer grün. Wir haben uns verletzt. Aber ich weiß, dass meine Kinder auch unter dem Streit leiden. Und dass sie sich Frieden wünschen.

     

    Mein Unglaube widerspricht

    Das glaubst du doch wohl selbst nicht. Wenn deinen Kindern etwas an dir läge, dann hätten sie dich längst besucht. Dann würden sie dich nicht links liegen lassen und sich nur melden, wenn sie etwas brauchen. Sie sollen ruhig merken, wie sehr sie dich verletzt haben.

     

    Der Herr aber spricht

    Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist. Sprecht über niemand endgültige Urteile. Vergebt und es wird euch vergeben.

     

     

    Mein Glaube sagt

    Das Elend der Menschen in Afrika berührt mich. Es ist nicht recht, dass wir auf ihre Kosten leben. Ich will mich nicht vom Lied der Welt abschotten. Auch wenn ich mich dabei oft ganz ohnmächtig fühle.

    Aber ich will glauben, dass Gott die Armen nicht vergisst. Und ich will tun, was ich tun kann um zu helfen.

     

    Mein Unglaube widerspricht

    Ich versteh dich ja. Aber merkst du nicht, dass du dich seelisch überforderst?

    Überlass die Politik denen, die gewählt sich und die das gelernt haben. Die Zusammenhänge sind viel zu kompliziert, als dass ein Einzelner sie verstehen kann.

    Ein Einzelner kann eh nichts am Lauf der Welt ändern.

     

    Der Herr aber spricht

    Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Was ihr getan habt für einen meiner geringsten Brüder und Schwestern, das habt ihr für mich getan.

    Und was ihr den Hungrigen, den Durstigen, den Fremden und Verfolgten verwehrt habt, das habt ihr mir verwehrt.

     

     

    Mein Glaube sagt

    Christus ist auferstanden. Mein Leben in dieser Welt endet nicht in der Sackgasse des Todes.

     

    Mein Unglaube widerspricht

    Und was ist, wenn der Tod doch das letzte Wort hat? Dann bist du einer Illusion aufgesessen und hast dein Leben verschwendet.

     

    Der Herr aber spricht

    Was hülfe es dem Menschen wenn er die ganze Welt gewönne – und nehme doch Schaden an seiner Seele?
    Ich bin die Auferstehung und das Leben.

    Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.

     

     

    Mein Glaube sagt

    Ich möchte ehrlich sein. Ich möchte zu meinen Zweifeln genauso stehen wie zu meinen Sehnsüchten und Hoffnungen. Gott hält es aus, wenn die Anfechtung an mir nagt. Warum sollte ich Gott und mir etwas vormachen. Gott muss meinen Zweifel aushalten.

     

    Mein Unglaube widerspricht

    Der Zweifeln entzweit. Er macht dich schwach. Nur wer glaubt ist Gottes Kind.

     

    Der Herr aber spricht

    Glaube mir: Selbst wenn dein Glaube so winzig ist, wie ein Senfkorn, so reicht er aus.

     

    Danke Gott, ich beginne zu ahnen, was mir hilft.

     

    Pfarrer Ulrich Hägele

  • add Morgenandacht 19. Mai 2020

    Losung für den heutigen Tag:

    So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben?
    Hesekiel 33,11

     

    „Was habt ihr denn heute vor?“

    Dieser Satz erforderte meist eine schnelle und unverfängliche Antwort an unsere Eltern oder Großeltern, um ohne weitere Nachfragen davonzukommen. Wir, mein Cousin und ich, hatten dann nämlich meist etwas ausgeheckt und wollten uns zur Umsetzung unserer Pläne unauffällig verdrücken.
    Nun würde ich unsere Streiche nicht unbedingt als böse Wege bezeichnen, denn dabei kam – zumindest meistens – niemand zu Schaden. Aber doch zeugte die Frage unserer Eltern „Was habt ihr denn heute vor?“ von einer Ahnung, dass da etwas nicht ganz koscher war.

    „So kehrt nun um von euren bösen Wegen.“ – Muss ich mir das sagen lassen?

    „Warum wollt ihr sterben?“ – Was soll die Frage?

    Die Situation, in die hinein der Prophet Hesekiel diese Frage stellt, ist die Erfahrung der Deportation nach Babylon durch Nebukadnezar II. Der Prophet schaut auf Israels Geschichte und sieht darin die bösen Wege: Die Abkehr von Gott, die Geringschätzung der Worte Gottes, die sich im Leben der Israeliten zeigte und auswirkte – und zuletzt das Gericht Gottes dafür erhielt.

    „Was soll die Frage?“, so reagieren wir vielleicht, wenn wir die Losung des heutigen Tages hören: „So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben?“ Dabei zeugt diese Frage davon, dass wir nicht verstanden haben, worum es Hesekiel geht: Um ein Leben im Sinne Gottes. Aber aus seiner Geschichte heraus, setzt er andersrum an: Nämlich beim Tod als Folge eines Lebensstils in Abkehr von Gott.

    Wer nun aber meint, die heutige Losung sei eine für uns eine anachronistische Mahnung oder gar Drohung, der geht fehl. Das sehen wir im Blick auf den ganzen Vers 11, aus dem die heutige Losung stammt:

    „So sprich zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: Ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe. So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben, ihr vom Hause Israel?“

    Gott will unser Leben und nicht unseren Tod. Das galt für die Menschen damals wie für uns heute. Aber die Frage, auf welchem Weg wir uns befinden, und die Aufforderung zur Umkehr von bösen Wegen, die gilt uns ebenfalls.

    Und falls es uns tröstet: Das Eingeständnis nicht richtig zu liegen, falsch gehandelt und gedacht zu haben, war noch nie in Mode. Auf eine Mahnung zu hören und daraufhin umzukehren und sein Leben zu ändern, noch viel weniger.

    Doch dieser Ruf zur Umkehr ist weniger eine Drohung, sondern hat letztlich eine Verheißung im Sinn: „So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: Ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe.“

    Was hast du heute also vor?

    Ich will nicht sterben in Eigensinn und Selbstgerechtigkeit,
    sondern Umkehren und leben auf Gottes Wegen. So wahr mir Gott dabei helfe.

    Pfarrer Raphael Häfele

     

     

    Lass mich, o Herr, in allen Dingen (EG 414)

    1. Lass mich, o Herr, in allen Dingen

    auf deinen Willen sehn und dir mich weihn;

    gib selbst das Wollen und Vollbringen

    und lass mein Herz dir ganz geheiligt sein.

    Nimm meinen Leib und Geist zum Opfer hin;

    dein, Herr, ist alles, was ich hab und bin.

    2. Gib meinem Glauben Mut und Stärke

    und lass ihn in der Liebe tätig sein,

    dass man an seinen Früchten merke,

    er sei kein eitler Traum und falscher Schein.

    Er stärke mich in meiner Pilgerschaft

    und gebe mir zum Kampf und Siege Kraft.

    Text: Georg Joachim Zollikofer 1766
    Melodie: Dir, dir, o Höchster, will ich singen (EG 328)

     

     

     

     

     

  • add Morgenandacht 18. Mai 2020

    Vom Zurückkehren

    10 Monate lebte ich in den USA bei einer Gastfamilie, da war ich 16. So lang weg von Zuhause war ich noch nie. Es war eine schöne Zeit. Spannend. Ich habe wundervolle Menschen kennengelernt, zu denen ich heute noch Kontakt habe. 10 Monate lang war ich ganz dort, im Haus meiner Gastfamilie. Und dann ging es zurück, nach Hause. Auf dem Weg zurück hatte ich 1000 Fragen: Wie wird es zuhause sein? Ob sich viel verändert hat? Wie wird es sich anfühlen, im alten und vertrauten anzukommen? Und wird es tatsächlich nur altvertraut sein?

    Wir kehren jetzt auch zurück. Nicht vom einem Auslandsaufenthalt, nicht von einer aufregenden Reise, sondern aus einer Zeit, in der es für die meisten von uns die wichtigste Aufgabe war, die Füße still zu halten.

    Nun kehren wir zurück in unsere Kirchen, in unsere Gemeindehäuser. Langsam nur. Schritt für Schritt und ganz vorsichtig, um nicht zu gefährden, was unser still-halten möglicherweise beschützt hat.

    Wir kehren zurück in den kommenden Tagen und Wochen. Wie wird es sein? Wie wird es sich anfühlen, im altvertrauten anzukommen? Verändert haben wird es sich äußerlich nicht. Alles steht an seinem gewohnten Platz – fast alles. Desinfektionsspender werden dazugekommen sein.

    Die altvertrauten Stammplätze müssen aber vorübergehend aufgegeben werden. Statt Umarmungen: Zurückhaltung; statt Nähe: auch mit Abstand in Gottes Namen zusammen sein.

    Wir kehren zurück und wir spüren: Es ist anders als vorher. Vielleicht wird es über längere Zeit anders bleiben, weil Vorsicht wichtig ist. Wir kehren zurück mit Sehnsucht im Herzen. Nach der Gemeinschaft. Dem Händedruck. Warmen Umarmungen. Den anderen in der Kirchenbank neben mir zu spüren. Mit der Sehnsucht, Brot und Wein zu teilen.

    Ich wünsche mir, dass all diese Sehnsüchte und viele mehr bald wieder Wirklichkeit werden, dass wir einander wieder spüren können.

    Wir kehren zurück. Und dabei schwingt in mir ein Vers aus Psalm 23 mit: Ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

    Was auch kommen möge – die Schließung von Kirchen und Gemeindehäusern, das Untersagen von Gottesdiensten und religiösen Versammlungen – wir waren und sind und werden bleiben im Hause des Herrn immerdar.

    In den letzten 9 Wochen waren wir nicht oder kaum in unseren Kirchen. Wir haben nicht Gottesdienst gefeiert und dort miteinander gebetet. Wir haben unsere Orgel nicht spielen hören. Wir haben nicht miteinander gesungen, gehört, geschwiegen.

    Und trotzdem waren und sind wir im Hause des Herrn immerdar. Unsere Kirchen, diese Steine, sie gehen mit in unserem Herzen. Die Menschen, die wir im Gottesdienst sonst treffen – wir haben an sie gedacht, für sie gebetet, sie angerufen, mal an ihrer Tür geklingelt und uns durchs Fenster unterhalten.

    Wir waren, sind und bleiben im Hause des Herrn immerdar. Komme, was wolle.

    Wir kehren zurück in unsere Kirchen und in unsere Gemeindehäuser. Aber eigentlich waren wir nie wirklich fort.

    Amen

    Pfarrerin Christiane Fröhlich

  • add Morgenandacht 14. Mai 2020

    DANKE für die Bank. Ein älteres Modell, aber allzu lange steht sie wohl noch nicht an der Wegkreuzung. Mir fällt sie ein erstes Mal auf, als sie besetzt ist. Ein idyllisches Bild, inmitten von viel Grün. Direkt daneben blüht ein Apfelbäumchen.

    Wieder komme ich an der Stelle vorbei. Diesmal sitzt niemand da. Dafür sehe ich das Blatt in einer Folie. „DANKE für die Bank“ lese ich, darunter „und DANKE für´s reparieren!!“ Ich schaue genauer hin. Tatsächlich ist eine Latte angenagelt, mit der ein Schaden ausgebessert wurde.

    Anscheinend hat jemand die Bank beschädigt. Mutwillig? Oder aus Unachtsamkeit? Jedenfalls bedauerlich. Doch jemand anderes - vielleicht die Person, die die Bank aufgestellt hat - belässt es nicht beim Bedauern, sondern repariert. Damit sich hier wieder Menschen ausruhen können mit Blick ins Grüne.

    DANKE. Beim Hohenloher Krankenhaus hing vor einigen Wochen ein Transparent, auf dem all denen gedankt wurde, die sich unter schweren Bedingungen um kranke Menschen kümmern. Auch der Dank gegenüber Kassiererinnen, Altenpflegerinnen und anderen Menschen, die eher schlecht bezahlt wichtige Arbeit leisten, wurde in diesen Tagen häufiger ausgesprochen als sonst.

    Meine ich das nur, oder sind wirklich die dankbaren Stimmen leiser, die aggressiven dagegen lauter geworden? Dabei ist doch klar: Zerstört ist viel schneller als gebaut. Heilen braucht deutlich mehr Zeit als Verletzen. Längst nicht jeder Schaden lässt sich einfach durch das Annageln einer Latte beheben.

    DANKE. Dankbarkeit ist eine innere Haltung. So vieles ist nicht selbstverständlich! Dass ich in einem Land lebe, das bisher verhältnismäßig gut durch die Corona-Krise gekommen ist. Dass ich Menschen habe, denen ich herzlich verbunden bin, auch wenn ich viele zur Zeit nicht treffen kann. Dass es um uns herum wunderbar grün ist, obwohl es wenig geregnet hat.

    DANKE. Dankbarkeit ist eine innere Haltung, die immer wieder nach außen drängt. Dass ich meinen Dank ausdrücke wie jene Unbekannten, die das Blatt an die Bank hängten. Meinen Dank an Menschen, die Gutes tun und reparieren, was andere - unachtsam oder in böser Absicht - kaputt gemacht haben.

    Meinen Dank an Gott, dem ich mein Leben verdanke, „unser tägliches Brot“, meine Lebensfreude und vieles mehr. „Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103,2)

    Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön

    dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.

    Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;

    ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

    (EG 302,1; Paul Gerhardt 1653)

     

    von Pfarrer Jörg Dinger, Öhringen

  • add Morgenandacht 13. Mai 2020

    Rechts stehen, links gehen

    Ich bin ganz unten im Labyrinth der S-Bahnen. Und spät dran. Und ganz oben, da fährt die Straßenbahn, die ich brauche. Zügig marschiere ich zur Rolltreppe – elend lang, das Ende kaum zu erkennen.

    „Links gehen“ – „Rechts stehen“ – hier geht’s geordnet zu. Wohin soll ich? Rechts oder links? Keine Frage: ich habe keine Zeit, links ziehe ich eiligen Schrittes an den Stehern vorbei. Abgekämpft, aber unglücklich komme ich an …

    Stop! Das geht so nicht. Also nochmal zurück, Ich stehe wieder ganz unten. Rechts stehen, links gehen … und jetzt? Ich probiers: Diesmal rechts stehen und … ich spüre, wie ich wieder „runterkomme“. Ich habe plötzlich Zeit und Lust zu schauen – wer da links von  mir die Treppe hochstresst und ich sehe auf der Treppe, die nach unten rollt die Gesichter der Menschen–manche lachend, gleichgültig, verdrießlich. Ich genieße es so.

    Rolltreppen sind etwas sehr Meditatives – regelrechte Verlangsamungsschleusen – um so mehr, je mehr auf sie im Laufschritt zueilen, kurz stehen bleiben, nach oben schweben und dann weiterrennen.

    Links – Gehen: für die Hektiker, Rechts- Stehen für die Meditativen. Die zur Rechten halten an, atmen tief durch und genießen diese paar Sekunden reiner Gnade. Was man tun will, geschieht auf der Rolltreppe automatisch, ganz von selbst. Wunderbar. -wo im Leben wird einem das sonst geschenkt. Ein paar Sekunden reiner Gnade …

    Eine ganz andere Rolltreppe kommt mir dabei in den Sinn – die erste wohl in der Geschichte der Menschheit: Jakob träumt von einer Himmelsleiter: Die Engel schweben darauf hinunter und hinauf – wie auf einer Rolltreppe.

    Jakob hat sein Haupt auf einen Stein gebettet – hart, wie das Leben und der Alltag eben oft ist. Und mitten drin in dieser Härte: Ein paar Sekunden reiner Gnade: „Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst, … Ich verlasse dich nicht“, sagt Gott. Im Traum. Aber immerhin.

    Und Jakob wird klar: „Wirklich, der Herr ist an diesem Ort, und ich wusste es nicht“. Und manchmal ist er sogar auf der Rolltreppe – mitten im Gedränge.

     

    Pfarrer Ralph Binder, Öhringen

  • add Morgenandacht 12. Mai 2020

    Es gibt unendlich viele Liebeslieder. Ob SWR 1,2,3 oder vier oder „Antenne Regenbogen“ - die meisten Lieder, die man im Radio hört, handeln von der Liebe: „I Will Always Love You“ von Silbermond, oder etwas rauer „Ich liebe dich“ von Herbert Grönemeyer. Für die Älteren „You look wonderful tonight“ (Eric Clapton) und die Schlagerfans „Jetzt gehör ich dir“ (Kastelruter Spatzen). Aber auch Operette oder Oper, Lieder von Brahms, Schumann oder Schubert handeln von der Liebe, die wie eine Schwalbe entfliegt oder von den Tränen der verlassenen Mägdelein. Und Mozart, klar, der wußte sowieso viel von brennender Liebe und enttäuschten Liebesschwüren.

    Liebe und Singen, das gehört irgendwie zusammen. Das gilt auch für den Gottesdienst. Von brennender und enttäuschter Liebe, von der Sehnsucht nach Nähe und vollkommener Beziehung singen wir auch in der Kirche. In der Bibel heißt es im 1. Johannesbrief: „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.“ Diese Liebe findet ihren Ausdruck in den Liedern, die wir sonntags singen. Es ist schmerzhaft, dass wir sie im Moment nicht laut miteinander singen dürfen, unsere Liebeslieder an Gott.

    Umso wichtiger, sich die Lieder ins Herz zu holen, damit die Seele sie singen kann. Zum Beispiel, indem man sich vorstellt, wie unsere Gesangbuchlieder klingen würden, wenn wir sie als Liebeslieder zwischen Menschen verstehen. Wenn also die Ehefrau von der Liebe im Alltag singt: „Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr“, je nachdem, ob der Ehemann mit einem Kaffee am Bett steht oder der Sohn schreit. Oder das Lied des unglücklich verliebten Teenagers, der seine Angebetete jetzt noch nicht mal in der Schule sehen kann: „Ach, wie lang, ach lange, ist dem Herzen bange und verlangt nach dir“ (Jesu meine Freude). Oder der Gesang des jungen Mannes, der niederkniet und zu seiner Freundin sagt: „Ich möchte‘, dass einer mit mir geht, der auch im Schweren zu mir steht. Willst du mich heiraten?“. Im Alter singt eine Frau über ihren Mann: „Er reicht mir seine Hand, den Abend und den Morgen tut er mich wohl versorgen, wo ich auch sei im Land“ und das junge oder etwas ältere Liebespaar jubelt sich zu: „Ich will dich lieben meine Stärke, ich will dich lieben meine Zier“ (Ich will dich lieben, o mein Leben). Und dann einander mit den Worten in die Arme schließt: „Ich in dir, du in mir, lass mich ganz verschwinden, dich nur sehn und finden“ (Gott ist gegenwärtig).

    Beim nächsten Gottesdienst, in dem wir singen dürfen, können Sie das ja mal ausprobieren. Bis dahin schlage ich für heute folgendes vor: Wenn Sie Radio hören, machen Sie es umgekehrt. Singen Sie ein Liebeslied für Gott.: „I was made for loving You“ oder „Du bist das Beste, das mir je passiert ist“ - was auch immer. Singen Sie einfach, egal ob richtig oder falsch, laut oder leise. Egal. Es hört sie ja niemand. Außer einem. Und der freut sich über ihr Liebeslied. Ganz bestimmt, es ist ja sein Wort, das sagt: „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt“.

    Es grüßt Sie herzlich Ihre Pfarrerin Henrike Frey-Anthes

  • add Morgenandacht 11. Mai 2020

    Gott, wir haben mit unsern Ohren gehört, unsre Väter (und Mütter) haben's uns erzählt, was du getan hast zu ihren Zeiten, vor alters. (Psalm 44,2)

     

    Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. (Lukas 10,39)

     

    Gestern war Konfirmation, beziehungsweise gestern wäre eine von den vielen in Öhringen und im Ländle gewesen. Wir hätten gefeiert mit Singen und Beten, Hören und Schauen in festlich großer Runde mit Eltern, Großeltern, den Paten, Verwandten und Gästen. Wir hätten auf die jungen Menschen gehört in der Konfirmandenpredigt, was sie zu sagen haben, und auf den Katechismus, was wir über unseren Glauben wissen und staunend formulieren können.

     

    Wir hätten gefeiert mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden, dass sie mit uns auf dem Weg sind, Jesus, Gott in ihrem Leben zu entdecken als die Kraft, die Hoffnung, die Liebe, die unsere Liebe trägt. Das ist schon sehr eigenartig, dass all dies so anders sein muss.

     

    Was uns unsere Mütter und Väter im Glauben erzählen über die Jahrhunderte und was an reichen und wichtigen Glaubenserfahrungen ausgetauscht wird heute, das ist kostbar. Was wir kennen und hören von Abraham und Sarah, von Jakob, Joseph und seinen Brüdern, vom jungen Mose und seinem großen Auftrag, von Elia und Jeremia, von Maria und Josef, von Petrus und Johannes, von Maria Magdalena, von Lazarus in Bethanien und seinen beiden Schwestern Maria und Marta sind keine Geschichtchen, sondern erlebte Geschichte von Menschen unterwegs mit ihrem Gott und ihrem großen und oft so kleinen Glauben.

     

    Ganz normale Menschen mit ihren Macken und Kanten, mit ihrem Eifer und Neid, mit ihrer Liebe und ihren Fragen erleben Einsamkeit und Herausforderung und auch Befreiung und Veränderung.

     

    "Gott, wir haben mit unsern Ohren gehört, unsre Väter (und Mütter) haben's uns erzählt,

    was du getan hast zu ihren Zeiten, vor alters." Mit dieser Selbsterinnerung, dem besten Satz, beginnt ein sicher selten gebeteter Psalm über die feindlichen Mächte, die uns bestürmen. Die feindlichen Mächte, die alltäglichen Bedrohungen und Anfragen in Menschen- und ganz anderer Gestalt, sprachlich im Bild der konkreten Feinde benannt. Verwirrend ist sie diese kriegerische Sprache. Doch Angst nimmt wie im Traum oft konkrete Gestalt an: in Menschen, wenn sie uns bedrohen, oder in so lausigen Viren, die uns ohnmächtig erscheinen lassen.

     

    Doch: "Du bist es, mein Gott, der Hilfe verheißt." (V.5) "Durch dich stoßen wir bedrohliche Kräfte zu Boden," (V. 6)  lassen sie hinter uns liegen. Und: "ich verlasse mich nicht auf Bogen und Schwert." (V.7) Ja, ich verlasse mich nicht auf meine Kraft und mein Können allein heißt das: Auch Lebensweisheit und medizinisches Wissen haben ihre Grenzen.

     

    Unser oft so kleines Vertrauen darf sich anlehnen an die Glaubenserfahrung, an erlebte Wirklichkeit der Mütter und Väter vor und um uns. Dem kann auch unser Glaubensbekenntnis grundlegend und doch nur stammelnd den Weg bereiten. Immer wieder aber finden – Gott sei Dank! - Glaubensmut und innerer Halt Worte, die uns bewegen, wie in Bonhoeffers Gedanken aus dem Gefängnis an seine Verlobte und seine Eltern, die Mut zusprechen:

    Von guten Mächten wunderbar geborgen,

    erwarten wir getrost, was kommen mag.

    Gott ist bei uns am Abend und am Morgen

    und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

     

    Das ist das Letzte , was wirklich zählt im Leben und im Sterben. In solchem Vertrauen denken wir im Gebet an die vielen Konfirmandinnen und Konfirmanden und an unsere eigene Konfirmation, die vielleicht auch nicht immer unter dem besten Stern stand, die uns aber konfirmieren, uns festmachen will in der Liebe Gottes , die uns umgibt.

     

    "Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu." Die Schwester von Marta und Lazarus geht selbst in Quarantäne, in Auszeit vom alltäglichen Umtrieb und hört einfach nur genau hin auf die Worte, die tragen, hört dem zu, der helfen kann. Sie hört ganz hin mit ihren Ohren, um im Herzen zu verstehen.

     

    In festlicher Runde sollen wir gerade nicht singen, um andere nicht zu gefährden, aber allein dürfen wir schon. Zum Sonntag Kantate gestern, Singt!, haben unser Kantoren wunderschöne Lieder zum Mitsingen ins Netz gestellt (auf unserer Homepage):

     

    EG 201

    Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön

    dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.

    Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;

    ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

     

    NL 219

    Wir stehen im Morgen. Aus Gott ein Schein durchblitzt alle Gräber.

    Es bricht ein Stein. Erstanden ist Christus. Ein Tanz setzt ein.

    Halleluja, Halleluja, Halleluja, es bricht ein Stein.

    Halleluja, Halleluja, Halleluja, ein Tanz setzt ein.

     

    Ihnen, Euch allen wünsche ich einen berührenden und erfrischenden Tag im Hören mit Herz und Ohren unter dem Segen Gottes. Alles Gute!

     

    Pfarrer Hannes Wössner, Öhringen

     

  • add Morgenandacht 9. Mai 2020

    Tageslosung:

    Der Herr, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände.

    „Halts Maul, jetzt kommt der Segen“ – vor etlichen Jahren war dieser Buchtitel gerade unter Religionspädagogen auf der Bestsellerliste. Die Autorin Inger Hermann schildert in bewegenden Reportagen den rauen und harten Schulalltag vernachlässigter Kinder.

    Mich hat damals zunächst der Titel angesprochen. Will er doch zum Ausdruck bringen: Gerade für Kinder aus schwierigen Verhältnissen ist der Segen etwas Besonderes. Auch wir erleben das so, kein Gottesdienst ohne Segen. Besonders in Coronazeiten darf der Segen fehlen.

    „Gib uns noch was gutes auf den Weg….“ sagte eine Mitarbeiterin nach der Sitzung. Ich musste kurz nachdenken, was sie damit meint. Ja- ein Segenswort mitten in unserem Alltag ist und bleibt etwas Einzigartiges. Und wenn sich dieser Segen erfahren, erleben und benennen lässt, wie in unserer Losung - umso besser. Mose blickt auf 40 Jahre Wüstenwanderung zurück, als dieser Satz fällt. Und so zieht sich der Segen Gottes wie ein roter Faden durch die ganze Bibel. Er umschließt all unser Tun und Lassen, unser Sorgen und Mühen. Und bei allem menschlichen Planen und Schaffen glauben wir Christen: „An Gottes Segen ist alles gelegen“.

    Segen ist und bleibt Gottes Zuspruch für unser Leben. Gottes Segen zu empfangen fordert unsere Passivität, dass wir uns fallen lassen können in sein großes Versprechen. Dabei steht die Frage, wie sich der Segen dann auswirkt, oder gar, was wir dazu legen sollen und können, völlig im Hintergrund.

    Gottes Segen begleitet uns. Jeden Tag neu. Daraus dürfen wir schöpfen. Auch an diesem Samstag:

    „Keiner kann allein Segen sich bewahren.

    Weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen.

    Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen,

    schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.“

    EG 170.2

    Ihnen ein gesegnetes Wochenende.

     

     

    Diakon Hans-Peter Hilligardt, Pfedelbach

     

     

  • add Morgenandacht 07. Mai 2020

    Wüstenpflanzen

    Der Theologe Fulbert Steffensky erinnert sich an seine Kindheit:

    „Wenn wir Kinder früher in die Schule gingen, machte unsere Mutter jedes Mal ein Kreuzzeichen auf unserer Stirn. Das geschah eher beiläufig, also keineswegs in tiefer Ergriffenheit. Auch wir Kinder waren nicht sonderlich bewegt. Es gehörte zum Morgen fast wie das Butterbrot, das ich für die Vesperpause einsteckte. Wenn aber eines von uns Kinder krank war, dann war meine Mutter eine wirkliche Künstlerin. Dann vollzog sie das Ritual nicht beiläufig, sie war mit ihrer Sorge und Liebe ganz in der Geste. Und der Segen wurde wie eine Wüstenpflanze, die tot schien und aufgewacht war, nachdem sie das Wasser der Trauer und der Sorge bekommen hatte.“

    Der übliche Betrieb ist unterbrochen, das Gewohnte läuft nicht mehr wie bisher. Bei vielen jedenfalls ist das so. Zugleich habe ich in Gesprächen immer wieder den Eindruck, dass Menschen derzeit in besonderer Weise berührbar sind für Dinge, die ihren Horizont weiten und öffnen – Stärke, Hilfe, Hoffnung, die von außen kommt. Vielleicht ist jetzt gerade eine Zeit, in der manche „Wüstenpflanze“, die lange geschlummert hat, durch das „Wasser der Trauer und Sorge“ aufblühen könnte. Vielleicht entdecken Sie für sich persönlich so ein Wort, einen Psalm, ein Lied. Es ist Ihnen schon aus Kindertagen bekannt. Sie haben es im Gottesdienst immer wieder gebetet und gesungen – ohne besondere innere Regung. Aber jetzt fängt es an, zu Ihnen zu sprechen:

    So eine Wüstenpflanze könnte das Vaterunser sein. Wenn Sie es in Ruhe und langsam für sich beten. Vielleicht manche Sätze wiederholen, vielleicht schon beim ersten Wort innehalten und ihm nachlauschen: „Vater“ – wie viel an Nähe, Zuneigung und Verbundenheit schwingt in dieser Anrede an Gott mit! Oder Sie meditieren den Psalm 23 für sich – und bleiben vielleicht stehen bei dem schönen Bild: „Du bereitest vor mir einen Tisch / im Angesicht meiner Feinde.“ Was für ein Versprechen – zur Ruhe kommen, sich niederlassen dürfen, versorgt werden von Gott mit dem, was ich brauche – trotz vieler ungelöster Fragen, die mich in Angst versetzen möchten. Oder Sie sprechen am Abend - laut oder leise – den aaronitischen Segen, den Sie im Gottesdienst so oft gehört haben. Jetzt spreche ich ihn selber – und denke an die Menschen, die mit mir im Haus wohnen, an meine Freunde oder meine Kinder, die weiter weg sind … „Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden.“ Und vielleicht spüre ich unversehens, wie sich etwas Lichtes und Schützendes um mich herum ausbreitet.

    Abgenutzte Worte, Gebete, Lieder – vielleicht ist das jetzt ihre Stunde und sie entfalten in dieser besonderen Zeit eine neue besonderer Kraft. „Wüstenpflanzen“, die durch das „Wasser der Trauer und der Sorge“ zum Grünen kommen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in den kommenden Tagen und Wochen solche Erfahrungen machen dürfen.

     

    „Befiehl du deine Wege

    und was dein Herze kränkt

    der allertreusten Pflege

    des, der den Himmel lenkt.

    Der Wolken, Luft und Winden

    gibt Wege, Lauf und Bahn,

    der wird auch Wege finden,

    da dein Fuß gehen kann.“

     

    (Text: Paul Gerhardt; in: ev. Gesangbuch, Nr. 361)

     

    Pfarrer Wolfgang Wilhelm, Forchtenberg

     

     

  • add Morgenandacht 06. Mai 2020
  • add Morgenandacht 05. Mai 2020

    Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.
    Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

    Psalm 139, 5, 9-10

     

    Flügel der Morgenröte. Äußerstes Meer. Ein Gott, der mich hält. Ein altes biblisches Gedicht, ein Gebet. Psalm 139. Das sind kostbare Erinnerungsstücke meines Glaubens. Die alten Worte von Gott und den Flügeln der Morgenröte und dem äußersten Meer haben sich bei mir tief in Herz und Hirn eingeprägt. Das war wohl um die Zeit, als Deutschland wiedervereinigt wurde und wir nicht mehr für jeden Verwandtenbesuch mehrere Stunden Kontrolle an der Grenze einplanen mussten. Vor allem für meine Verwandten war der Vers aber auch kostbar, weil sie auf der anderen Seite der „Mauer“ sich immer überlegten, ob eine Flucht wohl lohnenswert und machbar sei. Aber zum Glück ist alles anders gekommen damals. Auf jeden Fall war uns damals wichtig, dass wir uns von Gott gehalten wussten.

    „Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.“ – Immer, wenn ich heute die Verwandten besuche, tanzen mir diese alten Worte durch den Sinn: Von Flügeln der Morgenröte, von Geborgenheit und Kindheit und von einem Gott, von dem die Bibel sagt, er ist die Liebe. Und ich mitten drin. Was für ein schöner Gedanke.

     

    Ob ich sitze oder stehe, du siehst meinen Tageslauf.
    Wo ich schweige und was ich sage, nur du allein weißt den Grund.
    Ob ich lebe oder ob ich sterbe:
    Du bist ja immer gleich,
    denn Finsternis ist Licht bei dir, und deshalb dank ich dir dafür,
    denn du erforscht mein Herz und siehst meinen Sinn,
    Nur du kennst meinen Weg und weißt , wer ich bin. Amen

     

    Pfarrer Arnim Speck, Eschental

  • add Morgenandacht 04. Mai 2020
  • add Morgenandacht 02. Mai 2020

    Lieber Leser*Innen,

    Ich habe den Eindruck, die Zahl der Menschen, die von der aktuellen Situation genervt oder überfordert sind, nimmt täglich zu. Besonders wenn man im Internet, den digitalen Medien oder einfach Nachrichten aus Amerika unterwegs ist, kann man diesen Eindruck gewinnen. Auch wenn wir immer mehr Schritte hin zu einer Lockerung der Maßnahmen zur Begrenzung der Pandemie gehen, geht es dem ein oder anderen wohl zu langsam.

    Die Forschung nennt diesen Umstand „Präventionsparadoxon“. Die wenigsten erleben die Schwere der Situation in den Krankenhäusern und Altenheimen, wenn Menschen erkranken. Die Zahlen der Verstorbenen steigen im Vergleich mit anderen Ländern nicht ins unermessliche. Die Intensivpatienten sprengen nicht die Möglichkeiten der Krankenhäuser. All das geschieht, weil präventive Maßnahmen getroffen werden und den absoluten Kollaps verhindern.

    Diese Situation erinnert mich an die Geschichte des Volkes Israel und die 40-jährige Wanderung durch die Wüste. Ich bin mir sicher, unsere Wanderung wird nicht 40 Jahre dauern. Doch es gibt einige Parallelen. Die Israeliten schauen zurück auf die Zeit in Ägypten und merken, das Leben in der Wüste ist nicht das, was sie erhofft haben. Sie träumen von den Fleischtöpfen Ägyptens und vergessen die Plackerei und Unterdrückung als Sklaven. Wie würde es in unserem Land aussehen, wenn wir nicht bedacht agieren würden? Wie würde es sein, wenn nicht so viele Menschen Rücksicht nehmen und aufeinander achten würden?

    Auf der Wüstenwanderung bekommen die Israeliten als Richtschnur für ihr Leben die 10 Gebote. Da heißt es ganz am Anfang: Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir (Exodus 20, 2f). Hier wird ganz klar gesagt, worauf sie sich verlassen sollen und können. In Luthers großem Katechismus findet sich ein sehr passender Satz zur Auslegung des ersten Gebots: „Worauf du nun (sage ich) dein Herz hängst und verlässest, das ist eigentlich dein Gott.“

    Woran hängen wir heutzutage unsere Herzen, frage ich mich? Wem vertrauen wir in diesen für alle schwierigen Zeiten, Politikern, Medizinern, Freunden, Facebook, uns selbst? Diese Frage zu beantworten ist nicht einfach. Mancher verehrt vielleicht sogar Politiker oder Mediziner als neue Messiasse. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Es ist enorm wichtig im Moment, auf wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt, auf demokratischem Weg Entscheidungen für unsere Gesellschaft zu treffen. Es ist genauso wichtig, dass viele Menschen diese Entscheidungen mittragen und auch die eigene Meinung sachlich kundtun. Dies alles geschieht zum Schutz von Menschen und unseren Nächsten.

    Doch auch dabei kann die Kraft ausgehen und ich merke, dass ich ein Mensch bin und nicht Gott. Ich kann und muss nicht alles allein schaffen. Wenn ich mir das bewusst mache, dann kann ich getrost durch den Tag gehen. Und kann mich auch dem überlassen, von dem ich glaube, dass er mein Leben auf einem guten Weg führt, Gott. Zu ihm kann ich dann auch mit der Tageslosung beten, wenn mir die Gelassenheit verloren geht: Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. (Psalm 51,13 )

    Bleiben Sie behütet.

    Pfarrer David Mayer, Pfedelbach

  • add Morgenandacht 1. Mai 2020

    © Bernd Zeller

     

     

    Der Mann sieht, finde ich, Woody Allen ähnlich.

    Ich weiß nicht, ob das vom Zeichner so gewollt ist, aber das trägt durchaus dazu bei, dass ich zunächst lächeln muss über diese Aussage.

    Die Erkenntnis dieses Mannes ist ja nicht ohne Witz.

    Und trotzdem, denke ich, ist sie ernst gemeint. Es ist ein lustiger, aber auch ein kluger Satz.

    Er könnte fast als Gottesbeweis durchgehen.

    Der Mann erkennt, wie unglaublich, wie unwahrscheinlich eigentlich unsere eigene Existenz ist.

    Der Mann staunt, dass es ihn überhaupt gibt.

    Und er denkt weiter.

    Nachdenken kann schiefgehen, aber es kann auch tiefgehen.

    Dieser Satz jedenfalls hat durchaus Tiefgang.

    Der Mann bringt seine eigene Existenz mit Gott in Verbindung.

    „Wenn schon ich existiere, dann könnte es eigentlich auch Gott geben.“

    So einfach kann der Weg zum Glauben sein.

    Die Erkenntnis scheint ihn wie ein Blitz aus heiterem Himmel zu treffen.

    Entsprechend verwirrt sieht er dann auch aus.

    Hier ist ein Pfingstereignis dargestellt.

    Gottes Geist öffnet einem Menschen die Augen.

    Noch scheint der Gedanke zu neu, als dass er ihn wirklich glauben kann. Aber er ist auf dem besten Weg dazu.

    Es ist zwar nicht auszuschließen, dass der Mann nun wieder aufhört zu denken – weil ihm der Gedanke zu gefährlich ist, oder weil der Alltag ihn zu sehr gefangen nimmt, oder einfach, weil das Weiterdenken zu mühsam ist. Was auch immer.

    Es kann aber auch sein, dass er genug Ruhe und Muße findet, um die neue Erkenntnis festzuhalten und sie in sein Leben zu integrieren.

    Es kann sein, dass ihm nach und nach die Bedeutung dieser Erkenntnis deutlich wird.

    Und ich stelle mir vor, dass er dann irgendwann nicht mehr so verblüfft wirkt, sondern gelassener und fröhlich.

    „Wenn schon ich existiere, dann könnte es eigentlich auch Gott geben.“

    Ich finde, das ist kein schlechtes Motto, um damit getrost und zuversichtlich nicht nur durch diesen Tag zu gehen.

    Amen

    Pfr. Jochen Mayer

  • add Morgenandacht 30. April 2020

    Morgenlicht leuchtet …

     

    Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang.

    Frühlied der Amsel, Schöpferlob klingt.

    Dank für die Lieder, Dank für den Morgen,

    Dank für das Wort, dem beides entspringt.

     

    Sanft fallen Tropfen, sonnendurchleuchtet.

    So lag auf erstem Gras erster Tau.

    Dank für die Spuren Gottes im Garten,

    grünende Frische, vollkommnes Blau.

     

    Mein ist die Sonne, mein ist der Morgen,

    Glanz, der zu mir aus Eden aufbricht!

    Dank überschwänglich, Dank Gott am Morgen!

    Wiedererschaffen grüßt uns sein Licht.

                                                                     

                                                                               

     

                                                              EG 455

     

     

     

     

    Spuren Gottes …

     

    Liebe Leserin,
    lieber Leser,

    haben Sie das magische Auge? Ich schätze mich glücklich, dass ich es habe - bzw. eine Ausgabe davon in meinem Bücherregal: „Das magische Auge“, erschienen bei Arsedition im Jahre 2002! Ich bin fasziniert von diesem Bilderbuch: Seite für Seite ein anderes Bild: einmal ein schlichtes Muster, ähnlich dem einer alten Tapete. Dann: ein Sternenhimmel, Blumen, Fische, Schmetterlinge, Münzen oder Passfotos. Bilder, die nicht unbedingt jedeN von uns vom Hocker hauen würden – wenn es mit diesen allen nicht eine besondere Bewandtnis auf sich hätte! Kunst liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters verborgen. Hier kommt es nun aber in ganz besonderer Weise auf die Art des Betrachtens an, möchte man entdecken, was sich in diesen Bildern noch so alles verborgen hält: eine „3-D-Illusion“! Damit auch jedeR diese entdecken kann, empfiehlt die „Gebrauchsanleitung“: „Halten Sie die Mitte des Bildes direkt vor ihre Nase. Versuchen Sie durch das Bild hindurchzusehen. Bewegen Sie das Bild ganz langsam von Ihrem Gesicht weg, … bis Sie die Bildtiefe wahrzunehmen beginnen …“ Wer das versucht, entdeckt, was zuvor nicht zu sehen war: einen Stern, ein neues Muster, eine verborgene Szenerie oder irgendein Tier. Was mich aber wirklich und besonders dabei fasziniert, ist diese vorher ungeahnte und unsichtbare Dreidimensionalität! Ich ertappe mich heute noch manchmal dabei, dass ich die Farben oder das Papier des Buches untersuche, ob hier nicht doch mit anderen, „magischen“ Stoffen gearbeitet wurde, als sonst so üblich …

     

    An dieses Buch fühle ich mich dieser Tage öfter erinnert. Wenn ich in dieser Frühlingszeit draußen in der Natur bin, im Wald z. B., nehme ich mir jetzt in diesen durch Corona merkwürdig-entschleunigten Tagen manchmal etwas mehr Zeit. Ich bleibe dann einfach stehen oder tue es meinem Hund gleich und setze mich auch schon mal für ein paar Minuten auf den Waldboden. Ich versuche dann, an nichts Besonderes zu denken, sondern einfach nur zu sehen, zu hören, zu riechen, zu fühlen: das Grün der Blätter, die Strahlen der Sonne, die Farben der Blumen, das Zwitschern der Vögel, den Ruf des Kuckucks, das Summen der Insekten, den Duft der Blüten, den Hauch des Windes … Manchmal kommt es mir dann so vor, als könnte ich für einen Moment durch das mir dargebotene Bild hindurchsehen, bis ich eine neue, ungeahnte Bildtiefe wahrnehme, ein neues Muster, eine andere Welt, eine andere Dimension. Eine Dimension, in der alles, was eben noch wichtig und von Bedeutung, auf einmal einen anderen Stellenwert erfährt …

     

    Diese Momente haben für mich durchaus eine religiöse Dimension, die ich mit meiner religiösen Erfahrung verbinde: Alles ist von Gottes Kraft erfüllt und umgeben. Der Geist des Herrn erfüllt das All. Auch ich bin von dieser Kraft erfüllt – Kraft, die mich ins Leben rief. Kraft auch, die es unendlich gut mit mir meint, vom Wesen her barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte und Treue (Ps 86,15). Gute Mächte, die mich umgeben, und von denen ich mich wunderbar geborgen wissen darf. Worte, die sichtbar werden und die auch in über 3.000 Jahren nichts von ihrer Kraft und Bedeutung verloren haben: „Hab keine Angst und lass dich durch nichts erschrecken; denn ich, der HERR, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst!“ (Jos 1,9)

     

    Dennoch: Bei allem Wissen, Fühlen, Glauben und bei aller religiösen Erfahrung – es bleibt dabei immer auch die Erfahrung der Unverfügbarkeit dieses Bildes. Manchmal ist die Begegnung mit Gottes Kraft nicht mehr als eine Ahnung, die flüchtig und nicht greifbar ist – so, wie die 3-D-Bilder im Buch „Das magische Auge“: Die sind auch nicht immer verfügbar, verschwinden, wenn die Augen müde werden oder wenn die Konzentration nachlässt … Dennoch: Wenn ich auch gleich nichts fühle – so darf ich dennoch um die Existenz dieser Kraft Gottes wissen. Und ich darf mit ihr rechnen und ihr sogar mein ganzes Leben anvertrauen.

     

    Ein neuer Tag liegt vor Ihnen. Vielleicht werfen Sie auch einmal einen anderen Blick auf die Welt, wagen eine neue Sichtweise? Vielleicht entdecken Sie dabei auf Ihre ganz eigene Art „Gottes Spuren im Garten“, neue Bilder, eine neue Dimension, die Ihnen bislang noch nicht oder nur halb bewusst gewesen? Und erfahren dabei neuen Mut und ganz viel Freude auch und Gelassenheit – und das alles auch und sogar in Zeiten von Corona!

     

     

    Seien Sie bewahrt und behütet,

    Ihr Pfarrer Markus Laidig, Orendelsall

     

     

     

    Alles klar erkennen …

     

    Jetzt sehen wir nur ein undeutliches Bild wie in einem trüben Spiegel. Einmal aber werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke, doch einmal werde ich alles klar erkennen, so deutlich, wie Gott mich jetzt schon kennt. Was bleibt, sind Glaube, Hoffnung und Liebe. Von diesen dreien aber ist die Liebe das Größte.

    1 Kor 13,12f.

     

     

     

     

    Überströmt von Glanz und Licht …

     

    Der Geist des Herrn erfüllt das All

    mit Sturm und Feuersgluten;

    er krönt mit Jubel Berg und Tal,

    er lässt die Wasser fluten.

    Ganz überströmt von Glanz und Licht

    erhebt die Schöpfung ihr Gesicht,

    frohlockend: Halleluja.

    Maria Luise Thurmair, 1946

  • add Morgenandacht 29. April 2020

    Ganz ruhig liegt der See da. Er spiegelt den Himmel und die Bäume wider. Manchmal geht ein leichter Wind darüber und bewegt das Wasser. Wie tief ist er wohl? Was mag unter der Wasseroberfläche verborgen sein? Wahrscheinlich Algen, Wasserpflanzen und Fische. Und bestimmt verbergen sich unter der Wasseroberfläche Dinge, von denen wir nichts wissen. Vielleicht ein altes Fahrrad, vielleicht Flaschen, vielleicht Geldmünzen, vielleicht gar ein kostbarer Schatz.

     

    Glaubende Menschen halten es für möglich, dass sich – ähnlich wie bei diesem See – hinter der offensichtlichen Welt noch eine andere Realität befindet. Es gibt mehr, als wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können. Erfassen können wir diese andere Welt jedoch nicht. Aber wir können sie berühren: Im Beten, im Staunen und Ahnen, im Hoffen gegen den Augenschein.

     

    Ein Mann hat einmal zu Jesus gesagt: „Ich glaube. Hilf meinem Unglauben!“ Dieses Bibelwort, die diesjährige Jahreslosung, macht deutlich: Glaube und Zweifel liegen oft eng beieinander. Sie sind zwei Seiten derselben Medaille. Zweifel am Glauben können nämlich nur diejenigen Menschen haben, die sich zuvor auf den Glauben eingelassen haben. Rob Bell, ein US-amerikanischer Theologe schreibt: „Glaube und Zweifeln sind nicht gegensätzlich. Zweifel ist oft ein Zeichen, dass der Glaube einen Puls hat, dass er lebendig ist, gesund, neugierig und forschend. Glaube und Zweifel sind keine Gegensätze. Ganz im Gegenteil. Sie sind vielmehr perfekte Tanzpartner.“

     

    Christinnen und Christen glauben an Gott, der einen Namen hat. Gott hat sich Mose am Dornbusch vorgestellt. Er heißt „Ich-bin-da“. Gott ist an unserer Seite. Dies gilt für die Momente, in denen unser Glaube stark und zuversichtlich ist. Dies gilt jedoch genauso, wenn wir an Gottes Existenz und seiner Liebe zweifeln. Dass Gott für uns ist, hängt nicht am Grad unseres Glaubens, sondern an Gottes Treue zu uns Menschen.

     

    Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber erzählt von einem jungen Mann, der zum Rabbi kommt und sagt:

    „Ich möchte gern dein Schüler werden.“ Der Rabbi antwortet: „Gut, du musst mir aber zuvor eine Frage beantworten: Liebst du Gott?“ Der Schüler wird traurig und nachdenklich: „Eigentlich ,lieben‘, das kann ich nicht behaupten.“ Der Rabbi sagt freundlich: „Gut, wenn du Gott nicht liebst, hast du Sehnsucht, ihn zu lieben?“ Der junge Mann überlegt und erklärt: „Manchmal spüre ich die Sehnsucht deutlich, aber meist habe ich so viel zu tun, dass sie im Alltag untergeht.“ Der Rabbi: „Also, wenn du die Sehnsucht, Gott zu lieben, nicht so deutlich verspürst, hast du dann Sehnsucht, diese Sehnsucht zu haben, Gott zu lieben?“ Da hellt sich das Gesicht des Schülers auf: „Genau, das habe ich. Ich sehne mich nach dieser Sehnsucht, Gott zu lieben.“ Der Rabbi antwortet: „Das genügt. Du bist auf dem Weg.“

     

    Herzliche Grüße, Ihr Pfarrer Konrad Köhnlein, Pfedelbach

     

     

    Aus meines Herzens Grunde sag ich dir Lob und Dank

    in dieser Morgenstunde, dazu mein Leben lang,

    dir, Gott, in deinem Thron, zu Lob und Preis und Ehren

    durch Christus, unsern Herren, dein’ eingebornen Sohn,

     

    Mein’ Leib und meine Seele, Gemahl, Gut, Ehr und Kind

    in dein Händ ich befehle und die mir nahe sind

    als dein Geschenk und Gab, mein Eltern und Verwandten,

    mein Freunde und Bekannten und alles, was ich hab.

     

    Gott will ich lassen raten, denn er all Ding vermag.

    Er segne meine Taten an diesem neuen Tag.

    Ihm hab ich heimgestellt mein Leib, mein Seel, mein Leben

    und was er sonst gegeben; er mach’s, wie’s ihm gefällt.

     

    Darauf so sprech ich Amen und zweifle nicht daran,

    Gott wird es alls zusammen in Gnaden sehen an,

    und streck nun aus mein Hand, greif an das Werk mit Freuden,

    dazu mich Gott beschieden in meim Beruf und Stand.

     

    Text: Georg Niege (um 1586) 1592

    Melodie: 16. Jh.; geistlich vor 1598

     

    Pfarrer Konrad Köhnlein, Pfedelbach

  • add Morgenandacht 28. April 2020

    Dreiklänge zu Ostern: Glauben und zweifeln

     

    Ostern ist ja irgendwie die Geburtsstunde unseres Glaubens – aber immer ist Ostern auch mit mächtigen Zweifeln verbunden.

    Im Johannesevangelium lese ich (Johannes 20, 24-25):

     

    Thomas, der auch Didymus genannt wird, gehörte zum Kreis der Zwölf.

    Er war jedoch nicht dabei gewesen, als Jesus gekommen war.

    Die anderen Jünger berichteten ihm: »Wir haben den Herrn gesehen!«

    Er erwiderte: »Erst will ich selbst die Löcher von den Nägeln an seinen Händen sehen.

    Mit meinem Finger will ich sie fühlen. Und ich will meine Hand in die Wunde an seiner Seite legen. Sonst glaube ich nicht!«

     

    Glauben und zweifeln. Ich möchte ein paar „Dreiklänge“ zum klingen bringen.

     

    Mein Glaube sagt

    Meine Nachbarin ist krank. Sie hat mich gebeten, dass ich für sie bete. Ich werde ihren Wunsch erfüllen. Der Arzt hat ihr gesagt, dass sie sich keine Hoffnung auf Heilung machen soll. Aber ich will Gott vertrauen, dass er Wunder tun kann. Schließlich ist Jesus unser Heiland.

     

    Mein Unglaube widerspricht

    Du weißt es genau. Da ist Hopfen und Malz verloren. Du handelst unverantwortlich, wenn du deiner Nachbarn falsche Hoffnungen machst. Da ist doch die bittere Enttäuschung vorprogrammiert. Kein Gott wird ihr helfen. Dein Gebet ist Schall und Rauch.

    Ermutige deine Nachbarin lieber, sich in ihr Schicksal zu fügen. Und steh ihr bei. Nimm dir Zeit für sie. Das hilft mehr.

     

    Der Herr aber spricht

    Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen und ihn aufrichten

     

     

    Mein Glaube sagt

    Ich will mich mit meinen Kindern versöhnen. Ja es hat viel Streit gegeben. Wir waren uns nicht immer grün. Wir haben uns verletzt. Aber ich weiß, dass meine Kinder auch unter dem Streit leiden. Und dass sie sich Frieden wünschen.

     

    Mein Unglaube widerspricht

    Das glaubst du doch wohl selbst nicht. Wenn deinen Kindern etwas an dir läge, dann hätten sie dich längst besucht. Dann würden sie dich nicht links liegen lassen und sich nur melden, wenn sie etwas brauchen. Sie sollen ruhig merken, wie sehr sie dich verletzt haben.

     

    Der Herr aber spricht

    Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist. Sprecht über niemand endgültige Urteile. Vergebt und es wird euch vergeben.

     

     

    Mein Glaube sagt

    Das Elend der Menschen in Afrika berührt mich. Es ist nicht recht, dass wir auf ihre Kosten leben. Ich will mich nicht vom Lied der Welt abschotten. Auch wenn ich mich dabei oft ganz ohnmächtig fühle.

    Aber ich will glauben, dass Gott die Armen nicht vergisst. Und ich will tun, was ich tun kann um zu helfen.

     

    Mein Unglaube widerspricht

    Ich versteh dich ja. Aber merkst du nicht, dass du dich seelisch überforderst?

    Überlass die Politik denen, die gewählt sich und die das gelernt haben. Die Zusammenhänge sind viel zu kompliziert, als dass ein Einzelner sie verstehen kann.

    Ein Einzelner kann eh nichts am Lauf der Welt ändern.

     

    Der Herr aber spricht

    Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Was ihr getan habt für einen meiner geringsten Brüder und Schwestern, das habt ihr für mich getan.

    Und was ihr den Hungrigen, den Durstigen, den Fremden und Verfolgten verwehrt habt, das habt ihr mir verwehrt.

     

     

    Mein Glaube sagt

    Christus ist auferstanden. Mein Leben in dieser Welt endet nicht in der Sackgasse des Todes.

     

    Mein Unglaube widerspricht

    Und was ist, wenn der Tod doch das letzte Wort hat? Dann bist du einer Illusion aufgesessen und hast dein Leben verschwendet.

     

    Der Herr aber spricht

    Was hülfe es dem Menschen wenn er die ganze Welt gewönne – und nehme doch Schaden an seiner Seele?
    Ich bin die Auferstehung und das Leben.

    Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.

     

     

    Mein Glaube sagt

    Ich möchte ehrlich sein. Ich möchte zu meinen Zweifeln genauso stehen wie zu meinen Sehnsüchten und Hoffnungen. Gott hält es aus, wenn die Anfechtung an mir nagt. Warum sollte ich Gott und mir etwas vormachen. Gott muss meinen Zweifel aushalten.

     

    Mein Unglaube widerspricht

    Der Zweifeln entzweit. Er macht dich schwach. Nur wer glaubt ist Gottes Kind.

     

    Der Herr aber spricht

    Glaube mir: Selbst wenn dein Glaube so winzig ist, wie ein Senfkorn, so reicht er aus.

     

    Danke Gott, ich beginne zu ahnen, was mir hilft.

     

    Pfarrer Ulrich Hägele, Neuenstein

  • add Morgenandacht 27. April 2020

    Eine Handvoll Erde

    Es gibt ganz am Anfang der Bibel eine Geschichte, die ist mir jedes Mal eindrücklich, wenn ich sie lese: „Es war zu der Zeit, als Gott Himmel und Erde machte …“, so beginnt sie. Und dann – so erzähle ich etwas frei nach: Gott lässt einen Nebel aufsteigen. Und die Feuchtigkeit legt sich auf die trockene Erde. Und sie quillt auf und wird weich. Und Gott kniet nieder. Er betastet die Erde. Seine Finger spielen mit dem Lehm. Und der nimmt Form unter seinen Händen an: Eine Gestalt aus Erde entsteht. Augen, Nase, Mund und Lippen, Hände und Füße. Aber noch ist sie starr und unbeweglich. Da legt Gott seinen Mund an dieses Gebilde und haucht es an. „Da wurde der Mensch ein lebendiges Wesen“. (1. Moses 2, 7).  So erinnert uns die Bibel, dass wir Menschen, die wir uns gerne als „Krone der Schöpfung“ verstehen, Erd-Wesen sind. Mit tausend Fäden sind wir verwoben mit der Natur, die uns umgibt. Wir vergessen das, wenn wir Stück für Stück der Erde mit Asphalt versiegeln. Und wir vergessen das, wenn wir einen Lebensstil pflegen, als könnten wir jahraus, jahrein immer in gleicher Weise aktiv und leistungsstark sein. Vielleicht könnte uns da eine Haltung guttun, die man früher „Demut“ genannt hat. Das lateinische Wort für Demut heißt „humilitas“ – darin steckt das Wort „humus“, Erde, Boden drin. Demut ist der Mut, dass ich meine Erdhaftigkeit, meine Begrenztheit, auch meine Zerbrechlichkeit annehmen kann. Demut ist der Mut zu sagen: „Ich gestehe mir Zeiten zu, in denen ich nicht so funktionieren und nicht so viel hinkriegen kann, wie ich mir das wünsche. Ich gestehe mir Zeiten zu, in denen ich Angst habe und unsicher bin, weil mir die Kontrolle aus den Händen genommen wird.“ Demut ist die Bereitschaft, nicht ständig kämpfen zu müssen – gegen widrige Umstände und gegen meine eigenen schwachen Seiten. Sie hat nichts mit Kopfhängen zu tun. Es geht um eine entlastende Ehrlichkeit, die mich zu einer Haltung der geöffneten Hände führt: Denn in der Demut erkenne ich meine Abhängigkeit: Ich bin mir selber nicht genug – ich brauche die Beziehung zu anderen, und ich brauche die Beziehung zu Gott. Und so entdecke ich in einer Zeit, die meine Selbstsicherheit erschüttert, neu, wie wichtig mir das Gebet, das Abgeben an Gott, die Zusagen der Bibel und das Vertrauen in Gottes Nähe wird.

    Der Mensch – ein der Erde verbundenes Wesen: Ich habe gelesen, in einer Handvoll Erde stecken mehr Lebewesen als es Menschen auf der Welt gibt. Und sie sorgen dafür, dass die Erde fruchtbar ist und sich aus ihr etwas entwickeln kann. Die Bibel sagt: Auch wir Menschen, in unserer brüchigen Gestalt, sind ein Feld der Hoffnung. Weil Gott in uns etwas ungemein Lebendiges und Leben-schaffendes hineingelegt hat. „Wisst ihr nicht“, schreibt Paulus an die Christen in Korinth, „dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch lebt, und den Gott in euch hineingelegt hat?“ Wie viel Kreativität wird derzeit frei, um Wege zu finden, auf denen Menschen sich trotz aller Einschränkungen nahekommen und sich gegenseitig unterstützen können! Wir sind zerbrechlich – und wir sind zugleich erfüllt mit einer Kraft, die uns nach vorne treibt und die uns Hoffnung auf Veränderung gibt. Der Geist Gottes in uns ist immer für Überraschungen gut. Er lässt nicht zu, dass wir in Resignation versinken. Er ist Anstoß und Energie für immer neue Versuche, aus Schwierigem Gutes entstehen zu lassen, Brücken zu bauen, Lichter der Zuwendung und der Freude um uns herum zu verbreiten. Es steckt mehr in uns, als wir denken!

    Paul Gerhard schreibt:

    „Mach in mir deinem Geiste Raum,

    dass ich dir werde ein guter Baum,

    und lass mich Wurzel treiben.

     

    Verleihe, dass zu deinem Ruhm

    ich deines Gartens schöne Blum

    und Pflanze möge bleiben.“

     

    (Evang. Gesangbuch, Nr. 503, 14)

     

    Pfarrer Wolfgang Wilhelm, Forchtenberg

  • add Morgenandacht 25. April 2020

    Gott braucht keine Superhelden …

    eine Andacht von Pfarrerin Christiane Fröhlich

     

    Er weckt mich alle Morgen   EG 452,1.5

    1 Er weckt mich alle Morgen,

    er weckt mir selbst das Ohr.

    Gott hält sich nicht verborgen,

    führt mir den Tag empor,

    dass ich mit seinem Worte

    begrüß das neue Licht.

    Schon an der Dämmrung Pforte

    ist er mir nah und spricht.

    5 Er will mich früh umhüllen

    mit seinem Wort und Licht,

    verheißen und erfüllen,

    damit mir nichts gebricht;

    will vollen Lohn mir zahlen,

    fragt nicht, ob ich versag.

    Sein Wort will helle strahlen,

    wie dunkel auch der Tag.

     

    Vom Leben gebeutelt, aber doch behütet- Elia

    Der Prophet Elia hat es nicht leicht. Er steht in Gottes Dienst und das ist kein Spaziergang – besonders nicht in Israel in der Zeit von Ahab und Isebel. Ahab ist zwar König, doch seine Frau Isebel hat die Hosen an und führt das Zepter fest in ihrer Hand. Und das bekommt auch Elia zu spüren. Er ist der Prophet von dem EINEN Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat. Und Isebel hat eine andere Religion und kein Verständnis für diesen einen Gott. Ihre Götter heißen anders und die möchte sie bitteschön auch verehrt haben in Israel. Dazu ist ihr jedes Mittel recht. Elia gerät so in Rage, dass er die Priester von Isebels Religion tötet. Und nun droht ihm selbst der Tod, denn Isebel ist außer sich.

    Elia sucht das Weite. Erst bringt er seinen Diener in Sicherheit und dann läuft er eine ganze Nacht und einen ganzen Tag. Und dann, als er gar nicht mehr kann, weil die Angst ihm die Kehle zuschnürt, weil die Verzweiflung ihm die Brust eng macht, weil sich vor seinen Augen nur die Wüste und überhaupt keine Hoffnung erstreckt, lässt er sich unter einem Busch nieder und will nur noch eines: sterben.

    Und dann schläft er ein.

    Gott macht es nicht immer so, wie wir es uns wünschen. Aber dafür lässt er uns nicht allein, mutlos, traurig und verloren. Und das erfährt auch Elia.

    Ein Engel kommt und berührt ihn an der Schulter. Er weckt ihn. Und er stärkt ihn. Mit Brot und Wasser. Ganz einfach. Kein 5-Gänge-Menü, nicht mal ein richtiges Vesper mit Käse und Butter, Wurst, Obst und Gemüse. Nur Brot und Wasser.

    Elia isst – und schläft gleich wieder ein. Der Engel kommt wieder, weckt ihn, gibt ihm nochmal zu essen und schickt ihn weiter. Elia steht auf und geht – 40 Tage und Nächte.

    Die 40 ist eine besondere Zahl in der Bibel: 40 Tage lang dauert die Sintflut, 40 Jahre lang zog das Volk Israel durch die Wüste, 40 Tage lang fastete Jesus in der Wüste, 40 Tage bleibt der auferstandene Christus bei seinen Jüngern bis er auffährt in den Himmel. Die 40 ist wichtig in der Bibel. Sie steht immer wieder für einen Zeitraum, in dem sich das Leben auf den Kopf stellt, in dem sich neue Türen öffnen, in denen Menschen Gott begegnen.

    40 Tage und Nächte ist Elia auf dem Weg zum Berg Horeb, dem Berg Gottes. Dorthin hatte ihn der Engel geschickt. Elia geht. Beladen mit allem, was passiert ist. Er steigt auf den Berg und verkriecht sich in einer Höhle. Das ist mehr Obdach als er in den Tagen davor hatte. Und dennoch, diese Höhle stelle ich mir alles andere als gemütlich vor. Immerhin bietet sie ihm Schutz. Diese Höhle ist der Ort, an dem Gott zu Elia spricht: Elia, was machst du hier?

    Einfach so. Eine so einfache Frage hätte ich von Gott gar nicht erwartet. Und doch: Wo soll Elia beginnen?! Es ist so viel passiert. Er fängt einfach mal vorn an – von Isebel und ihren Priestern, von seinem Eifer und Übereifer, von seiner Flucht und davon, überhaupt keine Ahnung mehr zu haben, wie es weitergehen soll.

    Elia ist mir sympathisch – auf der einen Seite stark, tapfer, mutig, fest in seinem Glauben und voller Leidenschaft. Gleichzeitig verletzlich, verzagt, verzweifelt. Ach, Elia, denke ich mir. Du bist ein Held. Nicht Supermann, sondern ganz heldenhafter Mensch. Und du vertraust dich Gott an, legst dein Leben in Gottes Hand, wirfst alles vor ihn hin. Das beeindruckt mich.

    Und Gott – der ist für Elia da. Auch dann, wenn Elia das Gefühl hat, es geht alles nicht weiter. Gott gibt ihm, was er am nötigsten braucht – Stärkung, Zuflucht. Und noch mehr: Zuwendung.

    Elia, was machst du hier? Da kann Elia alles loswerden, was ihn schwer macht. Er kann sich beklagen, er kann bitten, er darf jammern. Elia kann sein Innerstes nach außen kehren und Gott vor die Füße werfen.

    Gott hört zu. Und als Elia fertig ist, da zeigt Gott ihm, wie er da ist. Geh raus Elia, ich will an dir vorübergehen. Dann geht’s los: Erst kommt ein schwerer Sturm, dass die Steine fliegen. Aber Gott ist nicht im Sturm. Dann kommt ein Erdbeben, aber Gott ist nicht im Erdbeben. Danach ein Feuer – aber Gott ist nicht im Feuer. Schließlich: ein stilles, sanftes Sausen. Ganz sanft, so wie ein leichter Frühlingshauch, der sanft die Wange streichelt.

    Gott begegnet Elia begegnet auf viele verschiedene Weisen. Im Engel, der ihm Wasser und Brot bringt. In der Stimme, die aus dem Nichts spricht. Im sanften Säuseln des Windes.

    Ich mag die Geschichte von Elia sehr. Denn sie erzählt von Elia, in all seiner Angst und seinen Zweifeln. Und sie erzählt von uns: dass manches schrecklich schief gehen kann, dass wir manchmal keine Ahnung haben, wie es weitergehen kann und soll, dass wir einfach nur weglaufen und flüchten und uns verstecken wollen.

    Und diese Geschichte erzählt von Gott. Er ist da. Er bleibt da. Er stärkt. Er nimmt das Schwere nicht einfach weg und erfüllt nicht jeden Wunsch. Er steht uns aber bei und begegnet seinen Menschen immer wieder. Manchmal als jemand, der uns etwas zu essen bringt. Manchmal als warme Luft, die uns einhüllt. Gott erinnert uns mit dem Frühlingsblühen an die Schönheit seiner Schöpfung und an sein Versprechen: Ich bin bei dir, wie dunkel auch der Tag.

    Die Geschichte von Elia erzählt, dass Gott keine Superhelden braucht. Gott liebt uns Menschen, so wie wir sind: Mit unserem Wanken und Schwanken, mit unserer Sicherheit, mit unserer Liebe und mit unserer Wut. Mit all unseren Gefühlen, Wünschen und Träumen. Und zu diesem Gott gehöre ich gern. Amen

    Bewahre uns Gott, behüte uns Gott  (EG 171,1)

    Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,

    sei mit uns auf unsern Wegen.

    Sei Quelle und Brot in Wüstennot,

    sei um uns mit deinem Segen,

    sei Quelle und Brot in Wüstennot,

    sei um uns mit deinem Segen.

     

    Segen

    Gott gehe mit euch durch diesen Tag.

    Er schenke euch Geduld füreinander und Gelassenheit mit euch selbst.

    Er begleite eure Wege, euer Tun und Lassen, euer Wachen und Hoffen, euer Ruhen und Träumen.

    Gott gehe mit euch durch diesen Tag und er hülle euch ein in seine Liebe.

    Amen

  • add An(ge)dacht für den 23. April 2020

    Rūpintojėlis. Da ist einer, der sich kümmert.

    Mit diesem Trostwort grüße ich Sie, grüße ich Euch!

    Rūpintojėlis. Ihn möchte ich Ihnen und Euch heute nahebringen.

     

    Rūpintojėlis. Übersetzt aus dem Litauischen: Der Bekümmerte, zugleich auch: Der, der sich kümmert!

    Dieser ganz typische litauische Jesus  Christus sitzt gebeugt, allermeist mit der Rechten den Kopf stützend, die Linke auf dem linken Knie, mit einer Dornenkrone, mit einem schmerzhaft traurigen Gesicht.

    „Mein“ Rūpintojėlis steht Tag für Tag auf meinem Schreibtisch.

    Nachdenklich, traurig, bekümmert. Welche Gedanken gehen ihm durch Kopf und Sinn? Hört er einfach zu? Hält er Leiden mit aus? Weint er gar? Oder findet er Worte des Trostes?

    Von Litauern auf dem Lande wurde diese  Christusdarstellung geliebt, war sie als meist schlichte Schnitzkunst weit verbreitet. So wurde der Rūpintojėlis in kleinen Kapellen aufgestellt oder im Wald direkt an Baumstämmen gehängt. Mir sind die Darstellungen im heutigen Litauen eher auf Kirchhöfen begegnet.

    In der litauischen Volkskunst spielt er eine große Rolle. Auch in Polen sind ähnliche Darstellungen weit verbreitet.  Mancher „Schmerzensmann“ in deutschen Darstellungen ähnelt dem litauischen Rūpintojėlis in auffallender Weise, so beispielsweise bei Albrecht Dürer.

    Auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“ (Johannes 14,22) Mit diesem Wort nimmt Jesus Abschied. Abschied von seinen Jüngern.

    Rūpintojėlis - Ist dies der nachdenkliche Jesus, voller Spott mit Dornen gekrönt, wenige Stunden vor seiner Kreuzigung? Hat er die Abschiedsworte bereits gesprochen an die Jünger, die nicht zu fassen vermögen, was geschehen soll?

    Oder sehen wir hier den bereits Auferstandenen, wie es litauische und polnische Deutungen nahelegen? So besagt eine polnische Legende, dass der auferstandene Christus mit der Dornenkrone durch die Welt gewandert war, und dann, als er müde geworden auf einem Steinhaufen Platz nahm, brach er in Tränen aus. Die für die Tränen dankbaren Menschen fingen daraufhin an, ihn als den mitleidenden Gott darzustellen.

    Ich nehme mir die Freiheit, ihn auf meine Weise zu betrachten. Ich denke, es ist gar nicht so wichtig, an welcher Stelle in der Passions- und Ostergeschichte wir ihn verorten, platzieren.

    Entscheidender ist mir, dass er da ist. Und mit ihm und der Darstellung eine entscheidende Erkenntnis. Von Ostern herkommend das Vertrauen: Da ist einer, der sich kümmert. Wie es sein Name besagt: Der Bekümmerte. Zugleich auch: Der, der sich kümmert! Die kleine Schnitzkunst trägt für mich die trostvolle Botschaft: Du bist nicht allein! Jesus kümmert sich um dich!

    Dazu passen auch die Orte, an denen er zu finden ist: mittendrin im Leben, an Wegen, an Baumstämmen, am Ort der Trauer: auf Kirchhöfen, Friedhöfen.

    Es ist für mich der Jesus Christus, der da war und ist und sein wird. Der Jesus, der im Abschiednehmen zu seinen Jüngern sagt: „Auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“ Der ihnen verspricht, dass ein Tröster kommen werde. Dass Sie auch weiterhin nicht alleine sein werden.

    Der das auch uns verspricht. Jedem, der sich jetzt gerade so alleine, so verlassen fühlt. Jedem, der sich in diesen Tagen um seine Zukunft sorgt. Jeder, die der Angst hat um die eigene Gesundheit oder die eines geliebten Menschen. Jedem und jeder, die trauern.

    Der Bekümmerte weint mit. Sitzt an meiner Seite. Schweigt mit. Hält die Traurigkeit mit aus. Er stürzt sich nicht in Aktionismus. Er schüttet die Trauer, das Leiden nicht mit Worten zu. Er ist einfach da. Strahlt in seiner Nachdenklichkeit Ruhe aus. Doch wenn er spricht, dann wird deutlich, dass er sich kümmert. Er sagt zu, Dich nicht alleine zu lassen. Er sagt zu, dass er deine Tränen mitweint und dass er Trost senden wird.

    Rūpintojėlis. Da ist einer, der sich kümmert. Eine Schnitzerei, die ein Trostwort ist.

    Auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen.“ (Joh 14,22). „Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit.“ (14,16).

     

    Gott sende DIR seinen Trost – für Dein Heute und Dein Morgen.

    Er neige zu Dir seine Ohren und höre Deine Klage.

    Er, der mit zu weinen vermag, er wische Deine Tränen ab.

    Er, der mit Dir bekümmert ist, er kümmert sich um Dich!

    Er segne Deinen Tag und Deine Nacht. Er segne DICH. Amen.


     

    Pfarrerin Nadja Elbe

  • add Morgenandacht 22. April 2020

    Er ist vielleicht nicht immer praktisch, aber er erfreut mich immer wieder: der Kochlöffel mit dem lachenden Gesicht. Auf dem Holz- und Krämermarkt in unserer Ortschaft habe ich ihn vor ein paar Jahren gekauft. Wenn ich die Schublade öffne und er lächelt mir entgegen, dann muss ich irgendwie auch lächeln.
    Und das tut mir gut. Das hilft mir. Gerade auch jetzt. Denn eigentlich wäre ich gerade bei einer mehrtägigen Fortbildung, aber die wurde natürlich abgesagt- wegen Corona. Dort hätte ich auch Menschen getroffen, die ich nur einmal im Jahr treffe, auf die ich mich gefreut habe- aber das geht nun ja nicht. Und nun? Soll ich mich darüber ständig ärgern? Damit tue ich niemandem einen Gefallen- weder mir, noch den Leuten, mit denen ich zu tun habe. Ich kann die Situation ja nicht ändern. Und so ist es wohl besser, ich halte es mit dem Liederdichter Paul Gerhardt und einem seiner wunderschönen Lieder (siehe unten) und mache mich -gerade auch jetzt und unabhängig von der Jahreszeit- auf die Suche nach Freude.

    Und da kommt mir der Kochlöffel mit dem lachenden Gesicht gerade recht. Denn ich merke, dass es manchmal Kleinigkeiten sind, die mich erfreuen, Kleinigkeiten, die entscheidend prägen, wie ich die nächsten Schritte angehe:
    Wenn ich den Kochlöffel sehe, dann freue ich mich einfach und mache mich etwas erfreuter an die Arbeit. Ein anderer denkt in der gleichen Situation vielleicht: Schön und gut, aber die Kocharbeit muss ich ja doch machen- und nachher das Spülen erst! Und wieder eine andere freut sich schon auf die hoffentlich zufriedenen Gesichter der Kinder am Tisch, die es sich schmecken lassen.

    Und so ist es auch bei den Blüten am Apfelbaum: Genieße ich den Augenblick? Oder habe ich sofort die berechtigte Befürchtung, dass das eigentlich noch zu früh ist und die kommenden Fröste Schaden anrichten werden und die Blüte eh nur kurz dauert? Oder schmiede ich schon Pläne, welchen Apfelkuchen ich zuerst backe nach der Ernte?

    Jeder hat da seinen eigenen Blickwinkel, jede ihre Eigenarten. Wir Menschen sind verschieden und das ist gut so. Aber wir wissen auch, dass manche Sichtweisen das Leben erleichtern und andere eher erschweren.

    Ich denke, es ist gut, wenn ich mir bewusst mache, dass es häufig verschiedene Blickwinkel auf eine Situation gibt, unterschiedliche Aspekte mitbedacht werden können; dass meine Sicht der Dinge nicht unbedingt richtig sein muss- aber sie oft auch Auswirkungen auf andere Menschen in meiner Umgebung hat.

    Freude fällt einem häufig nicht einfach in den Schoß. Deshalb wünsche ich uns allen, dass, wenn wir Negatives und Enttäuschendes erleben, wir uns davon nicht niederdrücken lassen, und darauf warten, was sonst noch Schlimmes kommt, sondern dass wir die Kraft finden, einen anderen Blickwinkel einzunehmen, aufzublicken, um nach etwas Erfreulichem zu suchen. Ob es nun ein lachender Kochlöffel ist, eine Apfelblüte oder etwas ganz anderes. Lassen wir uns doch von Paul Gerhardt ermuntern und auf die Suche nach Freude begeben:

    Geh aus, mein Herz, und suche Freud

    in dieser lieben Sommerzeit

    an deines Gottes Gaben;

    schau an der schönen Gärten Zier

    und siehe, wie sie mir und dir

    sich ausgeschmücket haben,

    sich ausgeschmücket haben. (Evangelisches Gesangbuch 503,1)

     

    (Wenn Sie viel Zeit haben, dann können Sie ja auch das ganze Lied nachlesen oder singen)

    Bleiben sie behütet auf Ihrer Suche,

    Pfarrerin Brigitte Ebert, Adolzfurt

     

  • add Morgenandacht für Dienstag 21.04.2020

    „Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark!“

    (1. Korinther 16,13)

     

    Kurz und knackig, was Paulus uns ins Stammbuch schreibt. Beziehungsweise, was wir heute von ihm im Losungsbüchlein lesen.

    „Wachet!“

    Ein bisschen hat sie mich schon immer befremdet, diese Mahnung. Vor allem, wenn sie endzeitlich-bedrängend daherkommt: „Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.“ (Markus 13,33) Dürfen wir etwa nie schlafen, uns ausruhen? Müssen wir immer angespannt auf der Hut sein? Das wäre kaum auf Dauer aus- und durchzuhalten.

    In der Bibel lesen wir ja auch: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ (1. Petrus 5,7) Sogar: „Seinen Freunden gibt er es im Schlaf.“ (Psalm 127,2)

    Doch zugleich gilt: „Seid nüchtern und wacht.“ (1. Petrus 5,8) Dass wir uns nicht einschüchtern lassen von dem Bösen, das uns begegnet, uns aber auch nicht in falscher Sicherheit wiegen. Dass wir aufmerksam sind, die Menschen wahrnehmen, die uns brauchen. Ja, und auch durchhalten, was wir als richtig und wichtig erkannt haben, selbst wenn es mit der Zeit mühsamer wird.

    „Bleibt hier und wachet mit mir!“ (Matthäus 26,38)

    Jesus bittet seine engsten Vertrauten ihm beizustehen in der schweren Stunde, in der seine Seele „betrübt bis an den Tod“ ist. Wachen als Zeichen der Solidarität. Mittragen, was eigentlich unerträglich ist. Wie ist es zu schaffen, dass die Begleitung von Sterbenden - auch von sterbenden Covid-19-Erkrankten - und von Trauernden wieder so möglich wird, wie es die Menschen brauchen?

    „Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt!“ (Matthäus 26,41)

    Die Mahnung zur wachen Solidarität kann uns schnell überfordern. Umso wichtiger: das Gebet. Was uns wach, mutig und stark sein lässt, ist nicht einfach unsere Kraft. Es ist die Kraft, die Gott uns zukommen lässt, wenn wir in Verbindung bleiben mit ihm. Wenn wir ihm sagen, was uns bewegt: Unsere Dankbarkeit für das Leben wie auch, dass uns die Corona-Krise oft ratlos und müde macht.

    Welchen Anfechtungen, welchen Versuchungen gilt es heute standzuhalten und zu widerstehen? Den Anfechtungen des Allein-Seins, der erzwungenen Untätigkeit. Oder wenn man als Familie enger aufeinander hockt als es gut tut. Den Sorgen, wie es weitergeht mit dem Betrieb. Der Versuchung, Schuldige festzumachen für diese Krise und dabei Verschwörungsmythen zu folgen.

    „Steht im Glauben!“

    Man könnte den Glauben mit einem Standpunkt verwechseln: Ich weiß, was richtig und was falsch ist, beurteile von diesem Standpunkt, was andere tun. Ja, die Corona-Krise ist auch ein Fest für Menschen, die es immer schon gewusst haben. Doch der Glaube an Gott ist keine Rechthaberei. Er ist zu allererst Vertrauen und Hoffnung. Auf Gott, auf seine Güte. Darauf, dass das Leben und die Liebe aus Gott am Ende das letzte Wort behalten. So viel auch gegen diese Hoffnung sprechen mag.

    „Steht im Glauben!“ Für mich heißt das: „Sucht immer wieder Halt bei dem, der euch hält.“ - „Lasst uns festhalten am Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat.“ (Hebräer 10,23)

    „Seid mutig und seid stark!“

    Klar ist: Da geht es nicht um Kraftmeierei. Sondern dass wir unseren Weg mit Gott gehen, auch gegen Widerstände. Mutig und stark sein, für verschiedene Menschen kann das in unserer Zeit ganz Unterschiedliches bedeuten: Ob wir als Helferinnen und Helfer an der Belastungsgrenze arbeiten. Ob wir krank sind, und der Weg zur Genesung wird länger und mühsamer als wir dachten. Ob uns als Großeltern der Kontakt zu den Enkeln und Urenkeln fehlt.

    Für uns als Kirche und Kirchengemeinden: Was können wir tun, um miteinander in Verbindung bleiben, ohne in hektischen Aktivismus zu verfallen? Stark sein kann hier auch bedeuten: Wir akzeptieren, was gerade nicht möglich ist, versuchen nichts zu erzwingen, freuen uns aber umso mehr auf die Zeit, in der es wieder geht.

    „Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen!“ (1. Korinther 16,14)

    Darauf kommt es an: in und aus Gottes Liebe zu leben. Wach, mutig und stark sein ist kein Selbstzweck. In das Kraftfeld von Gottes Liebe immer wieder einzutauchen, darum wollen wir beten:

                So hilf uns, Herr, zum Glauben, und halt uns fest dabei;

                lass nichts die Hoffnung rauben; die Liebe herzlich sei!

                Und wird der Tag erscheinen, da dich die Welt wird sehn,

                so lass uns als die Deinen zu deiner Rechten stehn.

                            (Philipp Spitta, EG 358,6)

    Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag

    Pfarrer Jörg Dinger, Öhringen

  • add Morgenandacht 20. April 2020

    „Du stellst meine Füße auf weiten Raum!“ (Psalm 31,9)

     

    Das war ein Geschenk. Ein Privileg. Ein Tag an der dänischen Nordsee. 25. Februar 2020. Da sind diese beiden Bilder entstanden. Vielleicht war das eine ungewöhnliche Zeit, um die Nordsee zu besuchen. Aber was für ein Erlebnis: Eine menschenleere Landschaft. Faszinierende Natur. Bezauberndes Licht. Weite. Mir kommen die Worte aus dem 31. Psalm in den Sinn: „Gott, du stellst meine Füße auf weiten Raum!“

     

    Ich spüre, wie gut mir das tut: Die salzige Luft in der Nase. Die leichte Brise. Gehen. Ohne Zeitdruck. Ohne ein Ziel, das ich erreichen muss. Ein unendlicher Horizont. Weite. Freiheit.

     

    Dieses Erlebnis wird mir zu einem Symbol für meinen Glauben. Für mein Leben mit Gott. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum!“

    Das scheint ja ein Markenzeichen Gottes zu sein: Freiheit. Wie oft stellt sich im Alten Testament unserer Bibel Gott mit den Worten vor: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus der Knechtschaft in Ägypen geführt hat.“ (2 Mose 20,2)

     

    So lese ich da: Gott blickt nicht weg, wenn Menschen leiden. Er hat ein Herz für die Kranken, die Entmutigten, die Armen. Es geht Gott zu Herzen, wenn Menschen versklavt sind.

    Wie oft sind wir versklavt an unsere Ängste: Angst ist das Gegenteil des „weiten Raums“.

    Das Wort „Angst“ kommt im deutschen Sprachgebrauch von „Enge“, „Bedrängnis“, „Beklemmung“. Wir spüren sie ganz körperlich, wenn wir „würgen“, wenn wir Atemnot haben, wenn ein stechender Schmerz uns durchs Herz zuckt.

     

    Da spüre ich Angst. Da wird es mir „eng“. In Herz und Seele.

     

    Der Beter des 31. Psalms kennt viele Ängste. Und er spricht sie ganz offen aus.

    ·         Feinde spotten über ihn, sie bringen falsche und gemeine Gerüchte über ihn in Umlauf und er fürchtet, dass sie ihn innerlich zerstören oder schlicht töten wollen.

    ·         Er kämpft mit seiner Resignation, es fehlt im Lebensmut, Depressionen verfinstern sein Gemüt.

    ·         Er fühlt sich alt und kraftlos und wird das beklemmende Gefühl nicht los, allen nur noch eine Last zu sein.

    ·         Er leidet an seiner Einsamkeit.

    ·         Der Unglaube seiner Mitmenschen lastet ihm auf der Seele.

    ·         Und nicht zuletzt empfindet er, wie seine eigene Schuld, sein Versagen, seine Missetaten ihm den Lebensmut rauben.

     

    Der Beter dieses Psalms spricht seine Ängste offen aus. Er verheimlicht und tabuisiert sie nicht. Und so werden seine Worte eine Einladung an mich, meine Ängste Gott anzubefehlen. Selbst Jesus hat diese Worte am Kreuz gebetet (Lukas 23,46).

     

    Meine Ängste finden Raum in diesem Gebet.

    Mir wird es eng ums Herz, wenn ich an das Schicksal der vom Bürgerkrieg geplagten Menschen in so vielen Ländern dieser Erde denke. Die Bilder von Flüchtlingen mit ihren wenigen Habseligkeiten in der Plastiktasche bedrücken und beschämen mich.

     

    Ich sorge mich um meine Mitmenschen, die wegen der Corona-Pandemie ihren Arbeitsplatz, ihren Betrieb, ihre Existenz verlieren. Ich sorge mich um die Gesundheit geliebter Angehöriger.

     

    Und ich fürchte, dass in der Politik aus der Furcht Kapital geschlagen wird. Nicht nur in Polen und Ungarn wird die Krise instrumentalisiert, um die Macht der Regierenden zu zementieren.

     

    Was passiert mit meiner Angst, wenn ich die Bilder des Nordseestrands in mir wachrufe, wenn ich mich erinnere wie gut es mir getan hat, das bezaubernde Licht durch die dunklen Wolken brechen zu sehen?

    Ob die Bilder mein Herz öffnen für die Hoffnung, die der Psalmbeter seiner Angst entgegenstellt? „Du, Gott, stellst meine Füße auf weiten Raum.“

     

    Jesus hat diesen Psalm in der Stunde seines Todes gebetet. Er hat das Wunder erlebt: Er hat Gott all seine Ängste geklagt. Und Gott hat geantwortet. Er hat mit der Auferstehung neues Leben geschenkt. Die Kerkermauer der Angst ist gesprengt. Die Fesseln des Todes sind gelöst. Licht des Lebens leuchtet auf.

     

    „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“

    Die Ostererfahrung lässt uns dieses Gebet sprechen. Gott schenkt Leben. Er schenkt Freiheit von der Sklaverei der Ängste.

     

    Dieses Bekenntnis will nun mit Leben gefüllt werden.

    Gott schenkt ein Leben in Freiheit. Uns so mögen wir Wege finden, um die Einsamkeit eines alten Menschen zu linden. Auf dass er spüren kann: ich bin ein wertvoller Teil der Gemeinschaft.

    Gott schenkt ein Leben in Freiheit. So mag es uns gelingen, dass wir uns versöhnen: Mit Verwandten, von denen uns alter Streit trennt. Mit uns selbst und unseren Unzulänglichkeiten.

    Gott schenkt ein Leben in Freiheit. Ob ich also den Mut finde und ein weites Herz, um auf die Menschen offen zugehen zu können, die so ganz anders denken, als ich selbst?

    Gott schenkt ein Leben in Freiheit. Könnten wir also den Gedanken wagen, dass unser Leben sinnvoll ist – auch jenseits der Gier nach Leistung, nach Aktionismus und Wohlstand?

    Gott schenkt ein Leben in Freiheit. Trauen wir uns also zu sagen: Unser Leben ist bei Gott geborgen – auch jenseits der Grenze des Todes.

     

    „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“

    Die Bilder der Nordsee haben sich meiner Seele tief eingeprägt: Salzige Luft. Licht. Wogendes Gras. Weites Meer.

    Möge sich das Vertrauen des Psalmbeters ebenso tief in unsere Herzen einprägen:
    „Du, Gott, stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Du schenkst Leben.

    Amen

     

    Pfarrer Ulrich Hägele, Neuenstein

  • add Morgenimpuls am Samstag, 18. April 2020

    Der Storch war schon da, Untersteinbach 29.02.2020 (Foto hawö)

    Ein Ostergruß in Öhringen 2020 (Foto hawö)

     

    Pura vida ist jeden Tag - Der Storch weiß seine Zeit …

     

     

    Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit,

    Turteltaube, Schwalbe und Drossel halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen;

    aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen.

    Jeremia 8,7, Losung Samstag, 18. April 2020

     

    Der Storch war schon da, in Untersteinbach jedenfalls, die Singvögel konzertieren allmorgendlich in aufblühenden Hecken und Bäumen. - Wir Menschen fühlen uns in unserem Miteinander ziemlich ausgebremst. Darin liegt doch gute Zeit, das aufgenötigte Zurückgezogen-Sein zu nutzen, jede und jeder für sich. Wir könnten uns darauf besinnen, wie es weitergehen kann mit mir, mit uns. Wir wissen doch, was recht und gut ist.

     

    Nachdem ihre Freiwilligenzeit in Costa Rica in der Arbeit mit Obdachlosen von der Straße gerade erst ein paar Wochen begonnen hatte, musste unsere Nichte auf Anordnung wegen des Corona-Virus unverzüglich wieder zurück nach Deutschland. Ihren ersten und letzten Bericht lese ich in diesen Tagen mit neuen Augen:

     

    „Pura vida!“, diesen Ausdruck hört man hier in Costa Rica tagtäglich in den verschiedensten Situationen. Übersetzt heißt er „pures Leben". Genauso kann er aber an Stelle eines „wie geht's?“, „mir geht es super!", „danke!“, „Hallo!“ oder einfach ohne einen bestimmten Zusammenhang gebraucht werden. Allein mit diesen zwei Worten kann also ein ganzer Dialog geführt werden!

     

    Pura vida – Leben pur! Im Lachen und Weinen, im Staunen und Sorgen nie den Geschmack von Leben zu verlieren, ist ein Geschenk. Leben ist uns anvertraut und wir behandeln dieses Leben oft wie einen frei verfügbaren Besitz, mit dem ich doch tun und lassen kann, was ich will.

     

    Von diesem puren, prallen Leben habe ich hier … in Costa Rica viel gespürt, selbst erlebt und gelebt. Zwischen lieben Menschen, atemberaubenden Landschaften, einer unglaublichen Vielfalt an Früchten in den unterschiedlichsten Farben oder bisher unbekannten Tieren – auf deren Bekanntschaft man in manchem Fall auch hätte verzichten können ….

     

    „Casa de Escucha Redish“, ein Ort, an dem auf die Nöte der obdachlosen Menschen gehört und eingegangen wird: Die Atmosphäre ist sehr geprägt von gegenseitiger Unterstützung, Achtsamkeit und Vertrauen. … Jeden Morgen starten wir zusammen im Team um sieben Uhr mit einem gemeinsamen Gebet und dem Satz „Juntos por la dignidad humana“, was übersetzt „Zusammen für die Menschenwürde“ bedeutet. Gegen 7:30 Uhr treffen nach und nach die Männer und Frauen ein.

     

    Juntos por la dignidad humana, für uns „Zusammen für die Menschenwürde“, das ist unser Auftrag in Costa Rica so und in Öhringen anders. Das wundervolle Geschenk Leben auszupacken, anzuschauen und es in jedem Gesicht dieser Welt zu entdecken, macht uns reicher und mutiger, auch die Sorgen gemeinsam anzugehen.

     

    Soziale Kontakte sollen wir meiden, weil wir uns sorgen um die Gesundheit, Würde und das Leben all der Menschen um uns. Und es gibt trotzdem noch neunhundertneunundneunzig Möglichkeiten, unsere Lebensfreude und Kraft mit zu teilen, ein Lachen am Telefon, ein liebevoller WhatsApp Gedanke, für ältere Nachbarn Einkäufe zu übernehmen, denen danken, die für uns arbeiten, eine Kerze ins Fenster zu stellen: Ich weiß, ihr seid da und denke an euch.

     

    Pura vida ist jeden Tag, und immer gilt: Juntos por la dignidad humana. Wenn Menschen dies anderswo auch unter schwierigsten Lebensbedingungen und großen Herausforderungen einander weitergeben können, ist dies ein guter Anlass, zu stoppen und dem nach zu spüren. Wir hören bei Jesus Christus und wissen doch, was recht und gut ist.

     

    Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. …

    Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt,

    dass der auch seinen Bruder und seine Schwester liebe.

    (1 Johannes 4,14.21)

     

    Führe mich, o Herr, und leite / meinen Gang nach deinem Wort.

    Sei und bleibe du auch heute / mein Beschützer und mein Hort.

    Nirgends als von dir allein / kann ich recht bewahret sein.

    (Heinrich Albert 1642, EG 445,5)

     

    Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsre Vernunft,

    der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

     

    Uns allen einen guten, wunder-vollen Tag!         Ihr Pfarrer Hannes Wössner, Öhringen

  • add Morgenandacht 17. April 2020

    Friedensgebet von Coventry - Nagelkreuzgemeinschaft

    Entstanden 1940 nach einem Luftangriff und der Zerstörung der Kirche

     

    Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. (Römer 3, 23)

    Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse,

    Vater, vergib.

    Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr Eigen ist,

    Vater, vergib.

    Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet,

    Vater, vergib.

    Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der Anderen,

    Vater, vergib.

    Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlinge,

    Vater, vergib.

    Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt und an Leib und Seele missbraucht,

    Vater, vergib.

    Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott,

    Vater, vergib.

    Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem anderen, wie Gott euch vergeben hat in Jesus Christus. (Epheser 4, 32)

  • add Morgenandacht 16. April 2020

    Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

    Offenbarung 21,6

     

    Im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung, gewährt uns der Seher Johannes den Ausschnitt eines Panoramablicks auf das himmlische Jerusalem. Bei allem Geheimnisvollen bergen die Worte der Offenbarung zutiefst menschliche Sehnsüchte. Johannes spannt einen Bogen von den ersten bis zu den letzten Seiten der Bibel. Dazwischen liegt die Geschichte Gottes mit uns Menschen. Eine Heilsgeschichte, deren Anfang und Ziel in Gott selber begründet liegen. ER allein ist der Garant dafür, dass die Geschichte aller, die seine Worte hören und bewahren, auch meine ganz persönliche Geschichte, zu einem guten Ende kommt. Sein Wort ist immer zugleich Tat. So auch sein Angebot:

    „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

    In unserer Situation spielt der Durst nach Wasser keine große Rolle. Viel eher sind wir durstig nach Beziehungen, nach Gemeinschaft und nach Freiheit. Wir haben Durst nach Leben in all seinen Facetten. Aber momentan ist alles unsicher geworden. Jeder Kontakt kann auch wieder ein Übertragungsherd sein. Und daher stellt sich die Frage, wie kann ich meinen Durst stillen? Aus welchen Quellen lebe ich?

    Gott kann unseren Durst nach Leben stillen aus einer Quelle, die nie versiegt. Sein Wasser des Lebens wird uns gratis geschenkt. Einfach so. Wirklich wahr! Wo wir zu ihm kommen, schenkt er neue Lebendigkeit. Und ist es nicht schön, dass sich das Bild von der Quelle und dem Wasser so wunderbar verknüpft mit ganz alltäglichen Erfahrungen?

    • Wenn wir morgens das Wasser für unseren Tee aufsetzen,
    • wenn der warme Strahl uns beim Duschen in den Tag einstimmt,
    • wenn wir zwischendurch ein Glas Wasser trinken,
    • wenn wir die Blumen gießen

    oder uns an der frisch gewaschenen Wäsche freuen… oder…………

    dann wünsche ich uns, dass wir nicht nur ökologisch und besonnen mit dem Lebensmittel Wasser umgehen, sondern immer wieder in Gedanken und Gefühlen auch an jene Quelle gehen, um daraus zu trinken. Möge uns das alltägliche Wasser an Gott erinnern und uns vertrauen schenken, dass Gott aus seiner nie versiegenden Quelle erfrischt. Amen

    Gebet

    Wenn du uns Menschen aufrichtest, dann können wir aufrecht stehen.

    Wenn du uns begleitest, können wir unseren Weg gehen. Unseren Weg zu den Menschen. Unseren Weg zu dir.

    Herr, mach uns Mut, auf dich zu vertrauen.

    Im Ausweglosen dich als Ausweg anzunehmen.

    Mach uns Mut, auf die zuzugehen, die am Boden sind. Die alleine und verachtet sind.

    Mach uns Mut, die anzusehen, die übersehen werden, die anzusprechen, die sprachlos wurden in ihrem Leid.

    Mach uns Mut, die aufzurichten, die gebeugt wurden von ihrem Leben.

    Lass durch uns, gütiger Gott, das Wunder deiner Liebe zu den Menschen aufleuchten. Amen

     

    Pfarrer Arnim Speck, Eschental

  • add Morgenandacht 15. April 2020

    Guten Morgen

    Noch ein Morgen in häuslicher Absonderung, die Corona Krise ist noch lange nicht überstanden. Die Gemeinschaft mit anderen fehlt mir. Ich habe viel Zeit zum Zeitung lesen, zum Nachdenken, zum Telefonieren und What‘s App schreiben. 

    Da werden viele Texte, Bilder und Videos rundum geschickt. Ein Text hat mir besonders gefallen

    Es könnte sein

    *Es könnte sein , dass in den Häfen die Schiffe für die nächste Zeit brach liegen …

    ..es kann aber auch sein, dass sich Delphine und andere Meerestiere endlich ihren natürlichen Lebensraum zurückholen dürfen. Delphine werden in Italiens Häfen gesichtet, die Fische schwimmen wieder in Venedigs Kanälen.

    *Es könnte sein, dass sich Menschen in ihren Häusern eingesperrt fühlen,…

    ...es kann aber auch sein, dass sie endlich wieder miteinander sprechen, sich gegenseitig helfen und seit langem wieder ein Gemeinschaftsgefühl erleben. Menschen singen miteinander! Das berührt uns zutiefst.

    *Es könnte sein, dass die Einschränkung des Flugverkehrs für viele eine Freiheitsberaubung bedeutet und berufliche Einschränkungen mit sich bringt…..

    …es kann aber auch sein, dass die Erde aufatmet, der Himmel an Farbenkraft gewinnt und die Kinder in China zum ersten Mal in ihrem Leben den blauen Himmel erblicken. Seht euch selbst heute den Himmel an, wie ruhig und blau er geworden ist.

    *Es könnte sein, dass die Schließung von Kindergärten und Schulen für viele Eltern eine immense Herausforderung bedeutet……..…

     …es kann aber auch sein, dass viele Kinder die Chance bekommen, endlich selbst kreativ zu werden, selbstbestimmter zu handeln und langsamer zu machen. Und auch Eltern ihre Kinder auf einer neuen Ebene kennenlernen dürfen.

    * ES könnte sein, dass unsere Wirtschaft einen ungeheuren Schaden erleidet..

    …es kann aber auch sein, dass wir endlich erkennen, was wirklich wichtig ist in unserem Leben und dass ständiges Wachstum eine absurde Idee der Konsumgesellschaft ist. Wir sind zu Marionetten der Wirtschaft geworden. Es  wurde Zeit, zu spüren, wie wenig wir eigentlich tatsächlich brauchen.

    *Es könnte sein, dass uns das auf irgendeine Art überfordert….

    es kann aber auch sein, dass wir spüren, dass in dieser Krise die Chance für einen längst fälligen Wandel liegt.

    *Der die Erde aufatmen lässt

    *Die Kinder mit längst vergessenen Werten in Kontakt bringt

    *Unsere Gesellschaft enorm entschleunigt

    *Die Geburtsstunde für eine neue Form des Miteinanders sein kann        

    *Und uns zeigt, wie schnell die Erde bereit ist, ihre Regeneration einzuläuten, wenn wir Menschen Rücksicht auf sie nehmen und sie wieder atmen lassen

    *Es könnte sein, dass uns diese Zeit wachrüttelt. Denn es geht um unsere Zukunft. Es geht um die Zukunft der nächsten Generationen.

     

    Ein nachdenklicher Text. Gewiss – nach Corona wird vieles anders sein als vor Corona.

    Eine Krise birgt auch immer eine Chance in sich. Was hat Gott mit uns vor?

    „God has he better plan“ sagen unsere Kamerunischen Brüder und Schwestern.

    Gott hat den besseren Plan. Wenn wir in der Bibel lesen : die Geschichte von Josef und seinen Brüdern. Sie erinnern sich? Josef, halb zu Tode geprügelt – weil seine Brüder eifersüchtig waren. In einen Brunnenschacht geworfen , als Sklave verkauft nach Ägypten. Dort sogar ins Gefängnis gesperrt. Aber Josef hielt an seinem unerschütterlichen Glauben fest. Und er kam aus dem Gefängnis frei wurde sogar Hoher Beamter beim Pharao. Schließlich errettete er seine ganze Familie, ja sein Volk vor der Hungersnot.

    „Ihr gedachtet es böse zu machen -aber Gott hat alles gut gemacht“ sagte er zu seinen Brüdern.  God has the better plan – Gott hat den besseren Plan.

    Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege, des der den Himmel lenkt.  Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. Amen

     

    Stefania Feiler, Prädikantin im Kirchenbezirk

  • add Morgenandacht 14. April 2020

    "Die Osterbotschaft neu hören" von Pfarrer i.R. Samuel Pieringer

  • add Morgenandacht Ostermontag, 13. April 2020

    Diese Bilder habe ich heute Morgen in meinem Garten fotografiert. Sie müssten mal den Baum sehen, der dazu gehört. Es ist ein alter Pflaumenbaum. Er ist nicht nur alt. Er ist auch verletzt. Und krank. Die Rinde platzt vom Stamm. Er ist voller Schorf. Eigentlich ist dieser Baum ein Bild des Sterbens und des Todes.

     

    Schon oft habe ich in Gedanken zur Säge gegriffen. Ich wollte ihn entfernen aus meinem Garten. Ich wollte Platz schaffen für Neues. Für Lebendiges. Für Hoffnungsvolles.

     

    Aber jedes Jahr im Frühjahr geschieht dieses Wunder. Noch bevor das erste grüne Blatt an den schorfigen Zweigen treibt, zeigen sich Blütenknospen. Meist vorsichtig tastend. Sie wissen noch nicht so recht, ob sie den wärmenden Sonnenstrahlen am Tag schon trauen dürfen. Oder ob sie sich noch schützen müssen vor dem Frost der Nacht. Aber dann treibt sie eine innere Kraft zur Blüte. Der ganze Baum erstrahlt leuchtend weiß. Und das Blütenmeer weckt in mir die Hoffnung, dass auch in diesem Sommer wieder Früchte heranwachsen. Ich kann nicht wissen – aber doch ahnen – dass ich im Herbst süße Pflaumen genießen werde. Bevor mein Pflaumenbaum wieder seine schorfigen Blätter fallen lässt und da steht wie in jedem Winter: Kahl. Krank. Wie tot.

     

    Mein Pflaumenbaum ist mir zum Symbol geworden. Wie oft fühle ich mich innerlich krank, geschwächt oder entmutigt. Wie viele Menschen leiden seelische oder körperliche Qualen? Vielleicht gibt das Gebet des 69. Psalms ihnen Worte, um das Unbegreifliche und Unsagbare zur Sprache zu bringen:

     

    „Gott, hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle. Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist. Ich bin in tiefe Wasser geraten und die Flut will mich ersäufen. Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser. Meine Augen sind trübe geworden, weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.“

     

    Gut, dass die Bibel uns Worte gibt, um das Leiden und den Tod zur Sprache zu bringen. Gut aber auch, dass Gottes Wort sich darin nicht erschöpft. An kahlen Zweigen bricht die Blüte auf. Mitten in großer Trostlosigkeit finden wir auch solche Psalmworte (Psalm 40,2-4):

     

    „Ich harrte des Herrn, und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien. Er zog mich aus der grausigen Grube, aus lauter Schmutz und Schlamm, und stellte meine Füße auf einen Fels, dass ich sicher treten kann. Er hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben, zu loben unseren Gott.“

     

    Ich frage mich: Was brachte damals für den Psalmbeter die Wende? Ein Wunder? Eine unerwartete Heilung? Die Rettung vor Feinden oder der Anfeindung? Die Gewährung von Asyl in Kriegsnot? Der biblische Text ist offen für vielfältige Assoziationen.

     

    Was brachte die Wende vom Tod zum Leben?

    Und wie ereignet sich die Wende heute, in meinem Alltag?

    Wie wendet sich mein bitteres Klagelied in einen Lobgesang auf „meinen Gott, der mir hilft“??

     

    Nun. Ich höre die Erzählung von der Passion, von dem Leiden Jesu. Ich höre, dass Gott sich einlässt auf die Schattenseite des Lebens.

     

    In den Sinn kommt mir da die Kampagne des Südwestrundfunks. In diesen Tagen blendet der SWR bei jeder TV Sendung das Logo ein: „Für euch da #Zusammenhalten“

    Die SWR Kampagne bietet auf ihrer Seite Humor, Lesetipps, ein „Hitparädle“ – sprich: Alles, was Menschen in schweren Zeiten Kraft gibt und sie aufmuntert. „Für euch da!“ Mir tun schon allein diese Worte gut. Wie viel mehr noch, wenn es nicht nur bei den Worten bleibt, sondern die Zuwendung spürbar wird durch – ja durch was eigentlich?

     

    Könnte das ein Versuch sein, die Leidensgeschichte Jesu neu zu hören? Gott lässt sich ein auf die Schattenseite meines Lebens. Er ist „Für euch da“.

    Das könnte der Anfang der Wende vom Tod zum Leben sein. Das könnt mir gut tun.

     

    Das Ziel des Weges Jesu ist die Auferstehung. Ostern. Mitten im Tod schafft Gott neues Leben. Ein Leben, das die Bibel „ewig“ nennt. Weil Gott verwundete Herzen heilt. Weil er Trost schafft. Weil er Versöhnung schenkt.

     

    Ich höre diese Erzählung vom Leiden und von der Auferstehung Jesu an Ostern. Aber wie geschieht die Wende vom Tod zum Leben heute. In meinem Leben?

     

    Das finde ich schwer zu beschreiben.

    Ein bisschen geht es mir wie der Blüte an meinem Pflaumenbaum. Soll sie sich den wärmenden Strahlen der Sonne öffnen und ihnen trauen? Oder soll sie sich schützen vor dem Frost der Nacht? Und ich: Soll ich den Worten der alten biblischen Erzählung trauen? Oder soll ich mein Herz schützen vor neuerlicher Enttäuschung und Verletzung?

     

    Wie geschieht die Wende vom Tod zum Leben in meinem Leben?

    Ich werde es so versuchen: Ich werde ein Gebet sprechen. Und dann warte ich, ob das Wunder geschieht. Ich warte, ob aus toten Zweigen ein wunderschönes Blütenmeer ausschlägt. Ich werde ein Gebet sprechen. Und dann warte ich, ob Gott wahr macht, wovon ich in seinem Wort höre: „Für euch da!“

     

    Ich werde ein Gebet sprechen. Etwa so:

    Gott hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.

    Dir vertraue ich an: Meine Angst, meine Zweifel, meine Sorgen.

    Dir befehle ich an: Die Menschen, die verzweifelt um Asyl bitten.

    Dich bitte ich: Um die Pflegenden, die Ärztinnen und Ärzte, für jeden Menschen, der versucht für seine Mitmenschen da zu sein.

    Dich flehe ich an: Für die Kranken, Leidenden und Sterbenden.

    Gott hilf! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.

    Gott hilf! Auf dass wir auch diese Worte wieder von Herzen sprechen können:

     

    Ich harrte des Herrn, und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien. Er zog mich aus der grausigen Grube, aus lauter Schmutz und Schlamm, und stellte meine Füße auf einen Fels, dass ich sicher treten kann. Er hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben, zu loben unseren Gott.

    Amen

     

    Pfarrer Ulrich Hägele, Neuenstein

  • add Ostersonntag, 12. April 2020
  • add Karsamstag-Zeit, 11. April 2020

    Liebe Gemeinde,

    eine Andacht für Karsamstag, für den Tag dazwischen. Es ist der Tag, der nicht mehr Karfreitag und auch noch nicht Ostern ist. Warten! Worauf?

    Geduld haben! Noch eine Nacht. Wie viele Nächte noch?

    Auch die Jünger, auch die Frauen, sie wussten am Tag nach der Kreuzigung nicht, wie viele Nächte folgen sollten. Sie waren vom Dunkel umschlossen.

    Morgen. Morgen ist Ostern.

    Morgen stehn wir auf. Auferstehen wir mit IHM. Aber erst Morgen.

    Ein Wort von der Lyrikerin Rose Ausländer hat mir eine Frau aus unserer Kirchengemeinde in diesen Tagen gesandt!  Ein Hoffnungswort:

    Wer hofft, ist jung. Wer könnte atmen ohne Hoffnung, dass auch in Zukunft Rosen sich öffnen - eine Liebeswort die Angst überlebt!

     

    Lassen Sie uns Atem holen, Hoffnung schöpfen und – wer kann – singen:

    Lied: „Bleib bei mir Herr“ (Evangelisches Gesangbuch 488, 1-5)

    „…. Wo fänd ich Trost, wärst du, mein Gott, nicht hier?

    Hilf dem, der hilflos ist: Herr, bleib bei mir.

    Ich brauch zu jeder Stund dein Nahesein,

    denn des Versuchers Macht brichst du allein.

    Wer hilft mir sonst, wenn ich den Halt verlier?

    In Licht und Dunkelheit: Herr, bleib bei mir.“

     

    Angedacht

    Da muss man durch!“  „Wir müssen Geduld haben!“ „Das kann ja nicht ewig so gehen!“ Liebe Gemeinde, das sind Sätze, die ich in den vergangenen Tagen wiederholt gehört habe. Durchhalten. Geduldhaben. Warten. Angst einfangen.

    Es ist Karsamstag.  Genau diesen Tag des Jahres möchte ich ins Zentrum rücken. Einen Tag, der in „normalen Zeiten“ hinunterfällt. Den keiner wirklich beachtet. Aber jetzt will ich ihm Raum und Nachspüren widmen: diesem Tag, an dem nicht einmal die tröstlichen Abendglocken zum Gebet rufen. KARSAMSTAG.

    Kaum noch einer nennt ihn so. Außer vielleicht Pfarrer und die Sprecher von swr2 -Kultur. KARSAMSTAG.

    So hieß er schon vor Corona! Aber ich frage mich, ob dieser Kar-Samstag in den letzten Jahren jemanden interessiert hat. Da waren eben viele Menschen mit dem Mega-Einkaufsevent am „Ostersamstag“ beschäftigt, oder mit dem Ostereierverstecken, oder dem Ostermenü. Andere lagen entspannt auf dem Sofa vor dem Blockbuster-Osterwochenende im Fernsehen. Manche mussten auch „ganz normal“ arbeiten.  Angenehm natürlich, wenn man den Brückentag frei hatte. 

    KARSAMSTAG im Jahr 2020: Nun, auch jetzt wird gekocht, werden Filme geschaut und Eier versteckt. Halt ohne Oma und Opa. Und es gibt genug Berufsgruppen, die es arbeitsintensiver  - zugleich für Leib und Seele bedrohter! - denn je haben.

    Und doch ist alles anders: Kein gemeinsames Feiern. Kein Gottesdienst. Manch einer dreht sich verzweifelt zu Hause im Kreis, kann sein Sofa nicht mehr sehen. Er will arbeiten aber darf nicht, weil der Betrieb die Arbeit eingestellt hat. Andere können nachts nicht schlafen, weil die Fragen, wie es weiter gehen soll, im Kopf hämmern. Andere sind krank. Menschen sterben. Ohne Abschied. Menschen trauern. So viel Gewalt, meist gegen Frauen und Kinder, versteckt hinter geschlossenen Türen. Viele haben Angst. Zerbrochenes Leben. Nur „unter Vorbehalt“ werden neue Pläne in den Blick gefasst. Ein Leben „unter Vorbehalt“.

    Was will mir der Karsamstag? Eigentlich will der eine ganze Menge: Er hält vor Augen, dass es im Leben diese KAR-Zeit gibt. Auch vor und neben Corona gab und gibt es diese Zeit. Zeit, in der etwas auszuhalten war. Ein Schmerz, der auszuhalten ist. Ich werde nicht gefragt, ob ich ihn aushalten will, kann. Auszuhalten vermag.  Eine Stille, ein Schweigen, die auszuhalten sind. Eine Spannung, die auszuhalten ist.

    Der Karsamstag ist ein ganz seltsamer Tag. In Farben gesprochen: er ist nicht das Schwarz des Karfreitags, er ist aber auch nicht das Gelb der Ostersonne. Gar nicht. Noch nicht mal die Dämmerung. Grau? Ich weiß nicht. In Gefühlen ausgedrückt: er ist nicht der tiefste Schmerz unter dem Kreuz, er ist aber auch weit entfernt von jeder Freude. Er ist die empfundene Lücke, der andere Schmerz. Der, der nicht mehr sticht, aber zäh andauert.

    Ich denke: Dieser Karsamstag ist so wichtig, wenn ich mir vor Augen führe, was er besagt. Wie viele von Ihnen sind in ihrem Leben nicht schon durch Karsamstage gegangen! Wie viele haben sie selbst durchbuchstabieren müssen: Karsamstage des eigenen Lebens. Voraus gehen die Paukenschläge: Der Tod eines geliebten Menschen. Der Verlust des Arbeitsplatzes. Die Scheidung. Die Diagnose der schweren Krankheit. Aber auf diese Paukenschläge, was folgt da? So oft das Warten, das lange Abschiednehmen, das mühsame Versorgen von Wunden. Das Auflesen der Scherben. Da ist noch keine Heilung. Da sind Stille, Schmerz auszuhalten. „Da musst du durch!“ Da leuchtet noch lange keine Ostersonne.

    HEUTE ist Karsamstag. JETZT ist Karsamstag. Für diese Welt. Für Sie. Für mich. Wo stehst Du? Wie geht es Dir an diesem Karsamstag? Vielleicht nur eine Ahnung: „Du musst zwar durch, aber nicht allein!“ Die Ahnung, dass Leben, Weiterleben verheißen wurde, dass es wieder möglich sein mag, irgendwann, wie auch immer.

    Können es meine Ohren hören, kann mein Herz es spüren? Mitunter ist das ein langer karsamstäglicher Weg. Wie lange wird der Karsamstag in Corona-Zeiten sein? Spüre ich Verheißung?  

    „Ich bin bei euch alle Tage. Ich lebe, und du, du sollst auch leben!“  Das sagt JESUS. Er sagt es zu Dir, zu Ihnen, zu mir. Er sagt es als großes Versprechen hinein in das Warten, das Aushalten. Alle Tage! Nicht allein. Ich bin an deiner Seite, sagt Jesus.

    Karsamstage aushalten. Aber wie? Diese Karsamstagszeit des Lebens aushalten. Aber wie? Die Worte des Sterbenden am Kreuze hallen nach in den Köpfen derer, die krank sind. Die sich ganz und gar einsam fühlen. „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du ich verlassen?“ ruft JESUS.

     Aushalten. Mit einem anderen Menschen an der Seite, der mit aushält. Der das Schweigen mit aushält und den Schmerz mitträgt. Was, wenn da keiner ist?

    Ich wünsche Ihnen so sehr, dass Sie in ihrem Karsamstag einen Menschen haben. Direkt an meiner Seite sein – das dürfen viele, die wir gerade jetzt so gerne in unsere Arme schließen würden, nicht. Aber doch sind da Menschen: Am Telefon, mit einem Brief. Im Gebet verbunden. Auch wenn am Karsamstag nicht einmal die tröstlichen Glocken läuten.

    Ich wünsche Dir, Ihnen, uns allen, dass eine Gewissheit wächst in Dir und Du spüren darfst: Ostern wird sein. Schon MORGEN. Ostern ist wirklich. Und Ostern wird auch für dich. Du wirst wieder aufstehen, auferstehen zum Leben mit Gott an deiner Seite. Er war immer an Deiner Seite, auch gestern, auch vorgestern, auch als du ihn nicht zu spüren vermochtest. Du musst da durch – aber eben nie alleine.

    Denn: „Ich bin der: Ich bin für dich da“ – das ist SEIN Name. Für Dich. AMEN

    Und so liege auch über Eurem Karsamstag der Segen Gottes:

    „Der Herr segne Dich und behüte Dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und gebe Dir seinen Frieden. AMEN“

     Ich grüße Sie herzlich, Ihre Pfarrerin

    Nadja Elbe

  • add Karfreitagsimpuls, 10. April 2020

    Grabstein für Gerhard Ebeling auf dem Friedhof in Zürich: "Mitten im Tode sind wir im Leben!"

     

     

    Liebe Schwestern und Brüder!

     

    Es ist schon ungewöhnlich, dass wir als Christen den Karfreitag, den Todestag unseres Herrn Jesus Christus, nicht als Trauertag begehen, sondern als Festtag feiern. Denn von ihm geht die frohe Botschaft aus: Im Tode Christi hat Gott die Welt versöhnt!

    Gleichwohl ist es keine Frage, dass an diesem Tag das Gedenken des Leidens und Sterbens Jesu von Nazareth, tiefe Anteilnahme bei den Gläubigen gezeitigt hat. Diese Anteilnahme betraf sowohl die Trauer um den so grausam hingerichteten Jugendlichen Jesus von Nazareth (vielleicht war er gerade mal 30 Jahre alt!) als auch das Mitleiden mit dem unschuldig Gefolterten. In dieser Anteilnahme kam ebenso die Empörung über alle ungerecht Leidenden zum Ausdruck, wie auch der Schmerz um die vom Tod sinnlos Hinweggerafften. Mit allem sinnlosen und himmelschreienden, wie auch mit allem aufopferungsvollen und hingebungsbereiten Sterben bekommt Jesu Tod also zu tun.

     

    So hat die Christenheit das Todesschicksal der Menschheit, das unvermeidlich aber auch unerbittlich ist, sofern Menschen darin verlorenzugehen befürchten müssen, in dem alten Klagegesang zum Ausdruck gebracht, der Antiphon aus dem 11. Jahrhundert: Media vita in morte sumus. Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben.

     

    Martin Luther hat 1524 dazu eine deutsche Übersetzung geschaffen: „Mitten wir im Leben sind von dem Tod umfangen.“ (Nr. 518 im Gesangbuch). Sie bringt in eindringlichen Worten des Christen flehenden Ruf vor Gott und endet mit der Bitte: „Laß uns nicht entfallen von des rechten Glaubens Trost.“

    Diesen Trost des Glaubens hat Martin Luther in der Botschaft von dem aus Liebe gekreuzigten und auferstandenen Christus gefunden, in dem jeder Mensch durch das Evangelium, die frohe Botschaft von Christus, berufen ist, errettet zu werden von der Macht der Sünde und des Todes.

     

    In unendlichen immer neuen Wendungen hat Martin Luther diese unter dem Namen „Rechtfertigung allein aus Glauben“ bekannte Heilsbotschaft des ganzen Neuen Testamentes verkündigt und zwar in Wort und Lied, in Schrift und Predigt.

    Einmal aber hat er sie in aller Kürze zusammengefasst, indem er der Erfahrung des Todes in dieser Welt die Erfahrung des Lebens, der Hoffnung auf ewiges Leben entgegensetzte. Er schrieb: „Mitten wir im Leben sind von dem Tod umfangen – kehr’s um: Mitten in dem Tode sind wir vom Leben umfangen“.

    „Media morte in vita sumus“ – Mitten im Tode sind wir im Leben.

    Martin Luther, Predigt am Tag Mariä Heimsuchung, Predigten des Jahres 1523, WA11, 140-144, hier:141, 22/29

     

    Die Gestaltung des Grabes des großen Lutherforschers und Lutherkenners, des Theologen Gerhard Ebeling (1912-2001) in Zürich legt davon Zeugnis ab. Tatsächlich ist die Schrift auf dem Grabstein umgekehrt: Die Lebensbotschaft steht oben, der Tod aber steht auf dem Kopf!

    Eberhard Jüngel in Tübingen stellte dazu fest: „...ein Christ sagt und glaubt: überall, wo der Tod mich bedroht, gilt der Sieg des Lebens“.

    So hören wir wieder die Wolke der Zeugen (Hebr 12,1) von dem Sieg Gottes sprechen und schöpfen Trost für unsere Lieben und für uns selbst, für unsere arme, gebeutelte vom der Pandemie heimgesuchte Welt.

     

    „Fürchtet euch nicht! Unser Herr lebt!“

     

    Ihr Samuel Piringer, vormals Pfarrer in Waldenburg

  • add Andacht zu Dietrich Bonhoeffers 75. Todestag am 9. April 2020

    Heute vor 75 Jahren, am 9. April 1945 frühmorgens, starb Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenbürg am Galgen. Das Ende des Krieges und der NS-Gewaltherrschaft lag bereits in Sichtweite. Doch das NS-Regime hatte beschlossen, noch möglichst viele seiner Gegner mit hineinzureißen in seinen Untergang.

    Abschnitte aus Bonhoeffers für Mitgefangene verfasstem Morgengebet aus dem November 1943 mögen uns begleiten an diesem Gründonnerstag 2020.

     

    Morgengebet - Teil 1

    Gott, zu dir rufe ich am frühen Morgen.

    Hilf mir beten und meine Gedanken sammeln;

    Ich kann es nicht allein.

    In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht;

    ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht;

    ich bin kleinmütig, aber bei dir ist die Hilfe;

    ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden;

    in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist die Geduld;

    ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den rechten Weg für mich.

     

    Seit April 1943 sitzt er in Haft. Man kann ihm nichts nachweisen, er kommt aber auch nicht frei. Das macht ihm - bei aller „Ruhe und Heiterkeit“, die seine Mitgefangenen und das Wachpersonal bewundern - doch schwer zu schaffen, wie er seinem Freund Eberhard Bethge schreibt: „Über etwas Ungeduld, Sehnsucht, Widerspruch gegen das Unnatürliche und eine ganze Portion Verlangen nach Freiheit (…) brauchen wir uns als Christen durchaus nicht zu schämen.“ (Brief vom 18. November 1943)

    Ungeduld, Sehnsucht, Widerspruch gegen das Unnatürliche - wenn davon etwas in dieser Corona-Krise über uns kommt, brauchen wir uns ebenfalls nicht zu schämen. Bei mir ist es vor allem das Getrennt-Sein von lieben Menschen und dass wir keine Gottesdienste miteinander feiern können, womit ich mich nur schwer abfinden kann.

     „Bei dir ist die Geduld“, betet Bonhoeffer. Unsere Geduld ist gerade sehr gefordert. Wobei „Geduld“ nicht nur „Aushalten“ bedeutet, sondern genauso „Durchhalten“. Treu und verlässlich füreinander da sein. So, wie es gerade möglich ist.

     

    Morgengebet - Teil 2

    Vater im Himmel,

    Lob und Dank sei dir für die Ruhe der Nacht,

    Lob und Dank sei dir für den neuen Tag,

    Lob und Dank sei dir für alle deine Güte und Treue

    in meinem vergangenen Leben.

    Du hast mir viel Gutes erwiesen,

    lass mich nun auch das Schwere aus deiner Hand hinnehmen.

    Du wirst mir nicht mehr auferlegen, als ich tragen kann.

    Du lässt deinen Dienern alle Dinge zum Besten dienen.

     

    Wofür möchte ich Gott danken - heute, am Gründonnerstag 2020? Wo erkenne ich seine „Güte und Treue in meinem vergangenen Leben“? Die dankbare Erinnerung stärkt mein Vertrauen auf Gott. Gerade, wenn es hart auf die Probe gestellt wird und ich frage: „Warum leiden so viele Menschen, und ihr Leben ist bedroht?“ - „Wo bist du, Gott?“ - „Ach du, HERR, wie lange!“ (Psalm 6,4)

    Für mich ist Bonhoeffer Vorbild und Mutmacher. Dankbarkeit zieht sich bei ihm durch als Leitmotiv, selbst in schwersten Zeiten: „Darum denke ich dankbar und friedlich an Vergangenes und Gegenwärtiges“, schreibt er am 21. Juli 1944. Am Vortag war das Attentat von Graf Stauffenberg gegen Hitler gescheitert. Bonhoeffer war an dessen Vorbereitung nicht beteiligt - er saß ja schon längere Zeit in Haft. Mitverschwörer bei früheren Umsturzversuchen war er freilich gewesen. Sehr wahrscheinlich, dass dies den Ermittlern nun bekannt würde. Die Gefahr für ihn hatte sich also zugespitzt.

    Im Dezember 1944, als mit einem guten Ausgang kaum mehr zu rechnen ist, schickt er seiner Braut Maria von Wedemeyer das Gedicht „Von guten Mächten“. Daraus spricht ein tiefes, aus Dankbarkeit genährtes Vertrauen auf Gott. Seiner Nähe ist sich Bonhoeffer selbst im tiefsten Leid gewiss.

     

    Morgengebet - Teil 3

                Herr Jesus Christus,

                du warst arm und elend, gefangen und verlassen wie ich.

                Du kennst alle Not der Menschen,

                du bleibst bei mir, wenn kein Mensch mir beisteht,

                du vergisst mich nicht und suchst mich,

                du willst, dass ich dich erkenne und mich zu dir kehre.

                Herr, ich höre deinen Ruf und folge.

                Hilf mir!

     

    Ein Gebet für diese Karwoche. Bonhoeffer lenkt unseren Blick nicht etwa auf einen allmächtigen Gott, der das gefährliche Virus wegzaubern sollte. Er weist uns vielmehr auf den solidarisch mitleidenden Gott, der uns in Jesus begegnet. „Gott lässt sich aus der Welt herausdrängen ans Kreuz, Gott ist ohnmächtig und schwach in der Welt und gerade nur so ist er bei uns und hilft uns.“ (Brief an E. Bethge vom 16. Juli 1944)

    Wie aber kann ein am Kreuz ohnmächtig leidender Gott helfen? Einmal dadurch, dass er uns nahe ist, als Bruder im Leiden, wie Bonhoeffer das im Gebet eindrücklich ausspricht. Weiter darin, dass wir seinen Ruf hören und ihm folgen, dass wir selbst solidarisch werden - mitten in dieser Welt „in der Fülle der Aufgaben, Fragen, Erfolge und Misserfolge, Erfahrungen und Ratlosigkeiten leben“ (Brief vom 21. Juli 1944). Solidarisch mit leidenden Menschen und mit dem leidenden Gott: „Christen stehen bei Gott in seinem Leiden.“ (Gedicht „Christen und Heiden“, Juli 1944)

    Wir Christen haben kein Wundermittel in dieser Corona-Krise. Auch das Gebet - so wichtig in dieser Zeit gerade Dank und Fürbitte sind -, das Gebet ist keine Zauberei.  Wir wissen nicht besser als andere, was zu tun sei. Wir versuchen, was wir können, um zu helfen und unseren Mitmenschen nahe zu sein - trotz aller nötigen Distanz. Immer wieder müssen wir uns aber auch unsere Rat- und Hilflosigkeit eingestehen. Dabei wissen wir Gott an unserer Seite, uns an Gottes Seite.

    In dieser Karwoche und an Ostern können wir nicht miteinander Gottesdienst und Abendmahl feiern. Mit Bonhoeffer können wir uns aber „sehr ruhig in das Leben, Sprechen, Handeln, Leiden und Sterben Jesu versenken“ und dabei erkennen, „was Gott verheißt und was er erfüllt“. Bonhoeffer gelangt dabei zu großer Gewissheit: „Gewiss ist, dass wir immer in der Nähe und unter der Gegenwart Gottes leben dürfen und dass dieses Leben für uns ein ganz neues Leben ist; (…) dass wir nichts zu beanspruchen haben und doch alles erbitten dürfen; (…) dass im Leiden unsere Freude, im Sterben unser Leben verborgen ist; (…) dass wir in dem allen in einer Gemeinschaft stehen, die uns trägt.“ (Brief an E. Bethge vom 21. August 1944)

    Diese Gewissheit, sie speist sich - auch wenn das hier nur vorsichtig anklingt - aus Jesu Auferstehung. Es ist eine österliche Gewissheit. In ihrem Sinne lauten Dietrich Bonhoeffers letzte Worte, die er am Tag vor seiner Hinrichtung einem Mitgefangenen mitgibt: „Das ist das Ende - für mich der Beginn des Lebens.“

    Ich wünsche Ihnen gesegnete Feiertage.

    Pfarrer Jörg Dinger

  • add Geistlicher Impuls 08. April 2020

    Ja, Palmsonntag ist nun schon ein paar Tage her. Und doch hat mich das Geschehen, um das es an Palmsonntag geht, doch in diesen Tagen etwas beschäftigt. Jesus kommt. Er kommt nach Jerusalem und wird dort erwartet und gefeiert. Er reitet ein und wird als König gefeiert. Jesus kommt und alle erwarten Großes von ihm: Dass er Frieden bringt, Freiheit und Gerechtigkeit. Und die Menschen rollen ihrem erwarteten König den roten Teppich aus, damit er groß rauskommt. Und Jesus? Der kommt. Aber nicht – wie man es von einem König erwarten würde – auf einem Schlachtross oder auf einem Araber, Schimmel oder sonst einem Luxuspferd.

    Ich bin nicht genau im Bild was die Könige und Royals in unseren Tagen so fahren. Aber bei so einem Auftritt sicher Bentley, Rolls Royce oder etwas Vergleichbares aus dieser Klasse. Aber schon eine Mercedes E-Klasse würde bei einem solchen Anlass heutzutage wohl fast schon etwas schäbig wirken.

    Die Leute jedenfalls, die Jesus zugejubelt haben, haben etwas anderes erwartet: Hier kommt jetzt der Retter, ein König, von Gott eingesetzt. Und mit ihm wird nun alles gut. Friede, Freude, Freiheit und Gerechtigkeit.

    Und Jesus? Der kommt … auf einem Baby-Esel. Das ist so, als würde die Queen im Fiat-Panda zu einer Festparade fahren. Mindestens komisch und auf jeden Fall völlig anders als erwartet.

    „Naja, wird schon noch …“, werden sich die Leute vermutlich gedacht haben. Aber es wurde nicht. Jesus blieb anders als erwartet. Er hat seinen Transportuntersatz nicht gegen etwas Schickeres getauscht. Im Gegenteil er ist auch nach von seinem Ross herabgestiegen, von diesem Baby-Esel, der auch nur geliehen war. Und dann nicht Friede, Freude, Eierkuchen, sondern Abendmahl, Schauprozess und Folter.

    Wie stellst du dir das vor, wenn Gott kommt?

    Wenn Gott kommt, müsste da nicht Friede sein, Gerechtigkeit, Gesundheit?

    Jesus kommt. Aber was, wenn er anders kommt? Was, wenn er nicht in die Gott-Schublade passt, wie wir sie im Kopf haben? Wenn Jesus anders kommt, bin ich dann auch offen für ihn? Bist du offen?

     

    Pfarrer Raphael Häfele

  • add Morgenandacht 7. April 2020

    Es ist schon seltsam passend, dass diese Zeit, in der wir zwangsweise auf so vieles verzichten müssen, ausgerechnet mit der Passions- bzw. Fastenzeit zusammenfällt.

    Die Idee hinter der Fastenzeit ist ja, durch Verzicht einen Blick fürs Wesentliche zu bekommen.

    Und wenn‘s gut geht, gewinnt unser Leben dadurch an Tiefe.

    Wir machen die Erfahrung: Weniger kann mehr sein.

    Wir bekommen einen anderen Blick auf den Alltag mit seinen sonst unhinterfragten Routinen.

    Wir spüren, dass es auch anders geht als sonst.

    In der Krise hat unser Leben einen anderen Rhythmus bekommen.

    Ich bin sicher, dass die meisten Menschen, die jetzt zu Hause bleiben (müssen), heute Morgen anders aufgestanden sind als sonst.

    Wir starten anders in den Tag, selbst wenn wir trotzdem im Homeoffice einen Arbeitstag haben.

    Alles ist weniger hektisch, gemächlicher, lockerer.

    Das jedenfalls ist die Chance dieser Zeit.

    In den Psalmen heißt es sogar: „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf“ (Ps 127,2)

    Das ist sozusagen das Hohelied der Gelassenheit.

    Außerdem lese ich da: „Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen.“

    Auch ich stehe meistens früh auf, und oft sitze ich lange, und Sorgen sind mir auch nicht unbekannt.

    Wie wohltuend sind da diese Worte!

    Nichtstun. Pause, auch wenn es aktuell eine Zwangspause ist.

    Gehirnforscher sagen: Nichtstun, ja sogar Langeweile haben, das fördere nicht nur die Kreativität (weil man da auf ganz neue Ideen kommt abseits der üblichen Gedankenpfade), sondern auch die Widerstandskraft.

    Und außerdem gibt es da auch noch die Erfahrung, dass sich Probleme manchmal über Nacht von selbst lösen. Nicht alle und nicht immer, aber doch auch gar nicht so selten.

    Am nächsten Morgen jedenfalls sieht Manches doch gleich ganz anders aus.

    Im Schlaf vollbringt unser Gehirn offensichtlich großartige geistige Leistungen – ganz ohne Anstrengung, und ohne dass wir es merken.

    Der Alltag wird sortiert und Wichtiges von Unwichtigem getrennt. Und manchmal werden Probleme auch gelöst.

    Soll übrigens auch für Tagträume gelten.

    Schon der Psalmbeter wusste jedenfalls:

    „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf“

    Amen

     

    Psalm 127,1-3:

    Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.

    Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.

    Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

     

    Pfarrer Jochen Mayer, Neuenstein

  • add Morgenandacht 6. April 2020

    Liebe Leser*innen!

    Haben Sie eine Sammelleidenschaft? Bestimmte Produkte, außergewöhnliche Gläser oder Münzen: Sammeln Sie etwas? Und wenn ja, haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, warum Sie das sammeln, was Ihnen wichtig daran ist?

    Ist es besonders schön? Ist es wertvoll oder könnte es wertvoll werden? Ist der Gegenstand mit Erinnerungen verbunden? Haben Sie die Leidenschaft des Sammelns geerbt und sind von der Familie angesteckt worden?

    Oft ist die Motivation zum Sammeln, dass ich etwas haben will, was der andere nicht/ noch nicht hat, nie haben wird.  Es ist mein Alleinstellungsmerkmal. Manchmal ist auch entscheidend, dass ich mit den Gegenständen, oder was auch immer ich sammle, etwas Festes, Dauerhaftes besitze, etwas, das ich festhalten möchte.

     

    Die Leidenschaft und Vorliebe für das Sammeln hat der Liedermacher Werner Schmidbauer zum Thema eines Liedes gemacht.

    In den Strophen erwähnt er, was man so alles sammeln kann: Geld, Bilder, Souvenirs, Schmuck, und noch vieles mehr.  Und schließlich besingt er seinen Sammelfavoriten.

     

    Er ist Momentensammler. So singt er: „Unter mir die Wellen und über mir die Wolken, der Nebel überm Fluss in der Morgensonne, die Hand, die mir wer reicht, wenn ich nicht weiterkomme.“

    Das sind seine Beispiele.

    Hätten Sie auch solche Beispiele auf Lager?  Momente, die Sie auf Ihrer inneren Festplatte gespeichert, die sich eingeprägt haben, weil Sie mit einem bestimmten Ereignis verbunden waren.

    Momente, die atemberaubend waren und die Sie wahrscheinlich gerne länger festgehalten hätten.

    Doch zum Schluss kommt auch W. Schmidbauer zu der Erkenntnis: 

    „Nix is so schee wia der Moment,

    wo ois so  is wias ghert und

    as Leben kriagst einfach gschenkt.

    Und des allerbeste is dabei:

    Wennsd den Moment gfundn host, is er vorbei!“

     

    (Nichts ist so schön wie der Moment

    wo alles stimmig ist und

    das Leben bekommst du einfach geschenkt

    und das allerbeste ist dabei:

    Wenn du den Moment gefunden hast, ist er vorbei.)

     

    Momente können wir sammeln, aber eben nicht zum Festhalten, sondern zum Genießen.

    Vielleicht gelingt es uns, immer wieder auch Momente des Glaubens, der Zuversicht und der Hoffnung zu sammeln:
    - Begegnungen mit Menschen.
    - Trost- oder Hoffnungsworte, wie: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“

    - ein stilles Innehalten am Morgen, wo ich mich für den Tag sammeln kann.

    - der Blick in den Sonnenuntergang, wo ich die Seele baumeln lasse.

     

    Jeder und Jede hat da so seine/ihre eigenen Stärkungsworte und Stärkungsmomente.

    Und diese Momente des Glaubens sind dann, vielleicht im Unterschied zu den schnell verstreichenden Augenblicken, doch etwas, an dem ich mich festhalten kann. Etwas, an das ich mich erinnern und von dieser Ration zehren kann.

    Vielleicht kann ich anhand eines Bildes oder eines Textes manchen verschütteten Moment in mir wachrufen, mich daran orientieren und dadurch stärken lassen.

     

    Ich wünsche Ihnen, dass Sie solche Haltepunkte haben oder finden, damit Sie nun in dieser unsicheren Zeit davon knabbern können.

    Und sammeln Sie fleißig weiter, es gibt jeden Tag mindestens einen schönen Moment zu entdecken.

     

    Bleiben Sie behütet.

    Pfarrer Dieter Ebert, Adolzfurt-Scheppach

     

  • add Geistlicher Impuls 4. April 2020

    Als Kind hatte ich einmal einen Weihnachtswunsch, der hat alle anderen Wünsche überlagert: Eine Ritterburg. Und ich sagte damals wohl zu meinen Eltern: „Wenn ich die kriege, dann wünsch ich mir nie mehr was!“ Nun, ich habe die Burg bekommen. Meine Wünsche waren damit freilich nicht ein für alle Mal befriedigt. Aber die Faszination der Ritterburg und meine Freude, mit ihr zu spielen, hat lange angehalten.

    Heute wohne ich wenige Schritte entfernt von einer echten Burg. Und in diesen Tagen, die einen stark ans Haus binden, gehe ich öfters abends die paar Meter hoch, am Pfarrgarten vorbei, zu der großen Burganlage, die über den Dächern von Forchtenberg liegt.

     

    Es ist eine besondere Atmosphäre hier oben. Und immer wieder spüre ich, wie dieses Gelände zwei Dinge für mich ausstrahlt: Weite und Geborgenheit. – Frühere Generationen haben das vermutlich noch intensiver erfahren. Als die Steinbögen am Eingang noch mit massiven Holztoren verschlossen waren und die ganze Anlage in ihrer unversehrten Stärke dastand. Als Ruprecht II. Mitte des 13. Jahrhunderts die Burg als seinen Herrschaftssitz wählte, hat das positive Auswirkungen für den ganzen Ort. Im Schutz dieses Bollwerkes konnte sich ein gewisser Wohlstand entwickeln. Die Zahl der Handwerker erhöhte sich. Forchtenberg blühte auf.

     

    Und nun stehe ich hier oben. Fühle mich dem Himmel etwas näher. Einmal Abstand zu Corona! Ich höre die Vögel. Spüre den Wind. Weite. Und ich schaue auf die Mauern, die das ganze Gelände umfrieden. Ein schönes Wort. Es ist viel Raum dazwischen. Kein Gefängnis. Aber Schutz. Und ich leihe mir die Anrufung Gottes aus Psalm 91:

     

    „Meine Zuversicht und meine Burg,

    mein Gott, auf den ich hoffe.“

     

    Ich spreche sie ein paar Mal leise aus. Und ich bekräftige damit für mich: Ja, du bist da, Gott. Bist um mich herum. Ich bin in dir. Was mich überfällt, was Macht über mich gewinnen will: Bedrohliche Bilder, Gefühle von Angst, lähmende Hilflosigkeit … - du stellst dich dazwischen. Wie die Mauern einer Burg. Ich höre die Angreifer, wie sie gegen das Tor hämmern. Sie sind noch da. Aber du stehst zwischen ihnen und mir. Und in deinem Schutz atme ich auf. Ich spüre Geborgenheit. Du hast die Macht. Du bist größer. Du bist stärker als alles andere.

     

     

    „Meine Zuversicht und meine Burg,

    mein Gott, auf den ich hoffe.“

     

     

    Das war gut. Und jetzt gehe ich durch den steinernen Torbogen hindurch den Weg zurück in den Ort. Stelle mich wieder den Herausforderungen. Gebe, was ich geben kann. Freue mich an gelungenen Gesprächen. Spüre den Schmerz über das, was anders läuft, als ich es mir gewünscht habe. Halte Menschen im Gebet Gott hin. Und erinnere mich immer wieder: Wo ich auch bin – ich bin in ihm!

     

     

    „Du bist mein Zufluchtsort.

    Ich berge mich in deiner Hand,

    denn du schützt mich, Herr.

    Wann immer mich Angst befällt,

    traue ich auf dich.

    Ja, ich trau auf dich,

    und ich sage:

    „Ich bin stark

    in der Kraft meines Herrn.“

     

    („Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder plus“, Nr. 123)

     

    von Pfarrer Wolfgang Wilhelm, Forchtenberg

  • add Morgenandacht 2. April 2020

    Es gibt Millionen Menschen, die sich nach Unsterblichkeit sehnen,

    die aber nicht wissen,

    was sie an einem verregneten Sonntagnachmittag anfangen sollen.

    (Maurice Chevalier)

     

    Ja, so sind wir Menschen. Wenn alles so läuft, wie wir uns das vorstellen, dann wünschen wir, es könnte ewig so weitergehen...

    Aber jetzt sind wir, quasi von einem Tag auf den anderen, in die Situation hineingeworfen, dass es eben nicht so läuft, wie wir uns das vorgestellt haben.

    Über eine ganze Gesellschaft sind von oben nicht nur "Sieben Wochen ohne", sondern "............. Wochen ohne" (Anzahl noch offen) verordnet worden und jetzt merken wir auf einmal, dass wir mit uns selbst konfrontiert sind:

    Mit dem, was sich da in uns an unterschiedlichen Gefühlen und Stimmungen tummelt und was wir normalerweise irgendwie ganz gut im Zaum halten können. Oder wir merken, dass wir gar nicht so gut mit uns alleine zurecht kommen.

     

    Ein Tag kann lang sein, wenn man alleine die Quarantäne hinter sich bringen muss, wenn niemand zu Besuch kommen darf oder wenn die ganze Familie plötzlich aufeinander sitzt und man sich gegenseitig nervt.

     

    "............. Wochen ohne" - Es ist noch offen, welche Zahl bei der Leerstelle einzusetzen sein wird. Mutmaßungen, wie lange es noch dauern wird mit dem Ausnahmezustand, werden in diesen Tagen ja reichlich geäußert.

    Aber sie sind wohl eher ein Ausdruck unseres Wunsches, die Normalität möge doch bald wieder eintreten.

    Dabei gibt es berechtigte Zweifel, ob man wieder zur alten Normalität zurückkehren wird...

     

    Vielleicht sollen wir auch gar nicht zur Normalität wie früher zurückkehren. Vielleicht ist es unsere Aufgabe, dass wir aus dieser Herausforderung etwas lernen und sei es nur, das wirklich zu schätzen, was wir im Moment gerade nicht dürfen oder nicht haben. 

     

    z.B. Wie viel es uns bedeutet , etwas zu planen und dann auch durchführen zu können;

    Oder wie gut es ist, einander mit Handschlag begrüßen oder in den Arm nehmen zu können;

    Oder wie schön es ist, jemanden besuchen zu können;

    Oder der Gang ins Kino oder in die Eisdiele oder ins Stadion;

    Oder dass Schule, wenn man mit den Anderen zusammen sein kann, gar nicht sooo doof ist;

     

     

    - Wir wissen nicht, wie der Weg vor uns weitergehen wird.

    Aber genau hier zeigt sich für uns die immerwährende Lektion des Glaubens:

    Wir sind dazu aufgefordert, Glauben und Vertrauen zu üben, einzuüben, zu trainieren, gerade wenn nicht klar ist, wie es hinter der nächsten Kurve weitergehen wird. Wir müssen uns dazu vielleicht sogar regelrecht überwinden: Ich weiß nicht, wie es weitergeht, aber ich will zu Dir, mein Gott, Vertrauen fassen, dass der Weg weitergeht und dass Du mir hilfst, die nächsten Schritte auf dem unbekannten Weg zu gehen.

    Und zu diesem Vertrauen könnte auch gehören, dass wir den Tag, der uns zur heute Verfügung steht, als geschenkte Lebenszeit annehmen, und wertschätzen.

    Jetzt ist dieser eine Tag im Frühjahr 2020.

    Er ist ein Geschenk für mich.

     

    Sehe ich, was nur jetzt in diesen Tagen, zu sehen ist?

    Dass der kahle Wald bald nur noch Erinnerung sein wird. Überall drückt es aus den Knospen! Bald wird es überall grün sein. Der Frühling kommt mit Macht und das Jahr schreitet fort.

     

    Die Karwoche steht vor der Tür – und: Ostern steht vor der Tür und mit Ostern die wunderbare Botschaft, dass der Auferstandene gegenwärtig ist und dass wir nicht alleine unseren Weg gehen müssen. Deshalb können auch wir gegenwärtig sein.

     

    Die Gegenwart ist die einzige Zeit, die mir zur Verfügung steht.

    Das Vergangene war, die Zukunft kommt erst noch.

    Die Gegenwart ist das Jetzt , das mir heute geschenkt ist.

    Achte gut auf diesen Tag,

    denn er ist das Leben-

    das Leben allen Lebens.

    In seinem kurzen Ablauf liegt alle Wirklichkeit

    und Wahrheit des Dasein.

    Die Wonne des Wachsens,

    die Größe der Tat

    die Herrlichkeit der Kraft.

    Denn das Gestern ist nichts als ein Traum

    und das Morgen nur eine Vision.

    Das Heute jedoch

    - recht gelebt –

    macht jedes Gestern

    zu einem Traum voller Glück

    und jedes Morgen zu einer Vision voller Hoffnung.

    Darum achte gut auf diesen Tag.

     

    (Quelle leider unbekannt)

     

    einen gesegneten Tag wünscht Dorothea Schindhelm,

    seit 1. Februar Gemeindediakonin in Pfedelbach

  • add Morgenandacht 1. April 2020

    „Der HERR ist gütig und eine Burg zur Zeit der Not. Der HERR kennt die, die auf ihn trauen.“     

    Nahum 1, 7

     

    Dieses Wort aus dem Buch des Propheten Nahum ist wie ein Licht in der Nacht. Die Propheten des Alten Testaments sind bekannt dafür, dass sie vor allem Gerichtsworte verbreiten und gerade Nahum ist da besonders ausführlich, aber immer wieder kommt der Zweck dieser Gerichtspredigt durch und da wird deutlich: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben“ (Ps. 46,2).
    In den alten Zeiten war es wichtig, in einem sicheren Haus zu leben, dass nicht einfach geöffnet werden konnte und Sturm und Regen standhielt, ebenso wie heute, wo wir unsere Wohnung mit guten Schlössern und einer Alarmanlage gesichert haben. Umgekehrt gilt: Wer ungesichert lebt, der muss ständig Angst und Unruhe haben, dass ihn jemand überfällt.
    Wer Gott kennt, kann ruhig schlafen, denn er weiß sich in Gottes Schutz so sicher wie in der festesten Burg, mit den besten Schlössern gesichert. Auch weiß er, dass Gottes Schutz­truppen Nachtwache halten und einen sicheren Ring bilden: Das sind die Schutz­engel, die er uns sendet. Selbst in schwierigen und gefähr­lichen Zeiten können wir diese Zuversicht haben: „Der Herr ist gütig und eine Feste zur Zeit der Not.“

    Und mehr noch, wir können uns direkt an Gott wenden in der Not. Er kennt die Menschen, die auf ihn trauen. Schon in der Taufe sagt uns Gott zu: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“ (Jes. 43,1).
    Jesus bestätigt das noch einmal und sagt von sich: „Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen“ (Joh. 10,14). Bei Gott sind wir keine Kunden­nummer, und bei Gott hängen wir auch nicht hilflos in der Warte­schleife, wenn wir zu ihm beten wollen. Bei Gott heißt es nicht: Ich bin nicht zuständig, probieren Sie es anderswo. Nein, Gott kennt jeden seiner Gläubigen mit Namen und kümmert sich so um ihn, als sei er seine einzige Sorge. Bei Gott sind wir alle Privat­patienten. Im Glauben erkennen wir den, der uns schon längst erkannt und erwählt hat durch seinen Sohn Jesus Christus. Seine Verheißung gilt ja denen, „die auf ihn trauen“. Und darum können wir auch für die Zukunft gewiss sein: „Der HERR kennt die, die auf ihn trauen.“

     

    Das Gebet für den Beginn des Tages – Luthers Morgensegen

    Des Morgens, wenn du aufstehst, kannst
    du dich segnen mit dem Zeichen
    des heiligen Kreuzes und sagen:

    Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen.

    Darauf kniend oder stehend das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser.
    Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen:

    Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, daß du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde.

    Als dann mit Freuden an dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was dir deine Andacht eingibt.

     

    Pfarrer Arnim Speck

  • add Morgenandacht 31. März 2020

    Auferstehung mitten im Leben

     

     

    Liebe Leserin,

    lieber Leser,

     

    glauben Sie an so etwas wie „Auferstehung mitten im Leben“? Nun ja, vielleicht erinnern Sie sich noch an die trüben, unangenehm feuchtkalten Tage, die wir im vergangenen Winter hatten? Keinen Schnee, auch keinen richtigen Frost – dafür aber ganz viele unsäglich-trübe, dunkle Wintertage! Meinem Hund ist das Wetter ja egal (bis auf Regenwetter – das mag auch er nicht). Er will raus. Und ich muss mit. So war ich auch an den trübesten Wintertagen draußen, manchmal auch im Wald. Ganz dunkel erschienen dort manche Seitenwege: unheimlich, schattenreich, trostlos. Da hinein? Gewiss nicht – da bekommt man ja schon beim bloßen Hineinsehen trübe Gedanken! (Mein Hund scheint so etwas freilich immer etwas anders zu sehen …) Auch mit ganz viel Phantasie und Vorstellungskraft: Solche Wege mit etwas Schönem verbinden – nein, beim besten Willen nicht!

    Und dann die Wende, plötzlich und unerwartet. Erste warme Frühlingssonnenstrahlen dringen selbst in die dunkelsten Winkel und führen eine wundersame Wandlung herbei: der Wald erfüllt von hellem Licht - es blüht und grünt und zwitschert und tiriliert! Was für eine Verwandlung! Wo eben noch finsteres, trostloses Land – jetzt ein Ort der Freude und der Lebenslust! Ein Bild, das zeigt: Auferstehung mitten im Leben – ist möglich!

     

    Und wir? Manchmal tragen auch wir eine Finsternis mit uns rum. Ich meine jetzt natürlich nicht den schwarzen Wintermantel, sondern mehr so eine Dunkelheit, die ganz tief in uns drinnen sitzt; da, wo auch unsere Gedanken zuhause sind. Dürre Wüsten und trübe Schattenreiche in uns können übermächtig werden. Hoffnung geht verloren. Augen sehen keinen Ausweg. Füße wollen nicht mehr weiter.

     

    Und Gott? Gott begegnet in Jesus Christus Menschen. Es hat den Anschein, als suche er gerade die mit den Wüsten in sich drin. Er sucht die, die in sich gefangen sind und nicht mehr weiter wollen. Jesus zeigt neue Wege. Leben ist möglich – auch mit all seinen Kanten und Ecken, auch mit den erlebten Enttäuschungen, auch mit seinen Verletzungen. Leben ist möglich – auch mit der Schuld, die sich im Lauf der Zeit zu unseren Ecken mitunter dazu gesellt hat. In der Begegnung mit Gott erfahren Menschen: Wandlung ist möglich! Auch aus dem trostlosesten Ort kann ein blühender Garten werden. Zachäus, Bartimäus, Lazarus, Maria von Magdala und viele andere Menschen, von denen die Bibel erzählt, haben in der Begegnung mit Gott ihre Auferstehung mitten im Leben erfahren!

    Der Dichter Werner Arthur Hoffmann besingt solche Wandlung in seinem Lied Blinde werden sehn, Lahme werden gehn. Im Kehrvers nimmt er Worte des Propheten Jesaja auf: „Denn die Wüste wird blühn, und die Steppe wird grün, wenn die Herrlichkeit des Herrn erscheint …“

     

    Auferstehung mit im Leben – Bernd!

     

    Und Bernd? Dass seine Wüste sich einmal in einen blühenden Garten verwandeln sollte, hätte Bernd wohl nie geglaubt. Bernd lebt in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung. Im Alter von vier Jahren war er von einem LKW angefahren worden. Durch den Unfall hat er ein Bein und einen Teil seiner geistigen Fähigkeiten verloren. Seine Mutter kommt mit der neuen Situation nicht zu recht und gibt Bernd weg: zuerst zur Großmutter, dann ins Heim. Als ich Bernd kennen lerne, liegt der Unfall schon über 40 Jahre zurück. Bernd spricht sehr langsam. Was bei Bernd auffällt, ist seine unsägliche Freundlichkeit – sein strahlendes Gesicht – bei fast jedem Gespräch strahlt es bis über beide Ohren. Nur bei der Frage nach seiner Mutter – viele Heimbewohner werden an Wochenenden oder Feiertagen von ihren Eltern abgeholt – stockt ihm der Atem. Von Trauer und Enttäuschung erfüllte Worte rauben seinen ohnehin langsamen Sätzen den Fluss. Ein- oder zweimal habe sie ihn im Heim besucht. Dabei habe sie ihn gar nicht erkannt. Habe zuerst einen völlig anderen Heimbewohner für ihren eigenen Sohn gehalten.

    Als ich ein paar Jahre später wieder Kontakt zu dem Wohnheim hatte, habe ich erfahren, dass Bernd seit ein, zwei Jahren regelmäßigen Besuch bekommt – von seiner Mutter! So häufig besucht diese nun ihren Sohn, dass ihre Besuche manchmal sogar eine gewisse Herausforderung für das Pflegepersonal und die Abläufe im Wohnheim darstellten …

    Eine Mutter, die nach langer Zeit Kraft und Weg gefunden hat, ihren Sohn anzunehmen – ein Sohn, der nach vielen Jahren die Zuwendung seiner Mutter erfährt, nach der er sich immer gesehnt hatte. Und die Wüste wird blühn, und die Steppe wird grün …

     

    Auferstehung mitten im Leben – Corona?

     

    Und Corona? Die Nachrichten dieser Tage sind Besorgnis erregend und beklemmend. Es ist schlimm, dass so viele Menschen an dem neuartigen Virus erkrankt sind. Schwer wiegen Trauer und Schmerz derer, die einen nahen Angehörigen durch das Virus verloren haben. Die Vorkehrungsmaßnahmen, die getroffen werden, um eine rasche Verbreitung des Virus zu vermeiden, sind notwendig. Dennoch haben wir wohl alle ein bisschen ein flaues Gefühl im Magen, wenn wir dieser Tage durch die wie ausgestorbenen Innenstädte und Einkaufspassagen gehen und die scheinbar völlige Lahmlegung unseres gesellschaftlichen Lebens zu spüren bekommen. Da kann einem schon auch mal der Mut sinken.

    Verzweiflung muss aber nicht sein – ganz im Gegenteil: Viele Familien erfahren gerade in der Krise einen neuen Zusammenhalt. Sie spüren, wie wertvoll ihre Gemeinschaft ist. Viele Eltern nehmen sich jetzt mehr Zeit. Sie spielen mit ihren Kindern oder gehen mit ihnen raus in die Natur.

    Ich staune besonders über die große Hilfsbereitschaft untereinander, die jetzt in der Krise zu Tage getreten ist! Auf einmal kaufen Menschen ein für andere, ihnen zum Teil völlig unbekannte Menschen, die einer der Risikogruppen angehören oder bereits erkrankt sind. Menschen zünden Lichter an, stellen Kerzen in ihre Fenster zum Zeichen der Solidarität mit den Leidenden. Kirchenglocken läuten und laden ein, miteinander und füreinander das Vaterunser zu beten im Gedenken an die Erkrankten, an die Verstorbenen, an die Trauernden wie auch an die Unzähligen, die jetzt Hilfe leisten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen und anderenorts.

     

    Ich sehe und kann in diesen Tagen der Krise so viel Gutes entdecken, das aus dem Schweren erwachsen ist. Das macht mir Mut. Das zeigt mir aber auch: Gott ist da. Gott nimmt Anteil. Gott öffnet Augen und zeigt Wege und stellt Füße auf weiten Raum. ER wird auch Wege aus der Krise zeigen. Vielleicht haben sich in den Tagen, da Sie diese Zeilen lesen, schon deutlich spürbare Anzeichen dafür ergeben: eine Entspannung in den Krankenhäusern, eine entsprechende Meldung des Gesundheitsministeriums, Worte, die aufblicken und aufatmen lassen? Erste Knospen der blühenden Gärten, die ganz sicher folgen werden!

     

    Auferstehung mitten im Leben – Ostern …

     

    „Blinde werden sehn, Lahme werden gehen … Denn die Wüste wird blühn, und die Steppe wird grün, wenn die Herrlichkeit des Herrn erscheint …“

    Was für ein Mut machendes, frohes Lied! Passend zu jedem Kirchenfest, zu jeder Jahreszeit, zu jeder Lebenslage! Am 12. April feiern wir Ostern: Jesus Christus ist auferstanden. In seiner Herrlichkeit erscheint und begegnet der Auferstandene Menschen – mit unterschiedlicher Wirkung: Von österlichem Staunen wie auch von Unglauben berichten die Evangelien ebenso wie von Entsetzen und Furcht – aber eben auch von jener unbeschwerten Osterfreude, die Menschen in Bewegung setzt, erfüllt mit Hoffnung und Freude. Freude über den Sieg des Lebens. Freude über Gottes Wahrhaftigkeit. Freude, die mit Gottes Kraft rechnet. Das Leben hat den Tod verschlungen. Verwandlung, Auferstehung mitten im Leben – ist möglich! Auch in Zeiten von Corona – und ganz gewiss auch noch danach! Denn die Wüste wird blühn, und die Steppe wird grün, wenn die Herrlichkeit des Herrn erscheint …

     

    Seien Sie herzlich gegrüßt,

    bewahrt und behütet,

    Ihr Pfarrer Markus Laidig

     

     

     

     

     

     

    Gebet zum Tage

     

    Vater im Himmel, unsere Worte können kaum ausdrücken, was uns

    bedrückt.

    Du kennst unsere Gedanken und Gefühle.

    Du kennst unsere Hilflosigkeit und unsere Ohnmacht.

    Hilf uns! Kläre unser Denken,

    begegne uns mit deiner Kraft. Sprich uns an mit deinem ewigen Wort, das Leben schafft und erhält.

    Zeige uns deine Wege und mache uns gewiss, dass uns nichts, weder Tod noch Leben, weder Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges trennen kann von deiner Liebe, die in Jesus, unserem Bruder und Herrn für immer in dieser Welt erschienen ist.

    Amen.

  • add Morgenandacht 30. März 2020

    Morgenlicht leuchtet

    Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang.

    Frühlied der Amsel, Schöpferlob klingt.

    Dank für die Lieder, Dank für den Morgen,

    Dank für das Wort, dem beides entspringt.

    Sanft fallen Tropfen, sonnendurchleuchtet.

    So lag auf erstem Gras erster Tau.

    Dank für die Spuren Gottes im Garten,

    grünende Frische, vollkommnes Blau.

    Mein ist die Sonne, mein ist der Morgen,

    Glanz, der zu mir aus Eden aufbricht!

    Dank überschwänglich, Dank Gott am Morgen!

    Wiedererschaffen grüßt uns sein Licht.

    (Evangelisches Gesangbuch Nr. 455)

     

    Frühlingsmorgen

    Die Vögel zwitschern heiter ihr Morgenlied. Büsche und Bäume treiben immer neue Blüten. Das Gras schmückt sich mit saftigem Grün. Das Licht ist neugierig und tastet sich immer früher über die Wiesen und durch die Gärten. Es streift über die Dächer der Häuser und lugt in die Fenster. Wenn ich die Augen öffne, empfängt es mich sanft. Manches Dunkel der Nacht verscheucht es aus meinem Kopf und meinem Herz. Anderes weigert sich hartnäckig, mich loszulassen.

    Ich begrüße meine Sorgen und Traurigkeiten.

    Ich wünsche meinen Hoffnungen und Zielen einen guten Morgen.

    Ich strecke meine Hände aus nach dem, was mir noch verborgen ist für diesen Tag und wünsche, es möge Gutes sein.

    Ich danke Gott, dass er mir diesen Tag schenkt – ich kann Neues wagen und Bekanntes nochmal probieren.

    So gehe ich in den Tag.

     

    Was ich dir wünsche!

    Nicht, dass du der schönste Baum bist,

    der auf dieser Erde steht.

     Nicht, dass du jahraus, jahrein

    leuchtest von Blüten an jedem Zweig.

    Aber dass dann und wann

    an irgendeinem Ast eine Blüte aufbricht,

    dass dann und wann etwas Schönes gelingt,

    irgendwann ein Wort der Liebe ein Herz findet,

    das wünsche ich dir.

    Ich wünsche dir,

    dass du dem Himmel nahe bist

    und mit der Erde kräftig verbunden,

    dass deine Wurzeln Wasser finden und deine Zweige im Licht sind.

    Dass du Halt findest an einem festen Stamm

    und die Kraft hast, ein Stamm zu sein für die,

    die du tragen sollst.

    Dass du mit allem, was krumm ist an dir,

     an einem guten Platz leben darfst

    und im Licht des Himmels.

    Dass auch, was nicht gedeihen konnte, gelten darf

    und auch das Knorrige und das Unfertige

    an dir und deinem Werk

    in der Gnade Gottes Schutz finden.

    Hin und wieder eine Stunde wünsche ich dir,

    in der du den Reichtum erkennst, der dir gegeben ist.

    Der gütige Gott, der uns versprochen hat, bei uns zu sein alle Tage

    unseres Lebens und der die Fülle unseres Lebens will

    segne und behüte dich und alle Menschen, die du im Herzen hast.

    Gott, der Vater, Jesus der Sohn und Ruach, die Heilige Geistin. Amen.

    (Jörg Zink)

     

    Pfarrerin Christiane Fröhlich

  • add Morgenandacht 28. März 2020

    Goldspur – Andacht am 28.3.2020 von Pfarrerin Nadja Elbe

     

    Eine Frau. Diese Frau hat die schöne Obstschale in der Hand. Ein Geschenk von der Oma. Damals, als Sie von zu Hause auszog, hat sie die von der Oma bekommen. Gemeinsam waren sie zur Töpferei in der Nachbarschaft gelaufen und sie hatte sich ein Stück aussuchen dürfen. Manchmal vermisst sie ihre Oma ganz arg. Obwohl es doch schon so viele Jahre her ist seit … Na ja. Eigentlich will sie ja gerade abstauben. Und - und noch während sie so denkt gleitet ihr die Schale aus der Hand. Sie sieht sie noch fallen, aber die Hand greift nicht mehr. Der Blick folgt. Zu spät. Sie sieht das Zerspringen auf dem harten Boden wie in Zeitlupe. Da liegt die Schale. In mehrere Teile zerbrochen. Sie weint. Reiß dich zusammen, sagt sie sich. Das ist nur eine Schale. Das ist nicht dein Leben. Nur ein Gegenstand. Aber es war halt die Schale der Oma. Erinnerung.

    Trauer. Und doch stimmt auch das: Es ist nur ein Gegenstand.

    Wie aber, wenn es nicht nur ein Gegenstand ist, der da liegt. Der zerbrochen ist?

    Vor ein paar Jahren bin ich in meinem Kalender der Adventszeit, im „Anderen Advent“, auf folgende „Goldene Spur“ gestoßen: Sie nennt sich ‚Kintsugi‘. Diese Schalen stammen aus Japan. Kintsugi ‚Goldreparatur‘. Es handelt sich um eine traditionelle japanische Reparaturmethode. Der Gedanke ist eigentlich so einfach: Wenn eine wertvolle Keramikschale in Scherben zerbricht, wird sie wieder zusammengefügt. Nicht ohne sichtbare Risse, das wäre ja unmöglich. Die besondere Idee, die liebevolle besondere Umsetzung ist diese: Die Bruchstücke werden nicht nur mit besonderem Kitt und Lack geflickt, sondern auch mit Goldstaub. Ich selbst besitze keine solche Schale, aber die Bilder, die ich mir im Internet ansah, weckten bei mir - selbst auf Distanz - den Eindruck: Welcher Glanz, welche Besonderheit!

     Ja, gerade in den Brüchen besonders kostbar. Das ganze Gefäß ist neu und anders, es glänzt sogar. Iris Macke schreibt im Anderen Advent dazu: „Jede wiederhergestellte Schale zeigt: Ich bin gebrochen, an verschiedenen Stellen. Ich habe vieles überstanden. Es hat Mühe und Zeit gekostet, wieder ganz zu werden, wieder neu gefüllt werden zu können. Aber genau das macht mich einzigartig.“

    Ist dies nicht ein wertvoller Blick auf das Leben? Wie aus dem, was zerbrochen ist, wieder Neues entstehen kann. Nicht „geklebt und repariert“. Sondern: einzigartig. Einzigartig gerade in den Rissen, den Sprüngen. Einzigartig im liebenden Umgang mit diesen Rissen. Scherben, die nicht unter den Teppich des Vergessens gekehrt werden. Sondern Scherben, die in ihrem Wert hochgeachtet werden.

    Und doch: Da mag auch der Widerstand hochsteigen: Moment. Auf diese Einzigartigkeit hätte ich im Leben gerne verzichtet. Einzigartig in der Krankheit, in der Trauer, in der großen Angst?

    Was, wenn da etwas ganz und gar nicht zu heilen vermag? Wenn es sich zu keinem Ganzen fügen will? Denn das gibt es im Leben, viele Menschen werden in diesen Tagen so erschüttert: Dass da Scherben sind, die einfach nichts als Scherben sind. Womöglich weiß ich schon gar nicht mehr recht, welchem Gefäß ich sie zuordnen soll. Vielleicht kann ich keine Kraft für Klebearbeiten aufbringen. Oder es ist in dem Schmerz noch viel zu früh, zu unerträglich, Goldstaub zu streuen und Goldspuren zu zeichnen.

    Was, wenn ein Mensch unter Tränen sagt: Das verheilt nie. Was sagen? Wie schweigen?

    Es gibt diesen Schmerz. Und dass etwas nie, zumindest nie ganz, verheilt.

    Bei Goldspuren und Licht geht es eben nicht um den schnellen Kitt, nicht ums „Scherben-des Lebens-mal-schnell-kitten“.

    Es geht um so viel mehr. Es geht mir um unsere Gemeinschaft. Trost, Fürsorge, Nächstenliebe, Gebet füreinander in Verbundenheit.  

    Und es geht um noch einen, der Kraft unseres Lebens sein will: Gott ist unser Leben nicht gleichgültig. Gott kommt mitten hinein in unser Leben.

    Dein Leben ist wertvoll, einzigartig in den Augen dessen, der dich in diesem Leben wollte! In Jesus ist Gott mitten in diesem Leben. Gott weiß um Leiden und Glück, um Hoffnung und Verratenwerden. Er weiß um unsere Scherben.  Dafür ist er in diese Welt hineingeboren. Dafür ist er gestorben. Das ist die Goldlichtspur des Ostermorgens.

    In unserem Leben ist das oft noch nicht zu spüren. Es ist nicht alles heil. Doch Gott ist da, der heil macht. Auf diese Zusage gehen wir zu. In Der Passionszeit. Jeden Tag.

    Beim Propheten Jesaja heißt es: „Gott, der HERR, wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen“ (Jesaja 25,8). An jedem Tag deines Lebens gilt dir diese Zusage: Gott macht heil. Er sieht die Goldspur deines Lebens. Amen

     

    Ein Gebet:

    Ich lade Sie ein – womöglich sogar mit Kerze, Scherbe und Goldfaden - innezuhalten:

    Scherben: Ich bringe Dir, Gott, meine Scherben. Normalerweise kehre ich Scherben auf. Und dann kommen sie in den Müll. Manche Scherben kehre ich unter den Teppich des Vergessens. Manchmal bin ich sogar froh, wenn eine scheußliche Vase endlich kaputtgegangen ist. Aber da sind auch die Gegenstände, bei denen es weh tut. Wo ich versuche, Scherben zusammenzukleben. Ob es gelingt? Ich kann immer noch sehen, dass da etwas geklebt wurde.

    Ich bringe Dir, Gott, Lebensscherben. Da ging etwas kaputt, was sich einmal ganz und heil anfühlte. Da sind die Scherben im Leben, die kein Glück sind. Die nur Schmerz bedeuten.

    Goldspur: Ich bringe einen goldenen Faden, eine goldene Spur zu Dir, Gott.

    Noch ist es nur eine Ahnung. Eine Ahnung, dass da mehr ist als die Scherben.

    Ich sehe Goldpuren im Leben: in meinem eigenen Leben oder im Leben eines anderen Menschen. Zeit, die wir miteinander geteilt haben: in Worten und Stille. Im Einfach-da-sein. Da ist die Goldspur, nicht alleine gewesen zu sein. Auch jetzt nicht. Auch jetzt sind da Goldspuren der Hoffnung. Ein trostvolles Wort, ein guter Anruf. Eine Therapie, die anschlägt. Die Goldspur neuer geschenkter Lebenszeit. Ein Sonnenstrahl durch das Fenster auf mein Gesicht. Du, Gott, bist da!

    Kerze: Ich bringe das Licht einer Kerze zu Dir, Gott. Allem Dunklen zum Trotz. Ich bringe stellvertretend Licht für andere Menschen. Ich bringe das Licht für alle, die erkrankt waren oder erkrankt sind. Für alle, deren Leben sich dunkel und bedroht anfühlt.

    Ich glaube fest, dass es Dich, Gott, kümmert, wie es uns geht. Dass jede und jeder von uns Dir wichtig ist. Nicht egal. Spüren können wir das nicht immer. Manchmal ist es nur dunkel. Aber ich glaube Dir, wenn du versprichst, auch in den ganz dunklen Momenten da zu sein. Gott, Licht der Welt, erbarme dich! Amen.

     

     

  • add Morgenandacht 27. März 2020

    Friedensgebet von Coventry - Nagelkreuzgemeinschaft

    Entstanden 1940 nach einem Luftangriff und der Zerstörung der Kirche

     

    Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. (Römer 3, 23)

    Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse,

    Vater, vergib.

    Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr Eigen ist,

    Vater, vergib.

    Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet,

    Vater, vergib.

    Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der Anderen,

    Vater, vergib.

    Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlinge,

    Vater, vergib.

    Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt und an Leib und Seele missbraucht,

    Vater, vergib.

    Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott,

    Vater, vergib.

    Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem anderen, wie Gott euch vergeben hat in Jesus Christus. (Epheser 4, 32)

  • add Morgenandacht 26. März 2020

    Kocherquelle bei Oberkochen, Foto: JD April 2015

    Geh mit Gott!

    Es ist früh am Morgen und still sind noch die Straßen

    Doch dein guter Segen geht schon mit uns!

    Noch ist alles offen, noch ist der Tag verborgen.

    Mit dir will ich gehen, Gott.

    Der Tag bricht an.   (Wo wir dich loben, Nr. 138)

     

    Mit diesem Morgenlied grüße ich Sie herzlich und mit einem Psalmwort, das mir seit langer Zeit viel bedeutet:

     

    „Bei dir ist die Quelle des Lebens,

    und in deinem Lichte sehen wir das Licht.“        (Psalm 36,10)

     

    Ich liebe diesen Psalmvers. Nicht nur im Frühjahr, wenn draußen die Natur wieder erwacht - wobei sich das alles dieses Jahr irgendwie unwirklich anfühlt. Unbefangene Freude am strahlend blauen Himmel und den Frühjahrsblüten will sich einfach nicht einstellen.

    Ich liebe den Psalmvers vielmehr, weil ich die Quelle vor meinem inneren Auge sehe und das frische Wasser spüre, auf der Haut, in meiner Kehle. Weil er mich auf Gott weist, dem ich mein Leben verdanke, dem alles, was lebt, das Leben verdankt. Auf Gott, bei dem ich den Durst meiner Seele stillen kann. Schließlich erkenne ich in dem Psalmwort auch einen Hinweis auf das Licht des Ostermorgens.

    Heute schwingt für mich in dem Vers auch ein Stück Trotz mit: „Bei dir, Gott, ist doch die Quelle des Lebens. Daran will ich festhalten. Zeig es, Gott, lass es spüren! Vor allem die, die krank sind, die Angst haben um ihr Leben und um das ihrer Lieben.“

    Zugleich erinnert er mich an das, worauf es gerade in diesen Zeiten vor allem ankommt. Dass ich die Quelle des Lebens suche und aufsuche, die Verbindung zu Gott halte, so gut ich es kann, und immer wieder aufs Neue suche. Dass ich den Durst meiner Seele bei ihm stille.

    Mit meinem Klagen und Fragen, mit meiner Freude am Leben trotz allem, mit meiner Sehnsucht nach Begegnung, nach Gemeinschaft - mit all dem komme ich zu Gott. Zu ihm bete ich. Auf ihn hoffe ich - auf das Licht des Ostermorgens nach der ernsten Passionszeit. Auf ihn will ich hören. Mit ihm gehe ich meinen Weg - in diesen Tagen wie in denen, die kommen.

     

    Geh mit Gott!

    Es ist früh am Morgen und still sind noch die Straßen

    Doch dein guter Segen geht schon mit uns!

    Noch ist alles offen, noch ist der Tag verborgen.

    Mit dir will ich gehen, Gott.

    Der Tag bricht an.

     

    Seien Sie herzlich gegrüßt,

    Ihr Pfarrer Jörg Dinger

  • add Morgenandacht 25. März 2020

    Veronika - nur ein Abdruck?!

    In der katholischen Tradition gibt es den Kreuzweg. Man geht den Leidensweg Christi nach und bedenkt verschiednee Stationen auf seinem Weg zum Kreuz. Eine davon ist die Station, in der Veronika Jesus mit ihrem Tuch den Schweiß abwischt. Der Legende nach ist das Gesicht Jesu auf dem Abdruck des Tuches erhalten geblieben.

    Der Künstler Walter Habdank hat einen Holzschnitt gemacht, auf dem das Gesicht Jesu als Abdruck auf dem Tuch zu sehen ist.

    Es ist ein gemartertes Gesicht. Auf dem Kopf eine Krone aus Dornen. Müde und hoffnungslos schauen die dunklen Augen. Der Mund wird sich nie wieder zu einem Lächeln verziehen. Er wird sich nur noch öffnen, um zu vergeben. Um zu versprechen. Und um die Verzweiflung herauszuschreien.

    Auf dem Weg nach Golgatha schaut dieses Gesicht in die Gesichter vieler Menschen:

    Menschen, die es verspotten;

    Menschen, die erleichtert sind, nicht selbst das Kreuz tragen zu müssen;

    Menschen, die sich fürchten;

    Menschen, die froh sind, dass dieser Mann, der nur Unruhe gebracht hat, endlich kein Unwesen mehr treiben kann;

    Menschen, die traurig und verzweifelt zusehen müssen, wie der, von dem sie alles erhofft hatten, hilflos und zerbrochen mit letzter Kraft sein Kreuz schleppt.

    Menschen, die neugierig sind auf das Leid eines anderen;

    Menschen, denen es das Herz bricht, als Jesus stolpert und das Gewicht des Folterinstruments nicht mehr halten kann.

    Da, plötzlich, so erzählt die Legende vom Kreuzweg Jesu, löst sich eine Frau aus der Menge. Sie hält ein Tuch in den Händen. Ohne auf die empörten oder erschrockenen Blicke der Menge zu achten, nimmt sie das Tuch und trocknet Jesus vorsichtig den Schweiß von seinem zerstörten Gesicht.

    Mit einer einfachen Geste zeigt sie ihm: Du bist nicht allein, ich stehe dir zur Seite. Hier sind Menschen, die mit dir leiden, die um dich trauern, die dich begleiten. Auch in der Einsamkeit des Todes.

    Und ein Wunder geschieht: Ein Abdruck des Gesichts Jesu bleibt haften auf dem Schweißtuch der Veronika. Das Antlitz Jesu spiegelt sich in dieser einfachen, zärtlichen Geste, mit der die Frau ihm über das Gesicht streicht. Jesus hat dem Tuch seinen Stempel aufgedrückt. Es ist nicht mehr nur ein einfaches Schweißtuch, sondern ein Abbild Jesu Christi. Vera Ikon.

    Ein Abdruck. Nicht viel. Und doch alles. Alles was wir haben. Wir haben nicht mehr als einen Abdruck Jesu in der Welt. Aber dieser Abdruck vergeht nicht. Er löst sich nicht auf, wie es manchmal der Fall ist, wenn nach dem Schlaf auf der Haut das Muster des Kissens zu erkennen ist. Der Abdruck Jesu in der Welt kann nicht mehr verwischt werden. Jesus hat ihr seinen Stempel aufgedrückt.

    So kann ich dem Abdruck seines Lebens, Jesu Spuren folgen. Es gibt das Testament seines Redens und Handelns. Es gibt die Geschichten, die über ihn erzählen, über sein Leben, über sein Sterben und über seine Auferstehung. Es gibt das Abendmahl, es gibt das Vaterunser.

    Und es gibt einen Auftrag: Der Name Veronika – „vera ikon“ – bedeutet „wahres Antlitz“. Durch das Handeln dieser Frau zeigt sich das Gesicht Jesu. In der liebevollen Zuwendung zu dem, der leidet, wird sein Antlitz offenbar. Dort, wo Menschen sich einander zuwenden, sich helfen und füreinander da sind, erscheint ein Abdruck Jesu in der Welt. Vielleicht nicht so wunderbar und so legendär wie in der Erzählung von Veronikas Schweißtuch, aber ganz greifbar und nah. In solchen Momenten triumphiert schon jetzt das Leben über den Tod. Leuchtet ein Licht aus der Ewigkeit in meinem Leben auf. Hinterlässt das Gesicht Jesu sein Abbild in der Welt.

    Der Abdruck Jesu in der Welt hinterlässt tiefe Spuren der Hoffnung und des Lebens. Weil er das größte aller Versprechen verheißt: Dass der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern dass am Ende von allem das Leben steht.

     

    Gebet mit dem Lied: Du bist der Atem der Ewigkeit („Wo wir dich loben“ Nr. 23)

    Du bist der Atem der Ewigkeit. Du bist der Weg in die neue Zeit. Du bist das Leben, Gott.

    Ewiger Gott,
    du hast uns geschaffen und uns deinen Atem eingehaucht. In Jesus Christus, deinem Sohn, zeigst du uns den Weg deiner Liebe. Führe und begleite uns auf dem Weg zu dir in deine neue Zeit. Stärke uns in deiner Gemeinschaft.

    Du bist die Klage und Angst und Not. Du bist die Kraft, unser täglich Brot. Du bist das Leben, Gott.

    Unser Gott,
    unsere Welt dürstet nach Heil. Nach Frieden und Gerechtigkeit. Menschen haben Angst, Menschen leiden unter Krankheit, Menschen sind einsam. Sieh du uns und deine Welt an mit deinem Blick und schenke uns Hoffnung auf dein Reich.

    Du bist das Ohr, das die Zukunft hört, du bist der Schrei, der die Ruhe stört. Du bist das Leben, Gott.

    Großer Gott,
    du hörst uns und unserer Klagen. Schenke uns offene Ohren für dich. Dein Schrei am Kreuz ist auch heute noch überall zu hören auf der Welt. Lass uns nicht in unserer Ruhe verharren und fülle uns immer wieder neu mit dem Vertrauen darauf, dass du uns erlöst hast.

    Du bist die Hand, die uns schützend nimmt. Du bist das Korn, das dem Tod entspringt. Du bist das Leben, Gott.

    Vater unser im Himmel…

     

    Pfarrerin Henrike Frey-Anthes

  • add Morgenandacht 24. März 2020

    Unbekannte Wege können reizvoll sein. Der Dichter Robert Frost hat einmal gesagt:

    “Im Wald zwei Wege boten sich mir dar

    und ich ging den, der weniger betreten war.

    Und das veränderte mein Leben!”

    Ja, wer weiß, was mich auf so einem Pfad erwartet: Eine Herausforderung, die mir zeigt, welche Kräfte in mir schlummern? Neue Gemeinschafts-Erlebnisse? Lerne ich mich und andere von einer neuen Seite kennen?  - Unbekannte Wege können reizvoll sein, sie können aber auch Angst machen: Welche Gefahren lauern da auf der Strecke? Vielleicht ist der Weg zu weit für mich und ich bin den Anforderungen, die er an mich stellt, nicht gewachsen?!

    Ich muss in den letzten Tagen immer wieder an meinen Aufenthalt in der französischen Stadt Chartres denken. Ich war dort einmal mit einer ökumenischen Studiengruppe. Eine Woche lang haben wir unter kundiger Führung die Kathedrale kennen gelernt. Jeden Tag eine neue Seite an ihr, angefangen von der Krypta bis zur Umgehung auf dem Dach. Das eindrücklichste Erlebnis für mich war es, das Labyrinth, das mit weißen Steinen und schwarzblauen Marmorstreifen in den Fußboden der Kirche eingelegt ist, zu durchschreiten.

    Sie können den Anfang auf dem Bild oben einmal mit dem Finger nachfahren: Der Start ist bei der Öffnung am unteren Rand. Zuerst geht’s geradeaus Richtung Mitte. Doch dann kommt schon der erste Umweg. Nach einem kleinen Schlenker sind wir aber wieder auf Kurs. Und man könnte denken: Jetzt bin ich fast am Ziel! Aber – so ist es nicht: Der Weg führt wieder von der Mitte weg. Und dann kommt eine schier endlose Strecke mit vielen Windungen, Biegungen und Richtungsänderungen. Und wenn man das Labyrinth wirklich durchläuft, dann verliert man zwischendurch völlig die Orientierung: Bin ich jetzt dicht am Ziel dran – oder liegt noch eine weite Strecke vor mir? 28 Mal macht der Weg eine Kurve

    und nötigt mich, die eingeschlagene Richtung zu ändern. Daran denke ich in diesen Tagen: Das Leben ist unüberschaubarer geworden. Unsere Pläne, unsere Ziele, die wir uns gesteckt haben, müssen ständig neu korrigiert werden. Diese Erfahrung von Kontrollverlust ist neu in unserem Land. Vieles ist schmerzhaft. Das verbindet uns mit den Menschen früherer Generationen, die solche Erfahrungen wohl immer wieder auch machen mussten. In das Labyrinth von Chartres wurde ein Kreuz eingezeichnet. Es wird gebildet durch die dunklen Stellen, an denen sich die Kehren begegnen. Damit wurde den Menschen früher und wird uns heute gesagt: „Du gehst deinen Weg in dieser Welt nicht allein. Jesus Christus ist mit dir unterwegs. Von seiner Nähe geht Kraft aus. Und er kann dich inmitten aller Unsicherheit immer wieder eine innere Ruhe spüren lassen.“ – Das Labyrinth ist kein Irrgarten. Es gibt keine ausweglosen Sackgassen. Der Weg führt ans Ziel. Und er hat eine Mitte. Diese Mitte des Ganzen ist als sechsblättrige Blüte gestaltet. Auch das ist ein Symbol für Christus. So fragt mich das Labyrinth: „Was ist deine Mitte? Was bestimmt deine Gedanken? Woraus entscheidest und handelst du?“  Und es lädt mich ein: „Lass dein Denken um Jesus kreisen. Vertiefe dich in seine Worte und in sein Leben. Halte ihm hin, was dich heute umtreibt. Und versuche bei dem, was du tust, dich von ihm leiten zu lassen.“

     

    Ich berge mich mit allem,

    was mein Leben ausmacht,

    in deiner Liebe, Christus,

    die mich zum Leben ruft und begleitet.

    Segne meinen Weg

    und lass mich auch für andere

    zum Segen werden.

    Amen

    (nach einem Segensgebet aus dem 4. Jahrhundert)

     

    Pfarrer Wolfgang Wilhelm, Forchtenberg

     

     

  • add Morgenandacht 23. März 2020

    Guten Morgen!

    Neulich stand in meinem Andachtsbuch folgendes Zwiegespräch:

    Eines Morgens liegt die Zeitung neben der Bibel.

    Die beiden unterhalten sich.

    „Hallo, liebe Nachbarin,“ sagt die Bibel, „du hast wieder viele Nachrichten für die Menschen. Sag mal, warum gelten bei dir die schlechten Nachrichten meist als gute Nachrichten?“

    Schlagfertig antwortet die Zeitung: „Ha, und warum kommen deine guten Nachrichten bei so vielen Leuten schlecht an?“

    „Nun antworte zuerst mal auf meine Frage,“ sagte die Bibel „ Jeder weiß doch,  du wirst umso mehr gelesen, je mehr du von Skandalen und Horrormeldungen berichtest.“

    Nachdenklich antwortet die Zeitung: „Ich vermute, schlechte Nachrichten geben meinen Lesern das Gefühl, ganz so schlecht bin ich eben doch nicht.“

    „Viele haben es offenbar schwer, sich richtig gut zu fühlen,“ antwortet die Bibel.

    Darauf die Zeitung prompt: „Genau das ist doch deine Aufgabe! Willst du den Menschen nicht gerne helfen, mit sich selber und dem Leben besser fertig zu werden?“

    „Ich fürchte nur“, meinte die Bibel flüsternd“, viele legen mich zur Seite, weil sie Angst haben, durch mich schlecht gemacht zu werden. Du weißt schon, Sünde und so.“

     Vorsichtig fragt die Zeitung zurück: „Wenn ich mich nicht irre, ist der rote Faden bei dir doch die Freude und die Hoffnung und die Liebe?“

    Da stimmt die Bibel zu: „Ja, nur vergessen das viele! Übrigens, wie wär’s, wenn du ein wenig mithelfen würdest, dass meine guten Nachrichten bei den Leuten besser ankommen?“

    Da lacht die Zeitung.

     

    Ja, die Zeitung hat gut lachen – schlimme Nachrichten gibt es grade zuhauf. Die Corona -Krise lässt uns nicht zur Ruhe kommen.

    Da tut es gut, etwas Beständiges zu haben – die Bibel, Gottes ewiges Wort gibt Trost und Hoffnung. Gerade in diesen Zeiten!

    Hat Gott nicht seinen eigenen Sohn gesandt, dass die Menschen gerettet werden?

    Gottes Liebe macht uns Menschen stark, und das ist ein gutes Gefühl. Was auch geschieht, Gott geht mit. Jesus ist für uns gestorben und auferstanden -daran denken wir gerade jetzt in der Passionszeit.

    Unsere Schwestern und Brüder in Kamerun, die nun auch unter der Coronakrise leiden, sagen mit unerschütterlichem Glauben : „God has the better plan!“ Gott hat den besseren Plan.

    Vielleicht sollten wir doch mehr in der Bibel lesen, Gottes Wege sind ganz anders als wir denken. Viele Geschichten erzählen davon. Ihm dürfen wir vertrauen, und unsere Sorgen und Nöte vor ihn bringen.

    Wie heißt es im Vater unser:

    .. denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit Amen.  


    Stefanie Feiler, Prädikantin

     

     

     

     

     

  • add Morgenandacht 21. März 2020

    Ich zünde eine Kerze an.

    Vertraute Zeilen, eine Melodie kommt mir in den Sinn.

    Du Licht des Morgens. Halleluja.
    Du Anfang und Ende. Halleluja.
    Du Anfang und Ende der Zeit. Halleluja.

    Es ist kaum zu glauben, wie die Zeit vergeht. Eine Woche ist es bereits her, dass wir angefangen haben, in Pfedelbach Andachten, Videos und Informationen über eine Gemeinde-WhatsApp-Gruppe zu verschicken. Von einigen habe ich gehört, wie gut es tut, in diesen Tagen in Gebet und Geist miteinander verbunden zu sein.

    Du Glanz des Tages. Halleluja.
    Du Licht unsrer Wege. Halleluja.
    Du Anfang und Ende der Zeit. Halleluja.

    Es ist kaum zu glauben, wie die Zeit vergeht. Kaum zu glauben, wie viel in dieser einen Woche geschehen ist. Wie sich auch die Rhetorik gewandelt hat. Wie in Frankreich plötzlich vom Krieg gegen einen unsichtbaren Feind gesprochen wird.
    Wie anders sind da die Worte, die uns die heutige Tageslosung mit auf den Weg gibt:
    Ich will Frieden geben in eurem Lande,
    dass ihr schlaft und euch niemand aufschrecke. (3. Mose 26, 6)
    Den Wunsch nach solch einem Frieden, vor allem innerlich, können vermutlich viele gerade nachempfinden. Es ist unheimlich anstrengend, mit den vielen Unsicherheiten und auch Einschränkungen der aktuellen Situation umzugehen.
    Und gleichzeitig ist es erstaunlich und ermutigend zu erleben, wie solidarisch sich viele Menschen verhalten. Rücksicht nehmen, Abstand halten, einander helfen und unterstützen. Vor allem diese Menschen und Situationen möchte ich am Beginn dieses Tages im Blick behalten.

    Du Schöpfer des Lebens Halleluja.
    Du Quelle der Freude. Halleluja.
    Du unvergängliches Licht. Halleluja.

    Und dann ist da nicht zuletzt noch Gott, der mitgeht, auch in diesen Tag. Der zugesagt hat, uns Menschen zu begleiten. Der uns Frieden schenkt und für mich Quelle der Kraft und Hoffnung ist. Ihm kann ich alles anvertrauen, das schwere, was mich anstrengt, und das leichte, was mich freut und ermutigt.
    Uns so kann ich getrost meinen Tag starten, wie unzählige Menschen vor mir, die erfahren haben: Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft,
    wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren. (Phil 4, 7)

    Du Schöpfer der Erde. Halleluja.
    Erhalter des Lebens. Halleluja.
    Du naher barmherziger Gott. Halleluja.

    Amen.

    (Liedtext: Jörg Zink. Melodie: Hans-Jürgen Hufeisen.)

    P.S. Wer das Lied einmal hören möchte, hier ist die Aufnahme einer weiteren Strophe zu finden: https://www.youtube.com/watch?v=JiQGmutRLoU

     

    Pfr. David Mayer

     

     

     

     

     

  • add Morgenandacht 20. März 2020

    Foto: Roland Hartz, Zweiflingen

    Guten Morgen,

    haben Sie gut geschlafen? Sind Sie schon fit und munter – oder hängt Ihnen der Schlaf noch etwas nach? Wie auch immer – ich möchte Sie gerne mit einem alten Morgenlied wecken – Christian Knorr von Rosenroth hat es vor mehr als 300 Jahren gedichtet – vielleicht kennen Sie es?

                                                                          

    Morgenglanz der Ewigkeit,

    Licht vom unerschaffnen Lichte,

    schick uns diese Morgenzeit

    deine Strahlen zu Gesichte

    und vertreib durch deine Macht

    unsre Nacht.

     

    Deiner Güte Morgentau

    fall auf unser matt Gewissen;

    lass die dürre Lebens-Au

    lauter süßen Trost genießen

    und erquick uns, deine Schar,

    immerdar.

     

     Leucht uns selbst in jener Welt,

    du verklärte Gnadensonne;

    führ uns durch das Tränenfeld

    in das Land der süßen Wonne,

    da die Lust, die uns erhöht,

    nie vergeht.

    EG 450,1-2+5

     

    Erquickt den Tag beginnen. Begleitet von Gottes Güte. Die Wege, die vor einem liegen: hell im Licht der Gnadensonne. So behütet und bewahrt in den neuen Tag gehen – das wär` doch mal was!

     

    Ja, schön wär` das schon – aber: Ist es nicht albern, so zu sprechen? Das ist doch mehr Kinderglaube, naiv und überhaupt, ich muss doch bitten, etwas unzeitgemäß!

     

    Warum eigentlich? Wegen eigener Erfahrung? Weil so viel Anderes die Welt beherrscht? Nachrichten von Krieg, Gewalt, Angst und Leid – und natürlich von Corona und jetzt dazu auch noch von Wirtschaftskrise? Zugegeben: Selbst wer geübt ist im Zwischen-den-Zeilen-Lesen – Gnade und Güte sucht man in den Nachrichten meist vergeblich. Das wird wohl auch heute Morgen leider wieder nicht viel anders sein, wenn Sie einen Blick in die Morgenzeitung werfen …

     

    Nein, Glaube bewahrt uns nicht vor dem Leid in der Welt und auch nicht vor persönlichem Schicksal. Auch ein getauftes Kind wird einmal hinfallen und sich das Knie aufschlagen. Auch ein auf Gott vertrauender Mensch hat mitunter schwere oder gar schwerste Wege zu gehen. Pfarrer Dietrich Bonhoeffer hat im Tränenfeld, das die Nationalsozialisten der Welt bereitet haben, und im Dunkel des Konzentrationslagers, in das er geworfen wurde, Gottes Licht nicht aus den Augen verloren. Er konnte so seine Mitgefangenen in dem Vertrauen trösten, dass er und sie alle von guten Mächten wunderbar geborgen seien – wohl wissend, dass die Nationalsozialisten sein eigenes Todesurteil bereits längst unterzeichnet hatten.

     

    Nein, der Glaube bewahrt uns nicht vor dem Leid in der Welt. Aber er schenkt Gelassenheit, Trost, Kraft zum Handeln oder zum Aushalten – und weist Wege, das Schwere zu überwinden oder mit dem Schweren sein zu können.

     

    Und Corona? Neue Nachrichten darüber werden uns sicher auch im Lauf des neuen Tages erreichen. Es gibt Zeiten, in denen ein Gebet besonders hilfreich ist und gut tut – für die Seele und für die Welt. Die Zeiten von Corona sind sicher solche Zeiten.
    Vielleicht gelingt es – und wir können alles, was uns beschwert und Angst macht vertrauend in Gottes Hand legen. Vielleicht können wir heute morgen dann auch, um mit Worten von Pfarrer Dietrich Bonhoeffer zu sprechen, ganz getrost erwarten, was da kommen mag – da Gott bei uns ist am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

     

    Rechnen Sie mit Gottes Hilfe und Kraft! Es wird Ihnen gut tun – und das übrigens nicht nur in Zeiten von Corona und Wirtschaftskrise!

     

    Ich wünsche Ihnen einen guten Tag –

    kommen sie gut und behütet hindurch!

    Pfarrer Markus Laidig

     

     

    Gebet am Morgen:

     

     

    Führe mich, o Herr, und leite

    meinen Gang nach deinem Wort;

    sei und bleibe du auch heute

    mein Beschützer und mein Hort.

    Nirgends als von dir allein

    kann ich recht bewahret sein.

    EG 445,5

     

     

     

     

     

     

  • add Morgenandacht 19. März 2020

    Leichtsinn

    Leichtsinn ... ich mag dieses Wort.

    Für manche ist Leichtsinn im Winter ohne Schal rausgehen, auf einen hohen Baum klettern, sich mitten in die Mittagssonne legen. Oder alle Empfehlungen in den Wind zu schlagen und eben keinen Abstand zu anderen zu halten. Leichtsinn ist dann ein Vorwurf. Ohne Schal kann man eine Erkältung bekommen. Von einem Baum kann man runterfallen und sich zum Beispiel Knochen brechen. In der Mittagssonne ist das Risiko hoch, sich einen Sonnenbrand zu holen. Ja, Leichtsinn kann unverantwortlich sein und üble Konsequenzen haben – zurzeit können sie auch lebensgefährlich sein.

    Leichtsinn möchte ich trotzdem nicht aufgeben. Leichtsinn ist nämlich auch: leichten Sinnes sein, Hoffnung haben und Zuversicht. Das ist jetzt gar nicht so leicht.  Meldungen trudeln ein, dass immer mehr Menschen infiziert sind und der Virus immer näherkommt – mittlerweile ist er bei Nachbarn, Freunden und Bekannten angekommen. Ich sorge mich um Menschen, die mir lieb sind und die ich kenne, um diejenigen, die ich nicht kenne und von denen ich nur ahnen kann, und ehrlicherweise sorge ich mich auch um mich selbst.

    Leichtsinn haben, leichten Sinnes sein möchte ich aber gerade auch jetzt: Mir die Sonne durchs geöffnete Fenster auf die Nase scheinen lassen. Vom Balkon aus die Osterglocken bewundern, die sich fast trotzig weit nach oben recken und davon künden, dass Vergänglichkeit und Auferstehungsfreude zusammengehören. Den Vögeln lauschen, die unbeirrt ihr Lied vom Leben singen. Ich möchte leichtsinnig sein und die Angst unterm Kinn kitzeln. Den Morgen respektvoll begrüßen. Die Sonne durch trübe Gedanken scheinen lassen. Anderen Menschen am Telefon nah sein. Ich möchte sammeln, was ich gerade jetzt im Moment gut finde und wofür ich dankbar bin. Lieder singen oder lesen. Einfach mal allein und vielleicht grundlos herzhaft lachen – nach der Überwindung, anzufangen, lacht es sich leichter; versprochen. Mein schweres Herz und meinen sorgenvollen Kopf lüfte ich mit guten Worten, die Mut machen und von denen meine Hoffnung und Zuversicht sich nähren können.

    „Fürchte dich nicht!“ ist so ein gutes Wort. Und: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

    Welche fallen Ihnen ein?

    Amen.

     

    In dir ist Freude, in allem Leide, o du süßer Jesu Christ!

    Durch dich wir haben himmlische Gaben, du der wahre Heiland bist;

    Hilfest von Schanden, rettest von Banden. Wer dir vertauet, hat wohl gebaut, wird ewig bleiben. Halleluja.

    Zu deiner Güte steht unser G’müte, an dir wir kleben im Tod und Leben; nichts kann uns scheiden. Halleluja.    

    (Evangelisches Gesangbuch Nr. 398)

     

    Pfarrerin Christiane Fröhlich

     

     

     

     

     

  • add Morgenandacht 18. März 2020

    Haben Sie schon gut gefrühstückt heute Morgen- mit Erdbeermarmeladenbrot oder Müsli, frischem Obst?  Ein Morgen ohne Frühstück- für mich nur schwer vorstellbar.

    Andere Menschen verzichten dauernd- oder wenigstens für einige Zeit- auf das Frühstück, weil sie morgens Zeit sparen wollen, ein paar Kilos loswerden wollen (Intervallfasten) oder einfach noch keinen Hunger haben- alles o.k.

    Und es gibt auch Menschen, die haben einfach keinen Appetit, selbst wenn das Essen vor ihnen steht oder ans Bett gebracht wird. Das ist auf Dauer nicht gut. Bei älteren Menschen kommt das leider öfters vor- aber nicht nur bei ihnen: Krankheit, Tabletten, ein Schicksalsschlag, Unverträglichkeiten, die Eintönigkeit oder Einsamkeit können einem den Appetit verderben.

    Manchmal hilft dann gutes Zureden der Enkel: „Ach, Oma, iss doch was“. Oder wenn die Speise besonders schön auf dem Teller zubereitet wird. Oder an die Vernunft zu appellieren („Du musst essen, sonst kannst du die Tabletten nicht nehmen“). Oder dem Kind ein Ziel vor Augen malen: „Du willst doch bald wieder gesund werden und draußen spielen“. Manchmal hilft aber auch gar nichts.

    Vielleicht haben Sie aber auch selbst schon die Erfahrung gemacht, wie appetitanregend und betörend es ist, wenn z.B. der Duft von frisch gebackenem Hefezopf durchs Haus zieht- einfach herrlich. Da läuft mir schon das Wasser im Mund zusammen. Da freue ich mich (noch mehr als sonst) auf das Frühstück am nächsten Tag. Denn meine Erinnerung wird wach, wie gut das geschmeckt hat- schon in der Vergangenheit. Und bestimmt auch diesmal wieder.

    Im Losungsbüchle steht für heute ein Satz, durch den wir erinnert werden an zurückliegende gute Erfahrungen: „Ihr habt geschmeckt, wie freundlich der Herr ist“- so steht es in 1.Pt 2,3.

    Das klingt für manche zuerst vielleicht seltsam: Glaube und wohliger Geschmack in einem Atemzug. Aber der Vergleich ist anregend. Viele haben keinen Appetit (mehr) auf Bibel, Glaube, Kirche. Doch wer schon mal “geschmeckt hat, wie freundlich der Herr ist“, kann auch wieder auf den Geschmack kommen.  Wenn beispielsweise die Erinnerungen an unsere guten (Glaubens-) Erfahrungen aufgefrischt werden. Denn wie leicht vergessen wir, was wir schon Gutes von Gott empfangen haben: ein Bibelwort, das gerade voll zu mir passt, eine Liedstrophe, die mich wieder zum Singen bringt, ein gutes Wort von einem Bekannten, den ich (zufällig?) mal wieder treffe, und wie wir dadurch wieder neue Kraft bekommen haben, wieder auf die Beine gekommen sind. Wenn wir uns daran erinnern, dann ist es gut möglich, dass wir Lust bekommen, Gottes Freundlichkeit bald wieder zu schmecken. Und deshalb Augen, Ohren, ja alle Sinne mobilisieren, um wieder von diesem Guten zu schmecken.

    Im 1. Petrusbrief wird uns übrigens auch vorgeschlagen, dass wir nach Gottes Wort und Freundlichkeit so begierig sein sollen wie neugeborene Kinder nach der Muttermilch. Ein schönes Bild, finde ich.

    „Ihr habt geschmeckt, wie freundlich der Herr ist“. Vielleicht wissen Sie das längst. Oder Sie brauchen jemanden, der Ihre Erinnerung daran auffrischt. Oder Ihnen fällt spontan jemand ein, der Ihre Unterstützung dazu brauchen könnte?

     

     

    Wir strecken uns nach dir, in dir wohnt die Lebendigkeit. Wir trauen uns zu dir, in dir wohnt die Barmherzigkeit. Du bist, wie du bist, schön sind deine Namen. Halleluja, Amen. Halleluja, Amen. (Im Liederbuch „wo wir dich loben wachsen neue Lieder“ Nr. 90,1)

     

    Pfarrerin Brigitte Ebert, Adolzfurt

     

     

     

     

     

     

  • add Morgenandacht 17. März 2020

    Wenn du mich anblickst, werd‘ ich schön

    Ich bete gerne. Ich stelle mir vor, ich trete ein in einen Raum und da ist niemand außer mir und Gott. Er ist da und sieht mich an: freundlich, liebevoll, sehnsuchtsvoll.

    Sein Blick ist gütig und sagt mir: „Siehe, mein Freund, du bist schön.“ Worte aus dem Hohenlied der Liebe (1,16)

    Und ich sehe Gott an mit Augen, die verraten: „Siehe, meine Freundin, du bist schön.“

    Im Gebet kommen wir zusammen, Gott und ich. Ganz nah. Gerade so, wie die Liebenden in den Texten des Hohenliedes der Liebe es tun.

    Wir haben einander lieb und wir sehnen uns nach dem anderen – ich nach Gott und er nach mir.

    In diesem „Gebetsraum“ spüre ich den gütigen Blick Gottes auf mir.

    Ich rücke mich ins „rechte Licht“: Ich kann sein, wie ich gerade bin, fröhlich, hoffnungslos, wütend … , und Gottes Angesicht „leuchtet“ (wie in der Segensbitte „Er lasse sein Angesicht leuchten über dir."). und dann „werd‘ ich schön …

    Gott sieht mich an wie Eltern am Bett ihres Kindes stehen und ihr Angesicht „leuchtet“, weil da ihr Kind ist – wunderschön - und weil sie es lieb haben und sich nach diesem Kind sehnen … und danach, dass vielleicht auch das Angesicht des Kindes zu leuchten beginnt.

    „Siehe, mein Freund, schön bist du!“

    „Siehe, mein Gott, schön bist du!“

    Deshalb bete ich gerne. Deshalb sehnt sich Gott danach, dass ich eintrete im Gebet in seine gute Stube – mit all dem, was ich mitgebracht habe: meiner Freude, meiner Klage, meinen Sorgen – wie jetzt, wo ich auch nicht so recht weiß, wie es weitergeht, damit wir gesund bleiben und werden und es wieder gut wird. Amen.

    Gebet

    Ewiger,

    heiliger,

    geheimnisreicher Gott.

     

    Ich komme zu dir.

    Ich möchte dich hören,

    dir antworten.

     

    Vertrauen möchte ich dir

    und dich lieben,

    dich und alle deine Geschöpfe.

     

    Dir in die Hände

    lege ich Sorge,

    Zweifel und Angst.

     

    Ich bringe keinen Glauben

    und habe keinen Frieden.

    Nimm mich auf!

     

    Sei bei mir,

    damit ich bei dir bin,

    Tag um Tag.

     

    Führe mich,

    damit ich dich finde

    und deine Barmherzigkeit.

     

    Dir will ich gehören,

    dir will ich danken,

    dich will ich rühmen,

     

    Herr, mein Gott.

     

    Von Jörg Zink

     

    Pfarrer Ralph Binder

     

     

     

     

     

  • add Morgenandacht 16. März 2020

    Weise mir Herr deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit

     

    Psalm 86,11

     

    Das hätte mein Weg sein können heute. Seit langem war eine Familienwanderung geplant.

    Das Wetter wäre perfekt gewesen. Strahlend blauer Himmel nach vielen trüben Tagen.

    Wäre da nicht die „Häusliche Quarantäne“ dazwischengekommen.

    Es war ein schöner Gedanke mit der ganzen Familie zu wandern.

    Aber gerne bleibe ich zuhause, wenn dadurch vermieden werden kann, dass andere Menschen angesteckt werden könnten.

    Nicht selten sehen unsere Wege im Leben anders aus, als wir es planen.

    Weise mir Herr deinen Weg! So heißt eine uralte Bitte.

    Es ist nicht einfach diesen Weg zu finden. Wir alle spüren, wie schwierig es ist, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die Entscheidung, soziale Kontakte zu meiden ist das Gegenteil dessen, was uns als Gemeinde ein Herzensanliegen ist. Welche Entscheidungen sind richtig, welche Möglichkeiten haben wir verpasst?

    Wir werden unsere Wege Schritt für Schritt gehen und hoffen, dass wir Gottes richtungsweisenden Zeichen wahrnehmen

     

    Weise mir Herr deinen Weg,

    dass ich wandle in deiner Wahrheit.

    Erfreue die Seele deines Knechts;

    denn nach dir, Herr, verlangt mich.

    Denn du, Herr, bist gut und gnädig,

    von großer Güte allen, die dich anrufen.

    (aus Psalm 86)

     

    Ich möchte Gottes Güte entdecken auf diesem Weg, den wir uns alle nicht ausgesucht haben,

    Ich möchte Gottes Güte entdecken in Solidarität mit den Kranken, mit denen, die in Angst und Sorge leben, mit denen, die Entscheidungen treffen müssen, mit denen, die im Gesundheitswesen arbeiten. Lassen Sie uns Gott anrufen, der an seiner und mit seiner Welt leidet und erfahrbar wird in den Augenblicken seiner Güte.

     

    Ich öffne das Fenster, rieche die Sonne und höre die Vögel zwitschern.

     

    Dekanin Sabine Waldmann